Kolbermoor – Die Kolbermoorer Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) trifft sich regelmäßig und bietet auch Führungen an. Nicht so im Corona-Jahr 2020. „Im letzten Jahr konnte ich eine Fledermaus-Führung anbieten“, sagt BN-Vorsitzender Klaus Dehler (65). Über störende Spaziergänger, Pläne für 2021 und grüne Oasen der Stadt, spricht er im Interview.
Herr Dehler, derzeit sind die Bürger zum Daheimbleiben verdonnert. Spazierengehen ist aber erlaubt. Stimmen wurden in den Medien laut, dass darunter teilweise auch Flora und Fauna leiden. Wie schätzen Sie das ein?
Ja, da gibt es Probleme. Einige Spaziergänger laufen querfeldein – dadurch wird viel zerstört. Und wenn die Leute beispielsweise nahe des Schilfgürtels am Tonwerkweiher unterwegs sind, stören sie auch die Vögel, die dort brüten. Von Anfang März bis Mitte Juli ist Brutzeit.
Muss man sich um die Kolbermoorer Oasen sorgen?
Schon ein wenig. Denn es gibt immer wieder Begehrlichkeiten. Dass der Tonwerkweiher dem Landkreis gehört, ist ein großer Vorteil. Es gibt aber Bestrebungen der Stadt, zusätzliche Fußwege von der Bergsiedlung auf den Weg zu bringen. Diese Wege sollen auch beleuchtet werden. Das passt nicht in ein Biotop. Es bleibt auch abzuwarten, was die Deutsche Bahn hinsichtlich des Nordzulaufs plant, wenn die Trasse durch die Kaltenauen wirklich kommt. Das ist nicht auszudenken.
Wie schaut es generell mit den „Grünen Oasen“ in Kolbermoor aus?
Außerhalb der Stadt gibt es schon viele wertvolle Flächen, wie die Kaltenauen, Panger Filze, Harthauser Filze und den Tonwerkweiher.
Und innerhalb der Stadt?
Es gibt die Spinnereiinsel und kleinere Flächen an der Mangfall zum Beispiel. Wenn uns hier nicht noch alles zugebaut wird, gibt es schon Besonderheiten, wie etwa auch das Tonwerkgelände.
Was ist dort am herausragendsten?
Es gibt dort die Orchideen-Flächen und viel Schilf, in dem Vögel brüten, wie beispielsweise die Zwergrohrdommel, die sehr selten ist. Das Tonwerkgelände ist wirklich eine grüne Oase.
Im letzten Jahr wurde seitens eines Bürgers angeregt, eine Streuobstwiese in Kolbermoor zu realisieren. Wie stehen Sie seitens des Bund Naturschutz dazu?
Wir könnten so etwas nicht betreiben, aber wir könnten beratend tätig sein.
Wie lief es bei der Ortsgruppe des Bund Naturschutz 2020?
Wir mussten leider sehr viele Termine absagen. Zum einen haben wir jährlich etwa zehn Ortsgruppentreffen, davon fand nicht mal die Hälfte statt. Darüber hinaus mussten auch weitere Veranstaltungen, wie Führungen, abgesagt werden – um die 80 Prozent konnte nicht stattfinden.
Ausgefallen ist auch die Bund-Naturschutz-Aktion „Pflegemaßnahmen am Tonwerkweiher“. Soll das nachgeholt werden?
Ich denke, dass wir es heuer nicht mehr machen können. Denn es wäre nur noch bis 1. März möglich, weil wir ansonsten die Vögel stören würden. Ich hoffe, dass es im Herbst wieder klappt.
Was ist denn für 2021 geplant?
Momentan noch nichts. Auch die monatlichen Treffen sind derzeit auf Eis gelegt. Es ist schon demotivierend. Auch, weil wir keine neuen Mitglieder werben können. Wir haben etwa 400 Mitglieder, davon sind zwischen 15 und 20 aktiv, die auch bei Aktionen mitanpacken. Es wäre schön, wenn es mehr werden.
Was denn zum Beispiel?
Wir haben Gespräche mit dem Landratsamt hinsichtlich des Eglsees geführt. Dort gibt es viele seltene Pflanzen, wie bestimmte Orchideenarten. Aber der See verschilft immer mehr und das Schilf verdrängt die Pflanzen. Derzeit ist die Diskussion, dass man den See etwas trockenlegt, um die Pflanzen zu erhalten. Wir würden dabei das Landratsamt unterstützen, wir können da zwar nicht selbst mähen, aber wir könnten helfen, das Mähgut wegzuschaffen.
Was steht als nächstes an?
Die Amphibiensammlung am Samerberg – die kann auch während eines anhaltenden Lockdowns stattfinden. Im vergangenen Jahr haben wir 7000 Tiere über die Straße getragen.
Interview: Ines Weinzierl