Rosenheim/Kolbermoor – Alle Ampeln standen im März 2020 auf Grün für das 15. Jugendparlament der Alpenkonvention (YPAC), Gastgeber sollte das Karolinen-Gymnasium sein, an das auch viele Kolbermoorer gehen. Corona machte alles zunichte. Heuer fand es seitens der Schweizer Gastgeber online statt: So fand eine Sitzungswoche quer über die Länder der Alpenregion verteilt an den verschiedensten Orten statt.
Das YPAC ist eine Parlamentssimulation, bei der sich Jugendliche von zehn Schulen aus sieben Staaten jährlich treffen. Mit dabei: Schüler des Karolinen-Gymnasiums. Aufgeteilt in vier Komitees diskutieren sie über Probleme in den Alpen und erarbeiten mit Experten Lösungsvorschläge. Diese werden von allen Parlamentsmitgliedern kritisch hinterfragt. Die Delegierten wählen acht Lösungsvorschläge als „Resolutions“, die sie an politische Entscheidungsträger weitergeben. Rahmenthema war „Kinderrechte in der Alpenregion“.
Die Zweifel, ob das Ganze online funktionieren würde, waren im Vorfeld groß. Doch die Karo-Delegierte Marie Knoblauch war positiv überrascht: „Ich hätte gedacht, dass es mehr technische Probleme geben würde, aber am Ende hat es gut funktioniert.“ Das Rahmenthema ist für die Teilnehmenden von besonderer Brisanz – es betrifft sie schließlich selbst. Die Schüler wissen, wo die Probleme liegen.
Sie diskutierten über Lehrplan-Veränderungen und Missstände im Bildungssystem. Für die Rosenheimer aus der neunten Klasse bis zur Oberstufe ein Thema, an dem sie hart gearbeitet hätten.
„Ich denke, dass es besonders wichtig ist, über Kinderrechte zu diskutieren. In diesem Jahr ist durch die Corona-Pandemie sichtbar geworden, dass vieles noch nicht ausreichend umgesetzt wurde“, so Knoblauch.
Neben den offiziellen Delegierten durften auch einige Schüler teilnehmen, die im Sommer ihren Schulabschluss gemacht hatten, nachdem das „Rosenheimer“-YPAC ausgefallen war.
Vor den Laptops diskutierten sie, inwiefern Kinder und Jugendliche in ihren Rechten eingeschränkt werden und wie das verändert werden könnte. „Ich glaube nicht, dass viele sich ihrer Rechte bewusst sind. Deshalb fand ich das Thema besonders wichtig“, sagt Riana-Ioana Sima, eine weitere Delegierte aus der neunten Klasse.
Die Schüler arbeiteten dann daran, Lösungen zu den Problemfeldern „Persönliche Entwicklung und Bildung“, „Gesundheit und Wohlbefinden“, „Meinungsfreiheit und Partizipation“ sowie „Gleichberechtigung, Integration und Migration“.
In Gesprächen mit Experten wie Kathrin Oppliger, eine Basler Anwältin für Kinderschutz, oder dem Schweizer Politiker Andrea Caroni, gab es zusätzliche Impulse. In der Generalversammlung stimmten sie dann ab, welche acht der zwölf erarbeiteten Lösungen sie der Politik vorlegen wollen. Die jungen Parlaments-Mitglieder fordern darin, die Jugend stärker in die Politik einzubeziehen, indem das Mindestwahlalter auf 16 Jahre gesenkt wird.
Außerdem brauche es Bildungsreformen, die die psychische Gesundheit von Schülern stärker beachten und deren Identität respektieren sollten, vor allem hinsichtlich sexueller und religiöser Orientierung. Es brauche eine „moderne Schule für eine moderne Welt“.