Plastik bei Fütterung erneut angezeigt

von Redaktion

Schafhalter muss Siloballen auf Weide absichern – Landratsamt spricht Machtwort

Der Stein des Anstoßes: der aufgerissene Plastik-Siloballen auf der Weide. Das herumliegende Plastik können Tiere fressen. Wiederholt ist dies angemahnt und beim Landratsamt moniert worden.

Kolbermoor – Wieder einmal ist Plastikfolie der Stein des Anstoßes bei Schafhaltern in Kolbermoor. Wieder einmal war das Landratsamt vor Ort. Dass ihre Schafe seit Tagen auch wieder Heulage aus einem aufgerissenen plastikummantelten Siloballen zum Fressen vorgelegt bekommen haben, will Sophia Schüller nicht abstreiten. „Mein Mann wird den Ballen aber heute entfernen“, sagte sie gestern im Gespräch mit dem Mangfall-Boten. Das sei vom Landratsamt (LRA) Rosenheim jetzt auch zwingend so angeordnet worden.

Dennoch moniert Sophia Schüller: „Das grenzt mittlerweile an Rufmord. Warum lassen uns die Leute nicht in Ruhe?“ Erneut ist dem Landratsamt Rosenheim von einem Anwohner per E-Mail (liegt der Redaktion vor) gemeldet worden, dass die Schafshaltung von Georg Schüller auf einer Koppel an der Kolbermoorer Staatsstraße offenbar nicht tiergerecht sei. „Das stimmt so nicht“, entrüstet sich Sophia Schüller. „Unsere Tiere werden täglich gut versorgt und bekommen auch genug zu fressen.“

Aber: „Die Kollegen des Veterinäramtes waren aufgrund des Anwohner-Hinweises am Montag vor Ort, um sich die Situation anzuschauen. Tatsächlich lag auf der Weide ein aufgerissener Plastik-Siloballen“, erklärte LRA-Pressesprecherin Ina Krug gestern gegenüber unserer Zeitung. „Es wurde angeordnet, dass der Tierhalter die Plastikfolie vollständig von der Weide zu entfernen hat, sodass die Tiere damit nicht mehr in Kontakt kommen können. Ihm wurde eine Frist gesetzt.“ Außerdem sei vereinbart worden, dass zukünftig eine weitere Fütterung der Tiere in dieser Art zu unterlassen sei.

Der Tierhalter habe dies auch zugesagt und sich verpflichtet, dies nach dem jetzt verfütterten Ballen nicht mehr zu tun. Diese Darreichungsform des Futters birgt laut Behörde für die Tiere eine Gefährdung der Gesundheit. Wörtlich heißt es aus dem Amt: „Gemäß Paragraf 3 der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung müssen Haltungseinrichtungen ‚nach ihrer Bauweise, den verwendeten Materialien und ihrem Zustand so beschaffen sein, dass eine Verletzung oder sonstige Gefährdung der Gesundheit der Tiere so sicher ausgeschlossen wird, wie dies nach dem Stand der Technik möglich ist.‘ Ein aufgerissener Siloballen auf der Weide als Fütterungseinrichtung entspricht diesen Vorgaben nicht.“ Durch die Manipulation der Tiere könnten sich Materialreste lösen, in das Futter gelangen und versehentlich mit verschluckt werden.

Schon vor etwa einem Jahr hatte das Veterinäramt den Schafhalter laut Bericht der OVB-Heimatzeitungen vom 20. Februar für seine Silo-Fütterung kritisiert. „Die Futtervorlage ist gesundheitlich nicht unbedenklich, da die Tiere Plastikreste von einem Siloballen im Futter hatten“, hieß es damals aus der Behörde.

In dem Bericht unserer Zeitung ging es um den Tod von elf Schafen innerhalb eines Jahres. Georg Schüller glaubte, dass von Passanten weggeworfene schimmelige Essensreste für den Tod der Tiere verantwortlich sind. Eine Vermutung, die das Rosenheimer Veterinäramt im Frühjahr 2020 weder ausschließen noch bestätigen konnte. Daraufhin wurden vom Halter Zettel aufgehängt mit dem Hinweis, die Tiere nicht zu füttern.

„Es gibt aktuell keinen Nachweis, dass ein Tier auf der Weide verendet ist, weil es Plastikfolienstücke aus einem Siloballen gefressen hat. Es gibt aber auch keinen Nachweis dafür, dass Essensreste für den Tod der Tiere verantwortlich waren“, sagte Pressesprecherin Krug gestern. Das liege daran, dass keines der verendeten Tiere obduziert wurde. „Die Obduktion hätte vom Schafhalter beauftragt werden müssen. Das Veterinäramt ordnet in der Regel nur Obduktionen an, wenn es als Ursachen für den Tod eines Tieres zum Beispiel einen tierseuchenrechtlichen Verdacht gibt.“

Aus Schafshalterkreisen war gestern zu hören, dass es durchaus üblich sei, in der beschriebenen Form Heulage aus Siloballen zu verfüttern. „Die Schafe können nämlich sehr fein selektieren, was sie fressen – Plastikfolie lassen sie einfach liegen.“ Auf die Frage, warum die Schafe trotz der Behörden-Abmahnung im vergangenen Jahr und den Bedenken ums Tierwohl jetzt erneut das Plastik-Risiko in Kauf nehmen müssen, wollte sich gestern Sophia Schüller nicht weiter äußern. Sie werde jetzt einen Anwalt einschalten.

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