Pullach – Halle aufsperren, Fahrzeuge fertig machen, anziehen, ohne sich gegenseitig im Weg umzugehen – Dinge die die Mitglieder der Pullacher Feuerwehr wie im Schlaf beherrschten. Jetzt, mit dem neuen Feuerwehrhaus am Pullacher Kreisel, ist das auf einmal wieder durchzuspielen und zu üben, denn hier ist ja alles neu und anders. Die ersten Besprechungen im neuen Gebäude drehen sich deshalb um die grundlegenden Routineabläufe beim Ausrücken. Und weil man schon einmal dabei ist, wird gleich der ganze Einsatzverlauf durchgesprochen, beginnend bei der Wegfahrt vom eigenen Zuhause nach der Alarmierung.
Keine
„Blaulicht-Rambos“
Denn schon da könnten erste Fehler passieren – und sei es nur, dass man in der Hektik meint, es sei keine Zeit mehr da, um noch mal schnell auf die Toilette zu gehen. Das hört sich banal an, sagt Kommandant Josef Hofmann, kann aber bei Einsätzen, die sich ja oft über mehrere Stunden hinziehen, durchaus wichtig werden. Es kann dann ja keiner zu den Kollegen sagen: „Moment, ich muss mal schnell hinter den Busch.“
Genauso wichtig ist vernünftige, der Witterung, angepasste Kleidung. Vor Jahren, so erzählt Josef Hofmann, ist es einmal passiert, dass ein Kamerad bei eisigem Winterwetter barfuß in den Gummistiefeln stand, die es damals noch gab – alles andere als optimal.
Für den Laien überraschend ist, wieviel Platz bei der Schulung auch dem Fahren mit Blaulicht und Martinshorn gewidmet wird. Als Außenstehender denkt man, dass diese Signale bei jeder Alarmierung eingesetzt würden. In Wirklichkeit wird dabei sehr darauf geachtet, ob der Einsatz wirklich größtmögliche Schnelligkeit erfordert und vor allem, ob man durch die Sondersignale tatsächlich Zeit gewinnt oder nur den übrigen Verkehr unnötig „aufscheucht“. Das mag vielleicht nicht überall so streng gehandhabt werden, bei der Pullacher Feuerwehr aber wird man „Blaulicht-Rambos“ nicht begegnen.
Nun ist es nicht so, dass die 44 aktiven Frauen und Männer der Pullacher Feuerwehr all diese Planspiele nicht schon tausend Mal hinter sich hätten, aber die Feuerwehr lebt eben davon, dass jeder einzelne Handgriff ganz und gar in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Und auch deshalb sind die Pullacher froh über ihr neues Feuerwehrhaus und seine große Halle: Werden die Fahrzeuge herausgefahren, ist drin so viel Platz, dass auch über den Winter hinweg genauso geübt werden kann wie im Sommer. Früher hingegen, im alten Haus, war im Winterhalbjahr meist nur theoretisches Training möglich.
„Platz“ ist überhaupt das Stichwort, wenn man erklären will, warum das neue Haus, „in einer völlig anderen Liga spielt als das alte“, wie Kommandant Josef Hofmann sagt. Das macht sich in vielen kleinen Einzelpunkten bemerkbar, die zusammen aber den zukünftigen Einsatzalltag für die Pullacher Feuerwehrler auf eine ganz neue Ebene heben: Bei der Anfahrt nach der Alarmierung nicht mehr die Frage, werde ich einen Platz finden, um mein Auto irgendwo abzustellen? Kein enges Gedränge mehr beim eiligen Umziehen in der Garage und hinterher genügend Platz am Reinigungsfeld für die Einsatzstiefel. Sogar elektrisch getrocknet werden können sie jetzt, wenn sie einmal durch und durch nass geworden sind – wie angenehm das ist, kann nur der verstehen, der sie bislang durch Ausstopfen mit Zeitungspapier trocken zu kriegen versuchte.
Digital
verknüpft
Ganz neue Perspektiven eröffnet das Haus auch sonst für die Arbeit nach den Einsätzen. Jedes Ausrücken muss dokumentiert werden, bislang sogar in mehrfacher Ausfertigung und das mangels eines vernünftigen Büros in der Regel von zu Hause aus. Im neuen Gebäude gibt es eine richtige Einsatzzentrale mit zeitgemäßer digitaler Verknüpfung: Die Einsatzberichte müssen im Grunde nur noch einmal eingegeben werden, ihre Daten werden dann automatisch auf die einzelnen Datenbanken verteilt.
Die Pullacher Feuerwehr ist jedenfalls voll dabei mit geballtem Tatendrang ihr neues Haus in Besitz zu nehmen, auch wenn das alte alles andere als vergessen ist. „Als am Samstag alles ausgeräumt war und das Haus gewissermaßen nackt und leer dastand, gab es schon den einen oder anderen, der mit ein klein wenig Wehmut auf die dort verbrachte Zeit zurückblickte“, sagt der Kommandant.
Immerhin ist es aber ja nach wie vor in Sichtweite und wird auch weiterhin der Feuerwehr für größere Veranstaltungen erhalten bleiben.