Kolbermoor – Die Kolbermoorer Tafel versorgt rund 180 Bürger, dahinter verbergen sich etwa 90 Haushalte, jede Woche mit Lebensmitteln. Jeden Mittwoch füllen die ehrenamtlichen Helfer den Tafelkunden ihre Taschen. Allerdings muss Tafel-Leiterin Dagmar Badura mittlerweile zukaufen. Rund 600 Euro gibt sie monatlich für Lebensmittel aus – finanziert werden die Einkäufe aus Spenden. Andernfalls blieben die Tüten der Kunden halb leer, erklärt sie.
Wurst, Käse und
Gemüse fehlen
Aber woran liegt das? Sind es mehr Kunden? „Nein“, sagt sie. Der Einzelhandel spendet nicht mehr so viele Lebensmittel an die Tafel, ist ihr Fazit. Vor allem Käse, Wurst und Gemüse fehlen. Sie habe auch früher zwischendurch immer mal etwas dazukaufen müssen – aber nicht in diesen Mengen. „2019 musste ich fast gar nichts besorgen, da haben wir die Kunden ausschließlich über die Spenden der Einzelhändler versorgen können.“ Das ist vorbei. Im vergangenen Jahr stand sogar kurzzeitig eine Schließung der Tafel im Raum (siehe Kasten).
36 Prozent der
Kunden sind Senioren
Mittlerweile sind etwa 36 Prozent ihrer Kunden Senioren, 33 Prozent sind Kinder und 25 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Aufgrund des harten Lockdowns in der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr habe sie einige Umstrukturierungen vornehmen müssen. Zum Beispiel „haben wir insbesondere ältere Menschen mit den Lebensmitteln beliefert – es waren rund 30 Haushalte“, bilanziert sie.
Dafür waren drei Touren nötig. Mittlerweile habe sich das wieder eingependelt – jetzt versorgen die ehrenamtlichen Helfer pro Tour 20 Haushalte. Obendrein habe man auch die Abholzeiten verändert: Von 14 bis 16.30 Uhr konnten die Kunden die Lebensmittel abholen – um das Ganze zu entzerren und die Abstände einzuhalten. Mittlerweile verteile man aber wieder von 15 bis 16.30 Uhr. Und dennoch seien die Gegebenheiten Corona angepasst: „Alle tragen eine Maske – die ehrenamtlichen Helfer und die Kunden. Obendrein dürfen immer nur zwei Kunden in den Tafelraum.“
Außerdem hat sie die Anzahl der insgesamt 14 ehrenamtlichen Helfer reduziert – wo vor Corona sechs Ehrenamtliche in der Tafel die Lebensmittel sortierten, sind es derzeit am Vormittag beispielsweise vier. Hinzu kommen zwei, die die Lebensmittel in den Raum tragen und zwei Fahrer. „Viele von ihnen sind zwischen 60 und 70 Jahre alt“, so Badura. Obendrein hat sie feste Teams installiert.
Hat sich denn Corona auch auf die Anzahl der Kunden ausgewirkt? „Ja, wir hatten beispielsweise einige, die in Kurzarbeit waren. Sie waren auf Lebensmitteltüten der Tafel angewiesen.“ Aber das habe sich mittlerweile geändert. Einer der Kunden, der von Kurzarbeit betroffen war, sei beispielsweise wieder voll beschäftigt. Am schönsten ist es, wenn diese einstigen Kunden kommen und Lebensmittel spenden, sagt sie. Das kommt immer wieder vor: „Sie sagen, Sie haben uns damals so geholfen. Jetzt wollen wir helfen.“ Und helfen – das wollen die meisten.