Rosenheim – „Es geht hier jetzt wirklich jeden Tag weiter“, sagt Andrea Thomas und strahlt. In der Tat: Auf der großen Fläche, auf der einmal das neue Rosenheimer Tierheim stehen wird, ist seit ziemlich genau vier Wochen nicht nur jeden Tag Bautätigkeit, sondern jeden Tag auch Baufortschritt zu sehen. Die Grundrisse der zukünftigen Tierbereiche kann man schon erkennen, denn derzeit werden die Fundamente vorbereitet und Kundige wie die Vorsitzende des Tierschutzvereins sehen da nicht nur eine plane Fläche, sondern haben vor ihrem geistigen Auge schon die einzelnen Räume.
Im Juni sollen
die Wände stehen
Aus der ersten Bodenschicht ragen nämlich viele kleine Rohre hervor, die gewissermaßen die späteren „Gästezimmer“ sprich Zwinger markieren, denn bei den Hunden muss jeder Raum ausgespritzt werden können und braucht dazu einen Bodenablauf. Die Grundleitungen dafür sind bereits gelegt, die Rohrenden der Punkt, an dem später der entsprechende Gulli sein wird. Wenn alles nach Plan weitergeht – und derzeit sieht es danach aus – wird man im Juni bereits erste Wände sehen können und ein Bezug der neuen Gebäude durch etwa 30 Hunde, 80 Katzen und etliches Kleingetier zum Jahresende scheint durchaus realistisch.
Lange Pause
nach dem Spatenstich
Konkrete Aussichten, die nicht nur Andrea Thomas, sondern auch die weiteren Vorstandsmitglieder und nicht zuletzt das ganze elfköpfige Team des Tierheims beflügeln, denn im vergangenen Jahr gab es nach dem Spatenstich am 8. März noch einmal eine große Pause: Von der Stadt war zwar die Genehmigung für den Bau bereits erteilt, es galt aber, die Planung endgültig mit den Auflagen aller beteiligten staatlichen Behörden zur Deckung zu bringen. Ein Marathon, der zwar notwendig war, aber in seiner nicht zu ändernden Langwierigkeit manchmal bei den Vorstandsmitgliedern die Frage aufwarf, ob man denn je zu einem tatsächlichen Baubeginn würde kommen können.
Mittlerweile sind alle Planungen abgesegnet und dabei ist man, wie Andrea Thomas sagt, zu einem guten Ende gekommen: „Unterm Strich gelang es“, sagt sie, „eine tragfähige Balance zwischen den behördlichen Auflagen auf der einen Seite sowie dem finanziell Machbaren auf der anderen Seite zu erreichen.“
Das ist entscheidend, denn Geld ist bei einem Bau, der nicht öffentlich gefördert wird, immer knapp. Zu sparen, wo nur immer vertretbar, ist damit ein wichtiges Gebot. Das fing schon bei den ersten Planungen an: „Ein zukunftsfähiger Bau, aber ohne Übertreibungen, war unser Ziel“, sagt Andrea Thomas. „Wir haben uns dazu auch zahllose andere Einrichtungen angeschaut, um aus deren Erfahrungen zu lernen. Man muss Fehler, die andere schon für einen gemacht haben, ja nicht selbst noch einmal wiederholen“, so die Vorsitzende. Man habe versucht, alles, was bei so einem Tierheimneubau nur irgendwie zu berücksichtigen sei, auch wirklich im Blick zu haben und deshalb jetzt, nach der erfolgreichen Abstimmung mit allen involvierten Behörden, tatsächlich ein gutes Gefühl.
Dass dennoch die eine oder andere Überraschung kommen wird, hat sich bereits gezeigt: Beim Abriss des Hauses, in der unter anderem die Wohnung der Tierheimleiterin untergebracht war, stellte sich heraus, dass die Streifenfundamente des Baus mit einem Teeranstrich versehen waren. Der aber gilt als Sondermüll. Da bei seiner Entsorgung nach Gewicht abgerechnet wird, kommen bei der Materialmenge eines Fundamentes schnell etliche Tausend Euro zusammen. Der Projektleiter des Baus, Hartmut Uttscheid, fand glücklicherweise schnell eine günstigere Lösung: Es wird jetzt zunächst die Teerschicht von den Fundamenten abgetragen und dann nur diese als Sondermüll entsorgt.
Trotz des Arbeitsaufwandes für den Abtrag liegen die Endkosten damit nur bei etwa einem guten Drittel des Betrages, der für die Sondermüll-Entsorgung des gesamten Fundamentes fällig geworden wäre.
Kosten: rund
fünf Millionen Euro
Nach wie vor bleibt die Vorsitzende des Tierschutzvereins, Andrea Thomas, deshalb optimistisch, dass man einen Kostenrahmen von fünf Millionen Euro wird halten und auch finanzieren können – nicht zuletzt dank der Mittel aus einer Erbschaft, die dem Verein 2017 zuflossen und den Bau überhaupt erst möglich machten. Ganz ohne finanzielle Sorgen ist sie aber dennoch nicht: Der Betrieb des Tierheims verursacht nach ihrer Aussage jährliche Kosten von rund 500000 Euro, dafür allein 130000 Euro an Tierarztrechnungen. Beträge, an denen sich die Gemeinden und der Landkreis derzeit zu etwa zehn Prozent beteiligen, über die Einzelabrechnungen für Fundtiere oder vereinbarte Pauschalen.
Bitte um
finanzielle Hilfe
Der Wunschtraum von Andrea Thomas wäre eine Erhöhung dieses Anteils auf 25 Prozent. Zwar weiß sie, dass die Corona-Krise mit den damit verbundenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten kein guter Zeitpunkt ist, um auf die finanziellen Nöte der Tierheime hinzuweisen: „Nichtsdestotrotz“, sagt sie, „erfüllen wir eine öffentliche und eine gesellschaftliche Aufgabe, deren Finanzierung man nicht allein privaten Spendern überlassen kann. Man wird deshalb über dieses Thema einfach noch einmal reden müssen.“