Kolbermoor – „Rock the pencil, rock the soul, Rock ‘n‘ Roll“: Den Spruch hat sich Johanna Strell (15) ausgedacht und zu ihrem Motto gemacht. Sie möchte individuell gestaltete E-Gitarren verkaufen, Lydia Papazoglu (14) in einem eigenen Café besondere Torten anbieten und Petra Pàvics (16) ein Nagelstudio für Jugendliche eröffnen. Die drei Achtklässler der Pauline-Thoma-Schule haben jetzt am NFTE-Projekt teilgenommen. NFTE steht für „Network for teaching entrepreneurship“ und dahinter steckt, dass die Schüler für sich eine Geschäftsidee entwickeln – samt Business-Plan sowie Gewinn-und Verlust-Rechnung.
Zweiter Platz für
Johanna Strell
Am Ende des Planspiels steht eine Gruppe aus Juroren, die jeweils die drei besten Ideen küren. Dennoch ist dieses Finale nicht nur ein Höhepunkt im Schuljahresverlauf der achten Klassen, sondern auch einer für die ganze Schule: Die Präsentation der Unternehmensideen erfolgt an Ständen in der Eingangshalle der Schule, der ganze Tag ist ein Fest, inklusive Auftritt der Schulband. Normalerweise. Heuer wurde dieser „Business-Tag“ wegen der Corona-Beschränkungen ersatzlos gestrichen.
Die Arbeit eines ganzen Schuljahres also ohne jede Resonanz? Möglicherweise auch die nachfolgende Landesentscheidung gestrichen, bei der jeweils die drei Erstplatzierten aus den verschiedenen teilnehmenden bayerischen Schulen gegeneinander antreten? Für Susanna Klein, Lehrerin an der Pauline-Thoma-Schule und bayerische Regionalbeauftragte des NFTE, ein Unding. Sie suchte und fand eine Lösung – zumindest für die Landesentscheidung. Die wurde zu einer virtuellen Veranstaltung im Internet gemacht. Auch wenn wegen des technischen Aufwandes und den coronabedingten Einschränkungen nur zwei anstatt vier bis fünf Schulen teilnahmen.
Johanna, Lydia und Petra vertraten jetzt die Pauline-Thoma-Schule beim Landesentscheid und präsentierten ihre Geschäftsideen per Videokonferenz. Lydia sagte, sie hätte zwar gern direkt gesehen, wie ihre Vorstellung ankam. Doch Johanna sah in der Distanz auch einen Vorteil: „Kein unmittelbares Publikum, keine Nervosität.“ In einem Punkt sind sich die drei aber einig: Sie wollen nicht in ihrem Geschäftsprojekt arbeiten – zumindest nicht hauptberuflich.
Faszinierend:
Konkretes Vorhaben
Dennoch: Für Klassenleiter Wilfrid Abtmeier ist es ein Riesengewinn, wenn man als Schüler entdeckt, worin man gut ist. „Die meisten wissen nicht, welche Fähigkeiten sie haben.“
Faszinierend fanden alle drei, wie aus einem vagen „das würd‘ ich mal machen wollen“ ein konkretes Vorhaben wird. Zu wissen, wie man dabei vorgehen muss, zu lernen, beim Träumen über die Zukunft nicht die Realität zu vergessen, das ist, so Johanna, in jeder Lebenslage ein Vorteil. Und gelernt haben zumindest Lydia und Petra noch etwas: Beide kamen nicht unter die ersten drei. Solche Rückschläge sind enttäuschend, aber die beiden Schüler zeigten, was für einen Menschen viel wichtiger ist: die Fähigkeit zur Empathie, sich von ganzem Herzen für einen anderen, in diesem Falle Johanna, zu freuen. Johanna Strell errang beim Landeswettbewerb den zweiten Platz. In diesem Sinne galt am Ende für alle drei: „Rock the pencil, rock the soul, Rock ‘n‘ Roll.“