Kolbermoor – Als der Kirchenrabe Krax den Zolleintreiber Zachäus erspäht, sagt er zu Pfarrerin Birgit Molnar: „Der ist aber ganz schön dick.“ Sie weist ihn zurecht, meint, es sei nicht nett, andere wegen ihres Aussehens dumm anzumachen, worauf er sich korrigiert: „Also gut, nicht dick, sondern unterhoch und überbreit.“ Der Rabe ist offensichtlich manchmal durchaus frech und wahrscheinlich lieben ihn die Kinder genau deshalb.
Handpuppe seit
acht Jahren dabei
Seit gut acht Jahren gehört die Handpuppe zum festen Personal der evangelischen Kreuzkirche und ist seit der Adventszeit immer wieder auch in Videos zu sehen. „Als uns im Dezember klar wurde, dass wir die nächste Zeit über keine Familiengottesdienste würden abhalten können, haben wir nach anderen Formen gesucht, um den Kindern nahezukommen“, erklärt Birgit Molnar. „Und seither stellen wir jeden Sonntag ein Video auf unsere Homepage.“
Requisiten für
eine biblische Szene
Heute wird gerade das Gleichnis vom Zöllner Zachäus „abgedreht“. Der ist, obschon durch seinen Beruf reich geworden, nicht gut angesehen bei seinen Mitmenschen. Die finden, er ist ein Geizhals und Halsabschneider und sind deshalb gar nicht damit einverstanden, dass Jesus mit so einem zu Abend isst, selbst wenn er alle Anzeichen macht, dass er sich ändern wird.
Pfarrerin Birgit Molnar hat zusammen mit Jugendreferent Martin Neuhold aus ein paar Requisiten eine biblische Straßenszene aufgebaut, in der sie das Geschehen nachspielt. Vieles dabei aber muss den zukünftigen Zuschauern erklärt werden: Was war ein Zöllner und warum war er schlecht angesehen? Da kommt der Kirchenrabe Krax ins Spiel, denn er stellt die Fragen, die wahrscheinlich auch die Kinder haben und er ist dabei durchaus nicht zurückhaltend. Das Ganze ist in einem Durchlauf aufgenommen, ohne Unterbrechungen, ohne Wiederholung. „Man muss sich einfach vorher gut überlegt haben, wie man Begriffe wie Erbarmen, wie die Tatsache, dass jeder eine Chance auf einen Neuanfang bekommen muss, so ausdrückt, dass Kinder sie verstehen können“, sagt Birgit Molnar. „Das ist die Hauptarbeit, der Rest, das Spielen geht dann während der Aufnahme irgendwie von selbst.“
Als Zuschauer ist man von dem Geschehen total fasziniert und meint, dass diese Art, die Bibel erklärt zu bekommen, doch der Renner sein müsste, doch Birgit Molnar muss einem hier etwas von der Begeisterung nehmen: „Die Kinder wären in der Tat hin und weg, wenn sie hier sein könnten und das alles in echt erleben“, erklärt sie. „Auf dem Computer oder Tablet angesehen verliert das Ganze aber einfach etwas von seinem besonderen Reiz: die Geschichte ist dann eine unter zahllosen anderen, die sie auf den Medien abrufen können. Was sie etwas von den vielen anderen abhebt, ist vor allem, dass sie mich und Krax persönlich kennen.“
Rund 50 Familien
schauen Beiträge
Die Videos, die einen festen Zuschauerstamm von bis zu 50 Familien haben, sind genau deshalb auch nur als eine Art Notbehelf gedacht, solange kein echtes Zusammenkommen möglich ist. Denn dann, zum Beispiel bei den Morgenkreisen in den beiden evangelischen Kindergärten kann Pfarrerin Birgit Molnar wirklich alle Register ihres schauspielerischen Talentes ziehen und achtet auch immer darauf, dass die Kinder möglichst direkt in das Geschehen miteingebunden sind.
Schmerzlich vermisst sie deshalb die großen Familiengottesdienste, die derzeit coronabedingt ja nicht möglich sind. Dann ist die Kirche bis auf den letzten Platz voll und auch Jugendreferent Martin Neuhold sagt: „Das ist einfach eine Irrsinnspower, die dann zu spüren ist.“ Eine Kraft, die auch über den eigentlichen Gottesdienst hinaus anhält, denn so ein Tag ist immer eine Gelegenheit, um zusammen zu essen, zu ratschen, einfach Gemeinschaft zu feiern. Was sagt Krax dazu? Er findet, dass dank seiner Mithilfe die Videos durchaus mehr als nur ein bloßer Ersatz sind – und gibt der Pfarrerin ein Küsschen auf die Wange.