Kolbermoor – Der harte Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie hatte Ende 2020 auch die Büchereien erwischt: Über ein Vierteljahr blieben ihre Türen ab 1. Dezember für die Leseratten verschlossen, auch in Kolbermoor. Nur über den Sonderservice der Stadtbücherei kamen sie in dieser Zeit an ihren geliebten Lesestoff, wie die Leiterin Gudrun Holzhauser im Interview mit dem Mangfall-Boten unter anderem berichtet. Am Dienstag war‘s vorbei mit dem Spuk, um 10 Uhr drehte sich der Schlüssel im Schloss „in Richtung Normalität“.
Was haben Sie in den vielen Wochen Ihren Büchereikunden anbieten können?
Zunächst durften wir einen Abholservice anbieten, das war mit dem Gesundheitsamt Rosenheim so abgesprochen. Unsere Leser haben online in unserem Medienkatalog ausgesucht, was sie interessiert, ihre Auswahl per E-Mail oder Anruf mitgeteilt und dann bei uns abgeholt. Das lief bis kurz vor Weihnachten, bis der harte Lockdown kam. Über die Festtage bis Jahresanfang gab’s für unser gesamtes Team dann Urlaub. Im Januar durften wir den Abholservice nicht mehr anbieten, stattdessen haben wir an unsere Kunden die gewünschten Bücher oder Medien ausgeliefert. Ab Mitte Januar war der Abholservice wieder erlaubt, der wurde auch besser angenommen.
Wie lief während des Lockdowns der Arbeitsalltag für Sie und Ihr Team ab?
Eigentlich relativ normal: Neben dem Service für unsere Büchereikunden haben wir zum Beispiel wie in „normalen“ Zeiten neue Medien in unseren Angebotskatalog eingearbeitet.
Wie viele Medien stehen zur Ausleihe in der Stadtbücherei zur Verfügung?
Nach aktuellem Stand sind es genau 30060 Medien. Normalerweise verbuchen wir monatlich bis zu 11000 Ausleihen. Während des Lockdown ging’s runter auf etwa 2000.
Wie lauten die Spielregeln ab heute für die Stadtbücherei?
Ab 15 Jahre ist das Tragen einer FFP2-Maske Pflicht, wie im Einzelhandel auch, maximal sind pro Familie zwei Personen eintrittsberechtigt, der gleichzeitige Zutritt ist auf maximal 20 Personen begrenzt. Ansonsten gelten die mittlerweile üblichen Hygieneregelungen.
Lässt die Corona-Zeit eigentlich Planungen fürs Jahr zu?
Nur zum Teil: Geplant ist auf jeden Fall wieder der jährliche Sommerferien-Leseclub für Kinder und Jugendliche von acht bis 15 Jahren. Im Angebot sind ausgewählte Bücher, die sie nach dem Lesen bewerten und an einer Tombola teilnehmen können. Los geht’s damit Mitte Juli, die Aktion endet Mitte September.
Hat es während des Lockdowns besondere Lese-Trends gegeben?
Eigentlich nicht, weder bei den Krimi-Lesern noch bei den Historik-, Gesellschafts- oder Liebesromanen hat es gravierende Änderungen gegeben. Zugenommen haben die Ausleihen bei den E-Books.
Welche Lesetipps geben Sie unseren Lesern mit?
Meine Empfehlungen: von Anne Mette Hancock den Krimi „Leichenblume“, von Ethan Cross im gleichen Genre „Die Stimme der Rache“, zudem „Die Wunderfrauen“ von Stephanie Schuster, ein Generationenroman, über die Wirtschaftswunderjahre Mitte der 1950er-Jahre bis zu den Olympischen Spielen 1972. Den lese ich selbst gerade.
Sind Sie eine Leseratte? Wie viele Bücher schaffen Sie im Monat?
Ja, schon – in der Woche lese ich zwei Bücher, quer durch alle Genres, allerdings mag ich Fantasy-Romane nicht so gerne. (Lachend) Das übernimmt eine Kollegin.
Interview: Ulrich Nathen-Berger