Kolbermoor – Die Corona-Pandemie sorgt in allen Bereichen unseres Lebens seit mehr als einem Jahr für Veränderungen, fordert Anpassungen und Umdenken – bis hinein in die banalen Dinge des Alltags. Wie heuer beim Anmeldeverfahren für Kindergartenplätze in der Stadt Kolbermoor, bislang ein seit Jahren eingespieltes Procedere für alle Beteiligten.
Im Vorfeld des zentralen Anmeldetags im Mareissaal gab’s in den meisten Kolbermoorer Einrichtungen einen „Tag der offenen Tür“ – beides fiel in diesem Jahr coronabedingt aus. Stattdessen organisierte die Stadt einen kontaktfreien Anmeldezeitraum im Februar, in dem Eltern oder Erziehungsberechtigte online ihre Kinder voranmelden konnten. Somit hatten sie einen Monat Zeit, sich zu informieren, die Einrichtungen zu vergleichen und dann ihre Auswahl zu treffen und ihr Kind anzumelden.
Anmeldungen zu
95 Prozent per E-Mail
„Dieses neue Verfahren wurde sehr gut angenommen“, betonte Andreas Eickmann, Mitarbeiter des städtischen Verwaltungsressorts Kita, Schulen und Jugend, auf Anfrage des Mangfall-Boten. „Die Anmeldungen kamen zu 95 Prozent per E-Mail.“ Seine gute Nachricht: „Rechnerisch kriegen wir heuer alle Kinder unter.“ Seine Zahlen: „Am Stichtag hatten wir 327 Anmeldungen, davon wurden sechs zurückgezogen, es gelten also 321. Die Verteilung: Hort 23, Kindergärten 208, Krippen 90.“
Eine Warteliste für Hortplätze gibt’s heuer laut Eickmann nicht. Anders bei den Kindergärten: Hier müssen sich noch acht Kinder – beziehungsweise Elternpaare – gedulden und auf eine positive Rückmeldung der Stadt hoffen. Auf der Krippen-Warteliste stehen zwei Kinder. Für sie alle gebe es „rein theoretisch noch Chancen.“ Es könnte nämlich noch sein, dass Eltern, die eine Bestätigung bekommen haben, die Plätze nicht annehmen, weil sie zum Beispiel verzogen sind, so Eickmann. Die rechnerische Zuteilung der Plätze gehe trotz der Wartelisten dennoch auf, weil sich die betroffenen Eltern nur für eine Einrichtung angemeldet hätten und somit freie Plätze anderer Kitas für sie nicht in Betracht kämen.
Sein Fazit: Aus Sicht der Stadt „sind die Anmeldungen im positiven Sinn verlaufen.“
Diese Einschätzung teilt auch Frank Deininger, Leiter der evangelischen Einrichtungen Naturkindergarten, Kindergarten „Kleine Strolche“ und Kindertagesstätte „Haus für Kinder“ mit insgesamt 186 Plätzen. „Von dem Anmeldeprozedere haben wir wenig mitbekommen, somit ist das für uns gut gelaufen. Diese neue Form finde ich weitaus besser als den zentralen Anmeldetag“, sagte Deininger unserer Zeitung.
„Unsere Kindergartenplätze sind gut belegt“ – zufrieden mit Ablauf und Ergebnis zeigt sich Susanne Weckwerth-Brandt vom Katholischen Kindergarten Hl. Dreifaltigkeit in der Rainerstraße. Die Caritas-Einrichtung bietet im Haupthaus 76 Plätze; „in der ab September aktiven Waldgruppe 30 bis 40“, so Weckwerth-Brand. Es hätten sich viele Eltern gemeldet und sich über den Kindergarten informiert. Aber: „Was uns fehlt heuer, ist der direkte Kontakt wie beim Tag der offenen Tür. So haben wir jetzt Kinder aufgenommen, die wir mit ihren Eltern nicht näher kennenlernen konnten.“
Dass der Tag der offenen Tür heuer ausgefallen ist, bewertet dagegen Renate Maier, Leiterin des Montessori-Kindergartens „Sonnenschein“ in der Kranzhornstraße als Vorteil für beide Seiten. „Bei diesem Öffentlichkeitstag hatten wir sehr viel weniger Möglichkeiten, mit den Familien in engeren Kontakt zu kommen“, sagte sie unserer Zeitung. „Vor allem nicht mit den Kindern, weil sie durch die vielen Menschen halt oftmals überfordert und nicht so offen und gesprächsfreudig sind.“
Mit dem Ergebnis mehr als zufrieden
Diesmal sei es anders gelaufen: „Wir haben die Vorstellung unserer Einrichtung über einzelne Besichtigungstermine an den Nachmittagen vergeben, wenn keine Gruppen im Haus waren.“ Als Leiterin der Integrationseinrichtung habe sie das Kind mit einer Bezugsperson empfangen. „Sie konnte sich in Ruhe umschauen und wir sind ins Gespräch gekommen. Das Kind hat gespielt, wir konnten eine kleine, entspannte Beziehung aufbauen – das waren total schöne Begegnungen“, schwärmt Maier.
Mit dem Ergebnis ist sie mehr als zufrieden: „Unsere 18 Plätze sind ausgebucht“, freut sie sich. Derzeit gebe es Überlegungen im Haus, diese Form auch nach der Corona-Pandemie beizubehalten, „weil sie sehr viel mehr Qualität bietet. Vor allem für die Kinder, die das Kindergarten-Umfeld viel bewusster wahrnehmen können.“