Kolbermoor – Die Klassenräume sind verwaist, in der Pauline-Thoma-Mittelschule Kolbermoor herrscht gespenstische Stille. Die CoronaPandemie hat das öffentliche Leben in die Knie gezwungen. Auch den Schulbetrieb: Seit Mittwoch müssen die rund 370 Schüler zuhause bleiben, Distanzunterricht ist angesagt. Corona und die Mittelschule – dazu hat Rektor Markus Rinner im Gespräch mit dem Mangfall-Boten jetzt Stellung bezogen.
In der vergangenen Woche hatten Sie einen Corona-Fall an der Schule. Wie haben Sie die Situation bewältigen können?
Am vergangenen Donnerstag haben wir vormittags die Meldung vom Gesundheitsamt Rosenheim bekommen, dass eine unserer Schülerinnen positiv auf Corona getestet wurde. Dann lief eine riesige Maschinerie an mit Datenerfassungen der Schüler, mit Kontakt-Rückverfolgungen bei Schülern und Lehrern, wir mussten die Eltern informieren, die Ganztagesklasse wurde in Quarantäne geschickt. Wir hatten Stunden damit zu tun, diese Situation zu bearbeiten.
Welche Auswirkungen hatte der Fall auf das Lehrerkollegium?
Zwei Lehrkräfte, die in der Klasse eine Zeitspanne unterrichtet haben, mussten auch in Quarantäne. Schüler wie Lehrer kommen erst dann zurück, wenn nach einem gewissen Zeitraum ein erneuter Test negativ ausgefallen ist.
Wie geht’s der Schülerin?
Wieder ganz gut. Alle anderen Schüler waren zum Glück nicht infiziert, auch die Lehrer nicht.
Wie wirkt sich der erneute Lockdown auf die Schule aus?
Die Abschlussklassen, also die neunten und zehnten Klassen, haben Distanzunterricht. Wir kommunizieren mit den Schülern jetzt täglich bis zu 90 Minuten über eine Videoplattform eines privaten Anbieters. Das funktioniert besser als das bayerische Mebis-Portal. Für den Rest des Unterrichtstages bekommen die Schüler Arbeitsaufträge, die in der Videokonferenz besprochen werden. Die Schüler der fünften bis achten Klasse arbeiten Aufgaben ab, die ihnen per E-Mail oder Telefon zugestellt werden.
Konnten Sie sich mit der Schule nach dem Lockdown im Frühjahr digital besser aufstellen, um problemlos den Distanzunterricht anzubieten?
Wir haben schon vor zwei Jahren an der Digitalisierung gearbeitet, weil die Stadt mitgegangen ist. Um sich im IT-Bereich besser aufzustellen, hätte vom Frühjahr bis jetzt die Zeit nicht gereicht. Wir haben aber das Glück, dass die Stadt Kolbermoor sehr zukunftsorientiert ist. Vor zwei Monaten haben wir einen schnellen Internet-Anschluss bekommen. Eigentlich sollte dieser Anschluss schon vor einem halben Jahr realisiert werden, aber die Telekom hatte nicht die Ressourcen, um das zu bewerkstelligen. Zudem: Schon im Vorfeld haben wir aus einem Budget rund 40 Tablets bestellen können – die aber zum Teil noch nicht geliefert wurden. Die brauchen wir aber für eine funktionierende Video-Konferenz.
Wie hat sich das Kollegium auf den drohenden Lockdown vorbereitet?
Die Kollegen haben sich gut darauf einstellen können. Wir hatten im Vorfeld Testdurchläufe gemacht, wie zum Beispiel eine Videokonferenz abläuft, geprüft, ob der Internetanschluss sowie das Netz der Schule wie auch das der Schüler die Belastungen durch das Streamen schaffen können; das lief alles einwandfrei.
Haben Sie die Schüler alle erreichen können? Gab es schon Rückmeldungen von den Eltern?
Von den Eltern noch nicht, das ist noch zu früh. Aber die Schüler haben wir alle erreicht.
Wie gehen Ihre Kollegen mit dem Lockdown um?
Inzwischen recht gelassen. Zu Beginn der Pandemie, als wir den ersten Wechselunterricht hatten, gab‘s schon mal etwas Aufregung, weil wir nicht wussten, wie es funktioniert. Jetzt sind Schüler und Lehrer gut eingespielt.
Wie haben die Eltern in den vergangenen Monaten bei der Problembewältigung mitgearbeitet? Wie sind Ihre Erfahrungen?
Sehr gut – das ist das Verdienst der Eltern, dass wir relativ wenige Klassen und Lehrer in Quarantäne hatten. Extrem nach den Herbstferien hatten wir viele Fälle von Schülern, die auf das Coronavirus positiv getestet worden waren. Die Eltern hatten aber früh genug reagiert, ihre Kinder zuhause gelassen und uns umgehend informiert. Interview: Ulrich Nathen-Berger