Kolbermoor – Die Baustelle ist eigentlich unspektakulär: zwei kleinere Baugruben beiderseits der Mangfall, eine in der Karl-Rager-Straße, eine in der von-Bippen-Straße, darin zwei Rohre von etwa 50 Zentimetern Durchmesser. Dabei sind diese Rohre ein enormer Schritt in Richtung Zukunft der Wärmeversorgung in Kolbermoor. Bis zum Herbst wird mit dieser Maßnahme das im vergangenen Jahr in Betrieb gegangene Blockheizkraft bei der Pauline-Thoma-Schule mit den Neubaugebieten nördlich der Mangfall verbunden sein, im Conradtypark und im Spinnereigelände. Zusätzlich ist auch der Weg bereitet für die Anbindung der Innenstadtbereiche östlich der Försterstraße an die Fernwärme.
Fluss bereits
unterquert
Die Unterquerung der Mangfall war der schwierigste Punkt des gesamten Vorhabens, denn dabei mussten zwei 132 Meter lange Stahlrohre in einen vorher gebohrten Minitunnel eingefädelt und unter der Mangfall durchgeführt werden. „Schief gehen kann bei einer solchen Bohrung vieles“, wie Sebastian Ranner, Geschäftsführer der Innergie, erklärt. Liegt im vorhergesehenen Bohrkanal etwa ein größerer Steinbrocken im Weg, käme die Bohrung zu einem abrupten Ende. Und solche Steinbrocken sind in einem Areal, das einst von einer wilden, nacheiszeitlichen Mangfall geprägt war, nicht selten. Fast genauso schwierig wäre zu weiches Material, ein Sachverhalt, den auch jeder Heimwerker kennt: Ist das Mauerwerk, in das man bohren möchte, nicht fest genug, findet der Bohrer keinen Halt, er wandert und sucht sich seinen eigenen, nicht erwünschten Weg. Und auch wenn die Bohrung an sich geklappt hat. Die Einführung der Rohrleitungen ist ebenfalls nicht ohne.
Von daher ist Ranner sehr erleichtert, dass jetzt mit beiden Rohren die Mangfall unterquert werden konnte. Von nun an geht es vergleichsweise „einfach“ weiter, nämlich im klassischen Tiefbau. Selbst die Querung des Mangfallkanals ist kein größeres Problem mehr. Hier werden die Leitungen unter den bestehenden Fußgängersteg gehängt.
Mancher mag sich nun fragen, wofür all dieser Aufwand nötig ist, wenn doch für den Lauf der nächsten Jahre im Spinnereigelände sowieso ein weiteres Blockheizkraftwerk geplant ist. Die Antwort ist laut Ranner einfach: Wärmeversorgungsnetze sollen möglichst sicher sein und bauen deshalb wenn irgendmöglich auf Redundanz. Wenn in einigen Jahren das Blockheizkraftwerk im Spinnereigelände fertiggestellt sein wird, sei dank der Verbindungsleitung die Wärmeversorgung beiderseits der Mangfall auch dann gesichert, wenn einer der beiden Energieerzeuger vorübergehend ausfallen sollte. Wie wertvoll so etwas ist, hat sich erst Anfang Februar gezeigt, als in Nürnberg nach einem Kraftwerksbrand die Wärmeversorgung mehrerer Stadtteile nur über mehrere mobile Kleinkraftwerke notdürftig aufrechterhalten werden konnte.
Und noch einen wesentlichen Grund für die Verbindungsleitung anstelle des sofortigen Neubaus des zweiten Kraftwerks gibt es: Blockheizkraftwerke können ihre Vorteile einer energieeffizienten gekoppelten Wärme- und Stromerzeugung nur ausspielen, wenn sie ihr Leistungspotenzial auch tatsächlich abgeben können – ein Blockheizkraftwerk, das nur in Teillast fährt, läuft weder wirtschaftlich noch technisch in einem vernünftigen Betriebszustand. Auch von daher sei es sinnvoll, Fernwärmeinteressenten zunächst an das Kraftwerk bei der Pauline-Thoma-Schule anzuschließen, bis dessen Kapazitätsgrenze erreicht wird, so Ranner.
Lösung
der Zukunft
Für Bürgermeister Peter Kloo ist die Fernwärmeversorgung in der Kernzone der Stadt ganz grundsätzlich „die Lösung der Zukunft“. Schon jetzt sei eine zentrale Wärmeerzeugung sowohl hinsichtlich der Effizienz als auch der Schadstoffbelastung deutlich besser aufgestellt als zahllose Einzelanlagen. Der Rathauschef denkt dabei noch viel weiter in die Zukunft: Die wird zweifellos auch bei der Wärmeerzeugung viele Entwicklungen bringen. Diese aber seien deutlich leichter zu verwirklichen, wenn anstelle von vielen Einzelanlagen nur einige wenige Kraftwerksanlagen nach- oder umgerüstet werden müssten. Sebastian Ranner kann sich schon vorstellen, wohin die Reise möglicherweise geht: Wärmepumpentechnik wäre in Zukunft auch im Maßstab von Großanlagen möglich. Dann käme die Wärmeversorgung in einem Großteil der Kolbermoorer Innenstadt ohne fossile Energieträger aus.