Kolbermoor – Aufs Tempo drücken muss die Stadt Kolbermoor bei der Erstellung einer neuen Kindertagesstätte, denn ab Herbst sind die „Holzwürmchen“ – zwei Krippengruppen des Diakonischen Werks – sozusagen heimatlos (wir berichteten). Doch man ist dabei erfolgreich: Erst im November hatte der Stadtrat den Beschluss zu Errichtung einer „Übergangslösung“ gefasst, seitdem wurde ein passendes Grundstück angepachtet und es liegen bereits die fertig ausgearbeiteten Entwurfspläne vor, deren Umsetzung der Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwoch einstimmig beschloss.
Grundstück für fünf Jahre gepachtet
Der Begriff „Übergangslösung“ bezieht sich dabei auf die Tatsache, dass das Grundstück der neuen Kindertagesstätte in der Grubholzer Straße zunächst nur auf fünf Jahre gepachtet ist, die Gebäude-Elemente danach abgebaut und anderswo wieder errichtet werden können. Das zweigeschossige Haus selbst aber ist jedoch alles andere als ein Provisorium: Es ist nach Raumprogramm und Innenausstattung eine vollwertige Kindertagesstätte nach neuestem Standard. Von innen, so erläuterte der planende Architekt Christian Würfel den Stadträten, sei die Tatsache, dass das Gebäude aus Einzelelementen von jeweils sechs auf drei Metern errichtet werde, nicht zu erkennen.
Damit das auch von Außen der Fall ist, enthält die Planung eine Holzverschalung, die sich mit farbigen Fassadenplatten abwechselt. Dieses Plus erhöht die Kosten zwar um etwa 143000 Euro, sodass die Gesamtkosten bei etwa 2,85 Millionen liegen werden.
Die Stadträte folgten hier jedoch einstimmig der Argumentation des Architekten. Christian Würfel führte aus, dass die Fassade nicht nur zusätzlichen Wärmeschutz brächte, sondern nicht zuletzt auch die Wirkung des Gebäudes deutlich verbessere: Gerade bei einem Kindergarten sei es wichtig, dass ein Haus schon von außen attraktiv und einladend wirke, dies um so mehr, als das Umfeld ja von Gewerbe geprägt sei.
Gerade dieses Umfeld führte in der Diskussion zu einer Nachfrage von Sebastian Daxeder (CSU) bezüglich des Schallschutzes.
Der Architekt versicherte, dass der Schallschutz auf dem Niveau eines ortsfesten Neubaus liege, der Brandschutz habe bei einem Kindergarten oberste Priorität und auch die Lüftung sei auf einem entsprechenden Standard, jeder Gruppen- beziehungsweise Aufenthaltsraum verfüge über eine eigene Raumlüftung. Die Wärmebereitstellung wiederum erfolge durch einen Nahwärmeverbund mit einer Hackschnitzelheizung in der Nähe.
Christian Demmel (AFD) fragte nach der weiteren Zukunft des Baus: ob eine Verlängerung des Pachtvertrages nach den jetzt vereinbarten fünf Jahren möglich sei. Bürgermeister Peter Kloo (SPD) zeigte sich hier zuversichtlich, es würde dem nach derzeitigem Stand wahrscheinlich nichts im Wege stehen.
Für die ab Herbst darin untergebrachten zwei Krippen- und zwei Kindergartengruppen wäre eine Verlängerung jedoch nicht wesentlich: Sie sollen ab dem Kindergartenjahr 2024/25 in eine „feste“ Einrichtung im Spinnereigelände umziehen. Der jetzt in Angriff genommene Übergangsbau würde dann nach dem Kenntnisstand, den man derzeit bezüglich der Bedarfsentwicklung hat, für neu gebildete Krippen- beziehungsweise Kindergartengruppen genützt werden. Ob er dann nach wie vor an der Grubholzer Straße stehen werde, oder auf einem anderen passenden Grundstück, das die Stadt bis dahin erwerben konnte, sei noch offen, so Bürgermeister Kloo. Möglicherweise aber, so ergänzte er scherzhaft, gelte aber auch hier der alte Grundsatz, dass „Übergangslösungen“ meist am längsten hielten.
Genügend Spielfläche für die Kinder
Für diesen Fall ist jedoch nicht nur der Bau, sondern auch das Grundstück bestens gerüstet. Es gibt ausreichend Stellplätze für den Bring- und Holverkehr, vor allem aber ist genügend Spielfläche für die Kinder vorhanden, die durch ihre Gestaltung und auch die Ausstattung mit Spielgeräten wirklich den Wünschen und Ansprüchen der zukünftigen „Nutzer“ entsprechen soll.
Was den Zeitplan bis Herbst anbelangt, so sah ihn Architekt Christian Würfel durchaus als Herausforderung, die aber zu meistern sei. Nach dem jetzt erfolgten einstimmigen Stadtratsbeschluss zur Umsetzung soll noch Anfang März mit der Ausschreibung für die einzelnen Teilgewerke begonnen werden.