Kolbermoor – Auf dem Gelände liegt ein Ball. Ferdinand schießt ihn weg. Könnte der Esel sprechen, würde er sagen „Komm, spiel mit mir“. Dort lag auch mal ein großer Traktor-Reifen – der ist mittlerweile entsorgt. Esel Pedro hatte sich im Frühjahr darin verfangen. Und trotz der unermüdlichen Hilfe Pross-Kohlhofers, der Kolbermoorer Feuerwehr und des Verpächters Werner Stieb ist Pedro an den Folgen des Unfalls gestorben (wir berichteten).
Feuerwehr
baute Trage
Nachdem man den Esel befreit hatte, warteten alle geduldig, bis Pedro sich aufgerappelt hatte und transportfähig war. Die Feuerwehr baute noch eine Trage – und Pedro wurde in die Pferdeklinik gebracht. Doch es hatte sich einfach zuviel Wasser in seiner Lunge gesammelt. Dieser tragische Unfall lässt Irmgard Pross-Kohlhofer bis heute nicht los. Und als Andenken hängt gleich am Stall zur Seite der Sandfläche hin das Schild „Pedros Platzerl“. Da hat Pedro immer gestanden. Ihr Verpächter Werner Stieb hat sie damals informiert. Er hat gesehen, dass sich der Esel in dem Reifen verfangen hat und sofort geholfen.
Das jetzige Esel-Zuhause sei perfekt. „Hier können die Langohren artgerecht leben.“ Es gibt in der Tenne auch einen Platz, wo alle Halfter hängen. Alle sind mit Namen versehen – Pedros Halfter hängt auch noch dort.
Sie ist mit ihrer Esel-Liebe nicht alleine. Ihre Esel haben Paten. Sie besuchen die Tiere, kuscheln mit ihnen, striegeln sie und manchmal gibt es auch Leckerlies. Im Juli 2006 gründete sie die „Eselfreunde Kolbermoor“ – ein Zusammenschluss von Eselpaten und Eselfreunden.
Übers Internet zur
Esel-Leidenschaft
Sie sind zum Knutschen! Die neun Esel, die in Schlarbhofen leben und vor Freude „schreien“, wenn Besitzerin Irmgard Pross-Kohlhofer mit ihrem Auto vorfährt. „Sie erkennen am Geräusch des Wagens, dass ich es bin“, sagt die Kolbermoorerin (48) und streicht Schecki (21) über die Mähne. Schecki ist übrigens mal zum drittschönsten Eselwallach Deutschlands gekürt worden. Der Esel geht wie ein Modell, obendrein hat er einen feinen Körperbau.
Schecki ist einer der neun Esel von Pross-Kohlhofer, die zwischen sieben und 23 Jahre alt sind. Sie hat seit 2002 Esel. „Damals habe ich im Internet ,Esel‘ eingegeben und stieß auf die ,Interessengemeinschaft der Esel- und Mulifreunde Deutschlands‘.“ Sie besuchte ein Eseltreffen – und schon war es um sie geschehen. Aber was macht die Faszination aus? „Sie sind sehr einfühlsam, nehmen Emotionen auf und wenn man traurig ist, sind sie da – zumindest, die die wollen“, sagt sie und lacht. Denn ein bisschen eigenwillig sind sie schon. Aber dafür sehr gelehrig: „Du dummer Esel trifft auf keinen Fall zu.“
Das zeigt Ferdinand (7) beim Lauftraining. Auf einer Bahn geht Ferdinand, der ein Stockmaß von 147 Zentimeter hat und somit ihr größter Esel ist, dicht neben ihr her. Ganz ohne Strick und Halfter. Obendrein übt Pross-Kohlhofer mit den Tieren auch über kleine Hindernisse zu gehen und sich auf ein Podest zu stellen. Das klappt schon ganz von alleine: Stellt sie die flache Holzkiste auf das Gelände, gehen die Esel hin und stellen die Vorderhufe darauf. Schau mal, was ich kann! Amigo (7) und Kasper (16) machen es vor.
Des Weiteren übt sie mit ihnen über Gullideckel zu gehen – das mögen Esel eigentlich nicht. Aber Schritt für Schritt schaffen sie es mit Pross-Kohlhofer. Denn sie unternimmt mit den Eseln auch Wandertouren – und daran können Interessierte auch teilnehmen und einen Esel führen. So ist beispielsweise Kasper (16) am Palmsonntag in Ottobrunn. „Das macht er prima“, sagt Pross-Kolhofer, die bei solchen Terminen immer an der Seite ihrer Esel ist. Das ist ihr wichtig. Denn sie ist verantwortlich für die Esel – „ihnen soll es gut gehen“. Und damit das so ist, stehen sie nicht im fetten Gras: „Esel sind Wüstentiere. Würden sie den ganzen Tag das saftige Gras fressen, zöge das schwere Krankheiten nach sich.“ Und deshalb sind ihre Esel höchstens zwei Stunden am Tag auf der Weide. Die andere Zeit über tummeln sie sich auf einer Sandfläche oder im Stall – wie sie mögen. „Die Tiere bauen eine enge Bindung zu den Paten auf.“ Kasper (16) hatte welche, die nach Amerika ausgewandert sind. „Als sie sich verabschiedet haben, war es sehr traurig.“ Auch Kasper spürte das. Als die Paten nach Jahren zu Besuch kamen, hat Kasper sie wiedererkannt, erinnert sie sich. Esel haben ein Gedächtnis wie ein Elefant.