„Wie im Paradies“

von Redaktion

Bau des Tierheims schreitet voran – Hunde- und Katzenbereich fertiggestellt

Kolbermoor – Es macht einen Unterschied, ob man in einem Knast arbeitet. Und zwar in einem, der in Russland liegen könnte: Lange, dunkle, vor allem durch Neonlicht erleuchtete Gänge, Gittertüren links und rechts und das Ganze irgendwie baufällig. Oder in einer Umgebung, die hell ist, luftig und freundlich und alles in allem mehr wie ein Hotel wirkt. Insofern ist verständlich, dass sich die 13 Mitarbeiter des Tierheims in dem Teilbereich der neuen Anlage, die derzeit bereits fertiggestellt ist, fühlen wie im Paradies.

Vorzeigeobjekt
in Sachen Fürsorge

Die Tiere, die Mitte Februar umgezogen sind, kann man leider nicht fragen, wahrscheinlich aber würden sie sagen, dass das Wichtigste ist, wie sie behandelt werden. Und da war das Rosenheimer Tierheim auch schon in den alten, hässlichen Räumen ein Vorzeigeobjekt. Jeder, der einmal vor Ort war, weiß es: Mehr Fürsorge und Liebe als dort allem entgegengebracht wird, was kreucht und fleucht, geht nicht.

Eigene Küche und
eigenes Arztzimmer

Aber auch Hunde und Katzen werden gegen mehr Licht in ihren Unterbringungen nichts einzuwenden haben und –wenn sie darüber nachdenken könnten –auch nichts gegen die sonstige Ausstattung. Tiere in Quarantäne, zur dauernden Unterbringung, zur vorübergehenden Pensionsaufnahme – jeder Bereich hat seine eigene „Küche“ und ein eigenes „Arztzimmer“.

Das ist nicht etwa Luxus, sondern vom Veterinäramt vorgeschrieben. Und erst wenn man von all den Auflagen weiß, die einen ansehnlichen Teil der Baukosten verschlangen, kann man erahnen, welcher Aufwand und welcher Arbeitseinsatz aller Mitarbeiter früher für einen einwandfreien Betrieb nötig war.

Die meisten, die das neue Tierheim von außen sehen, wissen verständlicherweise von alldem nichts. Für sie ist es eine stattliche Anlage und die Reaktion darauf meist ein „da hat die Stadt aber ordentlich was springen lassen“. Andrea Thomas, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, ist darüber wenig glücklich, denn die Realität ist eben eine ganz andere.

Die rund sechs Millionen Euro für die neuen Gebäude wurden ohne jeden Zuschuss aufgebracht, aus zum Teil zweckgebundenen Erbschaften und Spenden, das Ganze „gerade so“ gestemmt, die vorhandenen Mittel dafür bis auf den allerletzten Cent ausgegeben. Keine Rücklagen also für den laufenden Betrieb, der etwa 500000 Euro im Jahr verschlingt und der schon früher ohne Spenden und Zuwendungen nicht wirklich zu stemmen war. Das, was die Gemeinden für die Fundtiere, die sie ans Tierheim abgeben, zahlen, reicht weder hinten noch vorne. Vor allem weil sich immer noch zu wenig durchringen können, diesen Dienst an der Gemeinschaft, den das Tierheim leistet, durch eine feste Pauschale mitzufinanzieren. Viele zahlen nach wie vor nur für das einzelne aufgenommene Tier.

Die dringend benötigten Einzelspenden von Privatpersonen aber kommen leichter, wenn der Spendende weiß, wofür er sein Geld gibt. Doch Tage der offenen Tür, an denen das ganze Tierheim vorgestellt werden könnte und auch erläutert, wie viel vom Bau behördlicherseits vorgeschrieben war, sind derzeit noch in weiter Ferne. Ganz unsicher deshalb auch, ob man eine richtige Einweihungsfeier wird machen können, sobald das zweite Gebäude in diesem Sommer fertiggestellt sein wird. Es wird neben Kranken- und Quarantänestationen samt den zugehörigen Tierarztbereichen zwei Büros und eine kleine Betriebsleiterwohnung enthalten. „Ein großes, für alle offenes Fest wäre die ideale Gelegenheit, um einmal alles herzuzeigen“, sagt Andrea Thomas. „So eine Veranstaltung aber erfordert so viel Aufwand, verursacht so viel Kosten, dass man sich derzeit, mit der immer drohenden Gefahr, dann doch alles abblasen zu müssen, kaum da dran wagt“.

Vernünftige
Arbeitsbedingungen

Unsicher auch, ab wann man den Versammlungsraum, den das neue „Haupthaus“ ebenfalls bietet, wird nutzen können: Dort, so die Absicht, könnten nicht nur die Schulungen für die ehrenamtlichen „Gassigeher“ stattfinden, auch Kindergruppen könnten dort empfangen oder auch allgemeine Vorträge rund um die Tierhaltung angeboten werden. Dies als Möglichkeit, das Tierheim mit seinen Aufgaben, Praxiserfahrungen und Möglichkeiten noch besser bekannt zu machen. Allein: Durch die Corona-Pandemie bleiben diese Überlegungen bis auf Weiteres aufs „irgendwann einmal“ beschränkt. Die Gefühle der Tierheimbelegschaft also gemischt. Neben den Zukunftssorgen, die ein steter Begleiter sind, ist da viel Freude und Erleichterung: darüber, für Mensch und Tier endlich vernünftige Arbeits- und schöne Lebensbedingungen zu haben.

Artikel 3 von 5