Eine stille Gefahr lauert im Leitungsnetz

von Redaktion

Legionellen in nicht genutzten Trinkwasserleitungen – Stadt Kolbermoor sorgt vor

Kolbermoor – Die Corona-Pandemie hat uns fest in ihren Klauen: Das öffentliche Leben ist heruntergefahren, seit Wochen sind auch in Kolbermoor unter anderem Schulen, Kindertagesstätten und Sporteinrichtungen geschlossen. Seitdem schlummert in diesen Gebäuden eine stille Gefahr: Krankheitserreger wie Legionellen können sich in den nicht genutzten Trinkwasserleitungen breitmachen, wenn kein ausreichender Wasseraustausch mehr stattfindet. Die Folge: eine gesundheitsgefährdende Verkeimung.

Davor warnt das Bayerische Landesamt für Gesundheits- und Lebensmittelsicherheit; auch vor möglichen Infektionen, wenn die Einrichtungen nach dem Lockdown wieder in Betrieb gehen. „Als Hauptinfektionsweg ist das Einatmen erregerhaltiger, lungengängiger Aerosole aus dem Warmwasserbereich anzusehen. Somit stellen insbesondere Duschen aber auch Aerosole am Wasserhahn Gefahrenquellen dar.“

Alle 72 Stunden die Wasserleitungen länger durchspülen

Wenn nach längerer Auszeit Trinkwasseranschlüsse wieder benutzt werden sollen, gilt für Gerhard Hardrath nur ein oberstes Gebot: „Spülen, Spülen, Spülen – da kennt unser Gesetzgeber keine Energieeinsparungsverordnung, da ist die Gesundheit vorrangig“, appelliert der Obermeister der Innung Spengler-, Sanitär- und Heizungstechnik Rosenheim an die Betreiber entsprechender Einrichtungen und Gebäude.

„In der Trinkwasserverordnung ist geregelt, dass Wasserleitungsnetze in öffentlichen Liegenschaften alle drei Tage gespült werden müssen. Nach längerem Stillstand wie nach einem Lockdown muss nachhaltig gespült werden und so das Trinkwasser im Rohrsystem ausgetauscht werden“, so der Bruckmühler Handwerksmeister.

Dieser Bakterienstamm, der es am liebsten lauwarm mag, macht auch vor dem Privaten nicht halt. „Zum Beispiel in Zweit- oder Ferienwohnungen, die längere Zeit unbenutzt bleiben, wird’s gefährlich“, gibt Hardrath zu bedenken. „Wenn die in oberen Stockwerken von Wohnhäusern liegen, können Legionellen von dort sogar ins Erdgeschoss gelangen.“

Mit seinem Appell stößt Hardrath bei der Stadt Kolbermoor grundsätzlich auf offene Ohren: „Das Thema Legionellen haben wir im Griff“, betont Bauamtsleiter Andreas Meixner auf Anfrage des Mangfall-Boten. In allen öffentlichen Einrichtungen der Stadt werde trotz der coronabedingten Schließungen dennoch einiges bewegt, dazu gehöre unter anderem die Trinkwasser-Überwachung. „Unser größtes Augenmerk legen wir dabei auf die Anlagen, in denen wir Warmwasser-Duschen haben, wie zum Beispiel in den Turnhallen der Schulen“, sagt Meixner. Dort werde automatisch vorschriftsmäßig alle 72 Stunden gespült – Warmwasser wie Kaltwasser – und dies dokumentiert. Das gelte auch für den Mareis-Saal, „in dem seit März 2020 keine Veranstaltungen mehr liefen, bei denen Duschen gebraucht wurden.“

Die Turnhalle der Mangfall-Schule werde derzeit renoviert und umgebaut und sei deshalb gesperrt, so der Bauamtsleiter.

In Kindergärten werden Duschen selten benutzt

Das Spülprozedere in den Kindergärten betreffe hauptsächlich die Duschen, die aber in den Einrichtungen eher selten benutzt würden. In einigen Gruppen laufe derzeit auch Notbetrieb, „da gibt’s eh regelmäßige Wasserentnahme“, sagt Meixner. Die regelmäßige Überprüfung der Wasserqualität sei auch während des Lockdowns nicht verbunden mit einem höheren Personalaufwand und damit höheren Kosten. „Für jede unserer städtischen Einrichtungen sind Hausmeister zuständig, die trotz der derzeitigen Schließungen Arbeiten ausführen, wozu sie in ‚normalen Zeiten‘ eher selten kommen“, erklärt der Bauamtschef. „Zum Beispiel Reinigen von Pendelleuchten, Leuchtmittel-Austausch oder Ähnliches.“

Einmal im Jahr werden laut Meixner aus den Wasserleitungssystemen der Liegenschaften Wasserproben gezogen und dabei auch auf Legionellen überprüft. Probleme mit Legionellenbefall habe es dennoch schon gegeben. „Und zwar in Wasserleitungsbereichen, die selten gebraucht werden, wie beispielsweise im Behinderten-WC in der Schule“, erklärt Meixner. „Auch dort wird jetzt einige Mal am Tag das Netz automatisch durchgespült.“

Verhalten der Legionellen im Wasser

Das Bayerische Landesamt für Gesundheits- und Lebensmittelsicherheit informiert auf seiner Website: „Die Bakterien kommen aufgrund ihrer natürlichen Verbreitung in geringer Anzahl im Grundwasser vor; daher können sie sich im von Wasserwerken gelieferten Trinkwasser in überwiegend sehr geringer Konzentration befinden. Bis zu Temperaturen von etwa 20 °C vermehren sich diese Bakterien nur sehr langsam, sodass in diesem Bereich schon wegen der zu erwarteten geringen Konzentration das Erkrankungsrisiko als gering einzuschätzen ist. Erst über 20 °C steigt die Vermehrungsrate allmählich an und ist etwa zwischen 30 und 45 °C optimal. Ab etwa 50 °C erfolgt meist kaum noch Vermehrung und bei etwa 55 °C kommt es langsam zum Absterben der Bakterien. Eine mit steigenden Temperaturen zunehmend raschere Abtötung findet erst oberhalb von 60 °C statt. Eine sichere Abtötung der Bakterien erfolgt bei mindestens 70 °C und einer Einwirkdauer dieser Temperatur von mindestens drei Minuten.“

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