Kolbermoor – Die Kolbermoorer Musikschule muss schließen. Schließlich liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über 200. Am gestrigen Freitag fiel die Entscheidung und Leiter Günther Obermeier informierte die Eltern der Musikschüler via Mail über die Schließung. Ab wann die Kolbermoorer Einrichtung wieder öffnen kann, steht laut Obermeier in den Sternen. Vor allem auch wie dann der Unterricht abgehalten werden soll. Bisher habe man sich coronabedingt geholfen. Wie, das verrät er im Interview.
Herr Obermeier, findet ab Montag wirklich nichts mehr statt?
Alles muss abgesagt werden. Wir werden uns jetzt wieder auf den Einzelunterricht via Internet einstellen müssen. Damit haben wir ja bereits im Frühjahr begonnen, als die Kolbermoorer Musikschule auch geschlossen war.
Wie wurde die Musikschule unter Corona-Bedingungen vorher betrieben?
Im November hat sich für uns nichts verändert, wir unterrichteten wie vor dem Lockdown vor den Herbstferien. Wir unterlagen keinen weiteren Einschränkungen. Wir haben die vorgeschriebenen Abstandsregeln eingehalten. Bei den Blasinstrumenten und beim Gesang waren Lehrer und Schüler durch eine Plexiglasscheibe getrennt, die Sänger und Bläser mussten einen Mindestabstand von zwei Metern einhalten, bei allen anderen sind es 1,50 Meter.
Konnten Sie das in den Räumlichkeiten der Musikschule einhalten?
Diese Regelungen hatten wir schon vor den Sommerferien, wir haben uns darauf natürlich einstellen müssen. Für unseren Unterricht konnten wir zusätzlich unter anderem den Mareis-Saal und Mareis-Keller nutzen, im Rathaus das Trauzimmer oder den Sitzungssaal.
Mussten Sie dafür extra ein Hygiene-Konzept erstellen?
Ja, Kinder mussten außerhalb der Schule oder des Gebäudes, wo der Unterricht stattfand, warten. Sie wurden vom Lehrer abgeholt, dann hieß es Hände waschen, im Gang mussten natürlich beide Masken tragen, weil sich dort mehrere Personen treffen könnten.
Mittlerweile ist bekannt, dass Aerosole eine große Ansteckungsgefahr bergen. Wie gehen Sie in der Musikschule damit um?
Wir mussten im halbstündigen Abstand oder beim Unterrichts-Stundenwechsel durchlüften. Unsere Musikschüler sind gut mit den Regelungen umgegangen; die jüngeren sind ja gut trainiert von den Vorgaben in ihren Schulen.
Gibt es auch vor der kompletten Schließung coronabedingt Einschränkungen?
Angeboten wurde weiterhin Instrumental- und Vokal-Unterricht mit Popgesang und Stimmbildung. Gestrichen wurden die Proben des großen Chors, weil zum größten Teil Ältere mitsingen. Es wurde zwar nicht verboten, aber wir haben es unter diesen Bedingungen derzeit nicht für angemessen gehalten, dass die rund 40 Chormitglieder zusammenkommen und singen. Im Mareis-Saal hätten wir zwar die Abstände einhalten können, aber nach Rücksprache mit der Stadt haben wir uns darauf verständigt, dass wir die Chorproben erst mal auf Eis legen.
Haben Eltern ihre Kinder vom Unterricht ferngehalten?
Es gab einige wenige Fälle. Wir haben aber dennoch eine gewisse Zurückhaltung bei den Anmeldungen im Sommer gespürt. Normalerweise haben wir etwa 750 Anmeldungen, jetzt liegen wir bei knapp unter 700. Das ist aber kein dramatischer Einbruch.
Welche Erfahrungen haben Sie gemacht bezüglich Infektionen innerhalb des Musikschulbetriebs?
Vereinzelt waren Schüler in Quarantäne, weil es an ihren Schulen Infektions-Fälle gegeben hat. Viele unserer Lehrer arbeiten auch an anderen Musikschulen, einer dieser Lehrer musste in Quarantäne, weil es einen seiner Schüler erwischt hatte. Interview: Ulrich Nathen-Berger