Kolbermoor – In einem Punkt war sich der Stadtrat einig: Fairgehandelte Waren sind zu begrüßen. In einem anderen Punkt war er aber alles andere als einig. CSU/FDP und Grüne hatten einen Antrag eingereicht, dass die Stadt an der Kampagne „Fairtrade-Towns“ teilnehmen solle. Das sorgte für heftige Diskussionen. Letztlich stimmte das Gremium mit 15:6 Stimmen dafür.
SPD fragt: „Wo
wollt ihr ansetzen?“
Vorausgegangen war eine heftige Diskussion: Dr. Berthold Suldinger (SPD) sagte: „Mir erschließt sich der Sinn nicht.“ Und so erklärte er, wo man bereits fairgehandelte Produkte in Kolbermoor erwerben könne – hier zehn, dort 30 Artikel. „Wo wollt ihr ansetzen?“, fragte Suldinger, der in der Sitzung erklärte, dass er seinen fairgehandelten Darjeeling-Tee bereits seit 1988 kaufe. Dagmar Levin (SPD) fand, dass „der Weg verkehrt ist“ – „das muss aus der Bevölkerung kommen und nicht vom Stadtrat. Was ist geplant, was angedacht?“, fragte sie.
Dieter Kannengießer (Parteifreie Kolbermoor) erklärte, dass zu „Fairtrade“ viel mehr gehöre als Kaffee, Blumen und Co. „Dann darf auch der Granit nicht aus China kommen, sondern muss aus Bayern stammen“, gab er ein Beispiel. Und „bürgerliches Engagement kann der Stadtrat durchaus anstoßen – wir müssen die Bürger mitnehmen.“
Leonhard Sedlbauer (CSU) meinte daraufhin, mit einem „Irrglauben aufräumen zu müssen“: Die Kampagne beziehe sich nur am Rande auf faire Produkte in den Läden. Es gebe auch eine „pädagogische Aufgabe“: Das Bewusstsein für diese Produkte müsse geschärft werden – in Schulen, Vereinen und bei der Kirche, sagte er. Und in Richtung Levin: „Der Stadtrat sind die Bürger – das steht uns gut zu Gesicht.“
Grüne bieten
„Schulung“ an
Michael Hörl (Grüne) wollte dann den „fairen Handel“ erklären – „Ich kann auch eine Schulung machen“ – schoss er in Richtung SPD-Fraktion. Die sich darüber ärgerte und auf die Tische klopfte. Christian Demmel (AfD) sagte, dass man sich im Gewerbeverband umgehört habe. „21 sind dafür, sechs dagegen und 24 interessiert es nicht“, erklärte er. Sie hätten angesichts der Corona-Pandemie einfach andere Sorgen.
Als Suldinger wieder an der Reihe war, sagte er: „Ich möchte nichts mehr sagen hinsichtlich des unqualifizierten Redebeitrages von Michael Hörl.“ Levin legte nach: „Es ist eine Unterstellung, dass wir uns nicht damit beschäftigt hätten.“ Und noch einmal: „Was soll stattfinden? Was ist angedacht?“ Das alles soll eine Steuerungsgruppe vorantreiben (siehe Kasten).