Kolbermoor – Morgens und abends überprüft Karl Schwingenschlögl das Förderband des Lohholzer E-Werks. Der Rechen filtert Müll heraus – und der landet auf dem Förderband. Tetrapack, Flaschen und Co. Jetzt war ein riesiger Fisch darunter, ein Huchen.
Undefinierbarer
Gegenstand im Maul
„Das war ein schöner Fisch“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Es komme immer mal wieder vor, dass tote Fische auf dem Förderband landen – aber noch nie so ein Kaliber. Und obendrein haben die auch nichts Großes im Maul. Denn das ist ihm gleich aufgefallen: Ein runder Gegenstand steckte in ihm fest. „Ich konnte nicht genau erkennen, was es war, es sah aus wie ein Kürbis“, so Schwingenschlögl.
Opfer der
Umweltvermüllung
Er hat Bilder gemacht und sie an Jürgen Halder geschickt. Halder ist Fischereiaufseher beim Anglerbund Rosenheim – er kennt sich aus. Und sagt: „Bei dem Gegenstand im Maul des Huchens muss es sich um ein Lebensmittel gehandelt haben.“ Kein Ball? „Davon ist nicht auszugehen. Da ein Ball in der Regel an der Oberfläche schwimmt – und keine Reize auf den Fisch ausübt, erklärt er weiter. Lebensmittel oder Ball – „definitiv ist das Tier daran qualvoll verendet“, sagt er. Halder kann es sich nur so erklären: Der Huchen, dessen Alter er auf mindestens 15 Jahre schätzt und der eine Länge von 119 Zentimetern hat, muss danach geschnappt und es nicht mehr herausbekommen haben. „Er hat sich geschüttelt und geschüttelt, um es herauszubekommen. Vergeblich“, beschreibt Halder den Todeskampf.
Halders Appell: „Keinen Müll, keine Lebensmittel in die Gewässer werfen.“ Auch keine Semmeln – „auch wenn man sie in vier Teile teilt“, erklärt er. „Schnappt beispielsweise eine Forelle danach und das Stück ist knochenhart, weil es eben gerade erst ins Wasser geworfen wurde, bleibt es ihr im Hals stecken und sie erstickt.“
Was also seitens der Bevölkerung gut gemeint sein könnte, könne tödlich für die Tiere enden, erklärt Halder. „Sie sind das Opfer der Umweltvermüllung“, sagt er.
Und er berichtet, dass immer mehr Müll im Kanal und in der Mangfall auftaucht „wir haben hier schon Isar-Verhältnisse“, sagt er im Hinblick auf München. Auch auf den Kiesbänken der Mangfall werde immer mehr gegrillt. Die Reste, die von so einer Grillparty übrig bleiben, werden einfach liegengelassen. Dann kämen die Krähen, suchen Essbares heraus und verteilen Tetrapack, Plastikflaschen und Co. Letztendlich landet alles in den Gewässern.