Kolbermoor – Auf dem Papier steht Kolbermoor in Sachen Internet-Versorgung nicht schlecht da: Gut 71 Prozent der Haushalte haben schnelles Internet mit 500 Megabit. Damit kann man problemlos Filme anschauen oder im Homeoffice arbeiten.
Allerdings sind gut 28 Prozent der Haushalte mit mindestens 30 Megabit dabei, was ebenfalls für Filme und Homeoffice ausreicht. Nur wenn mehrere Familienmitglieder gleichzeitig aufwendige Internetaufgaben bewältigen wollen, kann es knapp werden.
Leistung muss beim
Kunden ankommen
Diesen Sachstand konnte Anton Biereder von der Firma Höpfinger aus Haag den Mitgliedern des Projektausschusses darlegen. Die Firma hat die Stadt bei der „Breitbandoffensive“ der Regierung betreut, die im Jahr 2015 gestartet worden war und 2018 zum Abschluss gekommen ist. Die Zahlen, die Anton Biereder vorlegte, geben an, mit welchen Übertragungswerten die Netzanbieter ihre Kunden maximal versorgen können.
Allerdings – und das ist der Haken – nur dann, wenn die Übertragungsleistung auch beim Endkunden ankommt. Das aber ist nicht immer der Fall: Gerade dort, wo von den einzelnen zentralen Übergabepunkten zu den Endverbrauchern hin Kupferkabel verlegt sind, bricht die Leistung bei starkem Netzverkehr bisweilen in einigen Haushalten ein.
Von daher kommt die Gigabitrichtlinie der Staatsregierung zur rechten Zeit – mit diesem Programm sollen die Netze möglichst flächendeckend auf Glasfaserkabel umgestellt werden. Damit sollen dann für Privathaushalte 200 Megabit gesichert sein, für Gewerbebetriebe sogar ein Gigabit.
Das vorgeschriebene Verfahren ist dabei im Grunde das gleiche wie bei der bereits durchgeführten Breitbandversorgung: Zunächst versucht man sich einen Überblick über den Ist-Zustand der Versorgung zu verschaffen, dann werden die Netzbetreiber befragt, in welchen Stadtbereichen sie von sich aus Umstellungen auf Glasfaser planen.
Für die Bereiche, in denen von Betreiberseite aus nichts geschieht, muss, wenn Verbesserung erzielt werden soll, die Stadt mit einspringen. Sie bekommt bis 2025 eine 80-prozentige Förderung, maximal 2500 Euro pro Haushalt, insgesamt maximal drei Millionen Euro.
Drei Millionen Euro hören sich zunächst gut an, wenn man aber bedenkt, dass der Aufwand enorm ist – Straße aufreißen, Kabel verlegen, Straße wieder neu asphaltieren – kann es in der Praxis knapp werden.
Die Stadt könnte, so Bürgermeister Peter Kloo in der Sitzung, vor die Frage gestellt sein, welche Versorgungsgüte auf welcher Fläche vernünftigerweise zu realisieren ist. Einfach „dazu zu buttern“ und quasi auf eigene Kosten die Restflächen aufzurüsten, ist für die Stadt keine Lösung. Denn das hieße das Steuergeld der Allgemeinheit aufzuwenden, obwohl der Nutzen nur einigen wenigen zugute kommen würde.
Wenn von der Politik flächendeckend optimale Versorgung gewünscht sei, so die Überzeugung des Bürgermeisters, dann müsste diese über die Bundesnetzagentur auch wirklich dafür sorgen. „Den schwarzen Peter an die Kommunen weiterzugeben, ist jedenfalls keine Lösung“.
Stadtrat Gerhard Duschl (CSU) betonte deshalb in der Sitzung, dass es wichtig sei, beim Ist-Zustand nicht nur die theoretisch möglichen Übertragungsleistungen zu kennen, sondern die Werte, die beim Endkunden tatsächlich ankommen. Nur dann wisse man, wo eine Investition wirklich Engpässe überwinde und damit Sinn mache.
Das Problem für die Stadt: Diese Angaben sind von den Netzanbietern nicht zu bekommen. Man habe, so Kloo auch an die Bundesnetzagentur geschrieben, bislang ohne Erfolg. Für Bauamtschef Andreas Meixner ein Anlass, die Endkunden um Hilfe zu bitten. Jeder könne zuhause einen Speedtest durchführen.
Wenn dies mehrere Endnutzer täten, bekomme man ein Bild davon, wo zu welcher Tageszeit welche Leistungen tatsächlich zur Verfügung stehen. Diese Daten wären damit, so Meixner, ein durchaus wichtiger Beitrag für die kommende Analyse mit dem Dreisatz aus Versorgungszustand, Ausbauabsichten der Betreiber und dem Ausbauanteil, dessen Bewältigung dann der Stadt überbliebe.
Angebot für
Vorabuntersuchung
Diese Analyse wiederum ist die Grundlage für den Stadtrat, auf einer Beschreibung der tatsächlichen Lage über etwaige förderungsbasierte Aufrüstungen zu entscheiden.
Ein Angebot über diese Vorabuntersuchung wird die Firma Höpfinger der Stadt in den nächsten Wochen zukommen lassen.