Rosenheim – „Basst scho!“ steht auf dem schwarzen T-Shirt, das Raphael Bauer trägt. Unter dem Spruch ist ein Bassschlüssel zu sehen. Die Doppeldeutigkeit des Shirts passt auf den 14-Jährigen: Der Rosenheimer ist sowohl der Bassist der „Queen Teens“, er bezeichnet sich selbst aber auch als „Ruhepol“ der Band. Die „Queen Teens“, das sind fünf Teenager, die unter professioneller Anleitung Songs der Rockband „Queen“ covern. Für Raphael eine neue Erfahrung.
Musikalisch aus
einer anderen Ecke
„Eigentlich war mir Queen gar nicht so bewusst“, sagt Raphael. „Also ich hatte die schon auf dem Schirm, aber nicht so richtig.“ Musikalisch kommt er eigentlich aus einer anderen Ecke, Raphael spielt Kontrabass und klassische Musik. Bei den „Queen Teens“ schlägt er eine neue Richtung ein, mit E-Bass und Rockmusik. Das Umgewöhnen auf ein neues Instrument falle ihm aber nicht schwer: „Die Fingersätze sind fast gleich, es geht also“, sagt Raphael.
Angefangen hat es für ihn in der ersten Klasse. Als kleines Kind ging Raphael zu einem „Musikkarussell“, wo Kinder jede Woche verschiedene Instrumente ausprobieren konnten. Der Kontrabass hat Raphael gleich begeistert: „Die tiefen Töne fand ich schon cool“, sagt Raphael und lächelt.
Seitdem spielt er Kontrabass bei der Musikschule Rosenheim, und das erfolgreich: Raphael ist Teil der Deutschen Streicherphilharmonie, spielt in einem Trio und hat dreimal beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ gewonnen. „Ich wollte aber schon länger mal E-Bass ausprobieren, aber irgendwie hatte ich nie die Gelegenheit.“ Die kam dann mit einer E-Mail von Fabian Schäfer, dem Projektleiter der „Queen Teens“ an Raphaels Kontrabasslehrerin Nele Weißmann. Er lud Raphael ein, zur Bandprobe zu kommen.
Die „Queen Teens“ sind ein Bandprojekt, das seinen Anfang in der Castingshow „The Voice Kids“ hat. Der damals 14-jährige Luca sang dabei den Queen-Hit „Bohemian Rhapsody“. Nach der Staffel fragte ihn Fabian Schäfer, der sowohl als Bandcoach als auch als Erlebnispädagoge arbeitet, was er musikalisch weiter machen wolle. Lucas Antwort: „Queen“. „Aber Queen braucht natürlich eine Band“, sagt Schäfer.
Also haben sie Musikschulen aus ganz Süddeutschland angeschrieben, heraus kamen die fünf Teenager Luca, Simon, Janis, Konstantin und Raphael. Unter Anleitung von Schäfer treffen sie sich einmal monatlich zu ganztägigen Proben. Die Ziele sind durchaus professionell: „Das soll auch ein Anreiz und Bonus sein: Dass die Band auch mal größere Auftritte spielen kann, ein Musikvideo produzieren oder CDs aufnehmen kann“, sagt Schäfer.
Nach ein bisschen Überlegen war Raphael überzeugt, dass ihm diese neue Erfahrung Spaß machen könnte. Also ging er zur ersten Probe – damals noch mit Kontrabass statt E-Bass. „Das war schon beeindruckend, etwas ganz anderes“, sagt Raphael. Vor allem die Lautstärke hätte ihn überrascht. Der erste Song war „Crazy Little Thing Called Love“, für Raphael zum Reinkommen. Zu dem 50er-Jahre-Stil des Songs hätte Raphaels Kontrabass sogar ganz gut gepasst, sagt Fabian Schäfer.
In den Pausen kamen sich die fünf Teenager dann langsam näher. „Die erste Pause war noch ein bisschen schweigend, aber in der zweiten ging es schon besser“, sagt Raphael. Während Luca als Frontsänger die „Rampensau“ sei, fühlt sich Raphael eher als der Ruhige in der Band. „Das Zusammenspiel macht wirklich viel Spaß – und es ist cool, auch mal etwas bisschen Lauteres zu spielen“, sagt Raphael und lacht.
Ob Queen, die eher in den 70ern und 80ern erfolgreich waren, nicht ein wenig alt ist für eine Teenager-Band? „Das dachte ich eigentlich auch am Anfang“, sagt Schäfer. Umso verblüffter sei er gewesen, dass auch viele junge Menschen den Sound der Band noch mögen. Und auch Raphael ist inzwischen ein Fan von „Queen“: „Ich war echt erstaunt, wie vielfältig die Musik ist. Jedes Lied hat eine Botschaft. Queen ist und bleibt eine coole Band“, sagt der 14-Jährige. Sein Lieblingslied ist der Song „I Want It All“. „Da hatte ich von Anfang an einen Ohrwurm.“
Für Raphael und seine Eltern ist es nicht immer leicht, alles zu organisieren. Die Fahrten zu den Bandproben sind manchmal mehrstündig, dazu kommt die Schule. Die Proben für die Deutsche Streicherphilharmonie und das Trio fallen zurzeit aus, genauso wie Raphaels Tennistraining.
Würde das auch noch hinzukommen, würde es schwierig werden, sagt Raphaels Vater. Trotzdem musste Raphael seine Eltern nicht überreden, bei den „Queen Teens“ mitmachen zu dürfen. „Wenn es eine musikalische Bereicherung ist, machen wir das gerne. Musikmachen ist immer ein Gewinn“, sagt Raphaels Vater, der früher selbst Kirchenorgel gespielt hat.
Wann geht‘s
auf die Bühne?
Wann die „Queen Teens“ zum ersten Mal auf der Bühne stehen werden, ist wegen Corona noch unsicher. Für September ist zwar ein Auftritt geplant, aber ob der stattfinden kann, steht in den Sternen. Raphael freut sich trotzdem auf die nächste Bandprobe: „Wenn wir zusammen spielen, kommt immer noch mehr rüber, als wenn man die Musik nur mit dem Kopfhörer hört. Wir fünf haben Glück, dass wir uns kennengelernt haben.“