„Schön zu hören, es hat gut getan“

von Redaktion

Interview Marion Krattenmacher, Reha-Trainerin beim SV-DJK Kolbermoor

Kolbermoor – Der erste coronabedingte Lockdown im Frühjahr zeigte auch einem wichtigen Sportbereich die Rote Karte: dem Rehasport. Bei der ambulanten Rehabilitation geht es darum, nach Erkrankungen oder zu hohen beruflich bedingten körperlichen Belastungen Gesundheit, Leistungs- und Arbeitsfähigkeit mithilfe einer speziellen Therapie wiederherzustellen.

„Fast drei Monate waren unsere Therapieeinsätze auf Eis gelegt“, schildert Marion Krattenmacher im Gespräch mit dem Mangfall-Boten die Situation beim SV-DJK Kolbermoor. Die 54-jährige Reha-Trainerin bietet über den Verein normalerweise Kurse im Rehasport für die Bereiche Orthopädie und Osteoporose an.

In der aktuellen Situation der Corona-Pandemie läuft jetzt allerdings alles anders: Die Kursteilnehmer können sich ab 11. Januar mittels Video-Kurse fit machen, angeleitet von Marion Krattenmacher. Für sie ist der Sport eine Passion.

Was treibt Sie an, andere Menschen zum Sport anzutreiben?

Ich habe schon immer gerne Sport getrieben, von Kindesbeinen an. Was mich antreibt und motiviert ist die Begeisterung der Menschen und ihre Rückmeldungen. Es ist schön, so was zu hören wie „die Stunde war toll“, „es hat gut getan“, oder „die Übungen haben mir geholfen, die Schmerzen sind weg“.

Welche sportlichen Erfahrungen haben Sie gemacht?

Im Alter von sechs Jahren habe ich 1972 mit dem Judo-Leistungssport begonnen…

…weil die Eltern das so wollten…

…ja, ich war das jüngste von drei Kindern. Mein Bruder sollte Sport machen beim SV-DJK Kolbermoor, die Wahl fiel auf Judo. Meine Eltern haben festgelegt: Alle drei machen das Gleiche – oder gar nichts. (Lachend) Das war damals einfach so. Wir sind dem Verein mit Judo-Sport dann lange treu geblieben.

Welche sportlichen Erfolge konnten Sie in dieser Zeit für sich verbuchen?

Als Mitglied des Judo-Jugendauswahlkaders Bayern wurde ich 1980 als 14-Jährige zweite deutsche Meisterin in der Mannschaft.

Mit 14 haben viele Jugendliche andere Dinge als Sport im Kopf…

…mei, wir haben viermal pro Woche trainiert, die Freunde waren auch Judokas.

Das heißt, Ihr Leben war nicht nur dem Sport untergeordnet?

Nein, ich bin auch geritten und hatte viele andere Interessen. Und da war auch noch die Schule (lacht).

Was haben Sie beruflich gemacht?

Ich habe im Einzelhandel gelernt und bin zur Handelsfachwirtin ausgebildet worden, weil meine Eltern eine Strick-Firma hatten. Eins der Kinder musste sozusagen dafür büßen, als Jüngstes musste ich also dafür herhalten und in der Firma mitarbeiten. Eigentlich wollte ich ein Sportstudium machen… Übernehmen konnte ich die Firma nicht mehr, weil meine Eltern sie vorher aufgegeben haben. Eine Strickfirma in Deutschland – das kann auf Dauer nicht funktionieren. Dann bekam ich meine Kinder und war überwiegend als Hausfrau und mit der Kindeserziehung beschäftigt.

Die haben Sie natürlich auch zum Sport gebracht…

…beide Töchter sind beim SV-DJK Kolbermoor seit drei Jahren als Abteilungsleiterinnen im Bereich Turnen und Fitness aktiv; Sarah für die Erwachsenen und Laura für Kinder und Jugendliche. Von 2010 bis 2017 hatte ich die Funktion im Verein.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht mit Ihren Kursteilnehmern, denen Sie gesundheitlich auf die Sprünge helfen wollen?

Nur positive Erfahrungen: Sie melden sich zum größten Teil seit Jahren immer wieder zu meinen Kursen an. Ich spüre großes Vertrauen in meine Anleitungen und Ratschläge und ich glaube, sie fühlen sich bei mir gut aufgehoben.

Das zeugt von großem Einfühlungsvermögen und einer guten Ausbildung…

Angefangen habe ich als Übungsleiterin im Kinderbereich, hab’ dann auch viele Jahre Klassen im Schulsport betreut.

Wie sind Sie dann zum Reha-Sport gekommen?

Über die Jahre hinweg war ich mit meinen Kursstunden sehr stark ausgelastet, mehr und mehr hat mich deshalb die Frage beschäftigt, wie lange ich das so noch bieten kann. Ich werd’ ja auch nicht jünger (lacht). Also musste ein zweites Steckenpferdchen her. In meinen Gruppen gab es viele Menschen, die sich mit einem Weh-Wehchen herumschlugen. Zudem hatte und habe ich in meinem Bekanntenkreis Schlaganfallpatienten. Das hat mir gezeigt, wie mühselig für die Betroffenen oftmals die Rehabilitation ist. Und es war der Anstoß vor drei Jahren, mich in diese Richtung zu orientieren und entsprechende Reha-Ausbildungen zu absolvieren. Jetzt biete ich seit zwei Jahren entsprechende Kurse in einer eigenen Sparte des SV-DJK an.

Wie ist Ihr Fazit aus dieser Zeit?

Ich bin überrascht, dass es möglich ist, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen zu körperlichen Bewegungen zu bringen, dass sie daran auch Spaß haben, sich besser bewegen zu können. Meine älteste Kursteilnehmerin ist 94, mit ihr mache ich natürlich andere Übungen als mit 35-Jährigen, die zuviel Zeit auf ihrem Bürostuhl verbringen.

Was raten Sie denn den ins Homeoffice Verbannten?

Immer mal wieder aufstehen, nicht nur sitzen, sondern regelmäßig für Bewegung sorgen, mal strecken, die Hände zum Himmel nehmen, die Arme um sich herum schlingen, leichte Drehbewegungen, die Knie zum Brustkorb ziehen – es gibt viele Möglichkeiten, die Muskeln aufzulockern – man muss es nur tun.

Interview: Ulrich Nathen-Berger

Artikel 6 von 6