Kolbermoor – Rundum eine Erfolgsgeschichte sind die Klimaschutzbemühungen der Stadt Kolbermoor. Das zeigte eine Bilanz der vergangenen fünf Jahre, die Klimaschutzmanager Martin Korndoerfer dem Stadtrat gab. Korndoerfer wird die nächsten zwei Jahre eine Auszeit nehmen, die Stabübergabe an seinen vorübergehenden Vertreter, Martin Roith, nutzte er für einen Rückblick auf das Erreichte.
Verkehr ist größte
Herausforderung
Wichtig war Martin Korndoerfer die Feststellung, dass die Klima-Bemühungen der Stadt nicht erst mit der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes im Jahr 2015 beginnen, sondern viel weiter zurückreichen. So wurde bereits 1991 die Werkssiedlung energieeffizient saniert, also zu einem Zeitpunkt, als dies im Altbau nicht nur nicht üblich, sondern unter Fachleuten gerade im denkmalgeschützten Altbau auch durchaus noch umstritten war.
Ihrer Zeit voraus war die Stadt auch beim Aufbau von Fotovoltaikanlagen. Bereits im Jahr 2000 wurden die Dächer städtischer Liegenschaften für derartige Anlagen verpachtet. Vorreiter war man ebenfalls bei der Elektromobilität: Schon 2015, also zu einer Zeit, als Elektroautos noch eine eher rare Ausnahme waren, richtete die Stadt im Parkhaus am Rathaus Ladestationen ein. Ein Ansatz, der auch weiterhin stetig verfolgt wurde und dazu führte, dass man heute unter den Bayerischen Städten bei der Anzahl der Ladepunkte auf Platz zwei liegt. Dass seit dem Jahr 2009 der städtische Stromverbrauch gänzlich durch Ökostrom gedeckt wird, ist in diesem Umfeld dann fast schon eine Selbstverständlichkeit.
Für den zweiten Bürgermeister Dieter Kannengießer sind diese frühen Aktivitäten darauf zurückzuführen, dass man in der Stadt Umweltfragen schon bald als eine entscheidende gesellschaftliche Herausforderung und damit als Aufgabe der Stadt erkannt hat. Entscheidend sei auch, so sagt er, dass der Stadtrat in allen seinen Fraktionen von Anfang an hier mit der Verwaltung an einem Strang gezogen habe.
Das Klimaschutzkonzept aus dem Jahr 2015 mit dem Ziel, bis 2035 die CO2-Emissionen in etwa zu halbieren, sei deshalb auch keine vage Absichtserklärung gewesen, sondern eine konkrete Aufgabenstellung.
Das erfreuliche Ergebnis: Man ist derzeit bei den Einsparungen nicht nur voll im Plan, sondern unterschreitet sogar noch die Vorgaben des Klimaschutzkonzeptes. Wesentlich dabei: Die dafür bislang ausgegebenen knapp 1,5 Millionen Euro werden sich durch die erzielte Energie-Einsparung in weniger als sieben Jahren amortisiert haben. Würde man dabei die Kosten mit einrechnen, die durch die vermiedenen CO2-Emissionen nicht anfallen, so läge die Amortisationszeit sogar bei nur gut viereinhalb Jahren. „Klimaschutz lohnt sich“, ist deshalb das Fazit Martin Korndoerfers.
Das größte unter den Projekten, die Umstellung der gesamten Straßenbeleuchtung auf LED-Lampen, ist dabei bereits abgeschlossen, ebenfalls die Optimierung der Heizungen in städtischen Liegenschaften durch Wechsel des Energieträgers, aber auch durch Austausch der Heizungspumpen.
Potenzial besteht nach Ansicht des Klimaschutzmanagers für die kommenden Jahre vor allem im weiteren Ausbau der Fotovoltaik auf kommunalen Dächern. Fotovoltaik sei derzeit einfach die schnellste, effektivste und vor allem rentabelste Form des Klimaschutzes.
Wichtig, das zeigte der Vortrag des Klimaschutzmanagers auch, ist ihm wie der Stadt vor allem, die Bürger zu beteiligen. Durch viele Infoveranstaltungen, auch Radtouren und Spaziergänge versuchte man in den letzten Jahren, möglichst viel private Haushalte für Optimierungsmaßnahmen zu gewinnen, den Kolbermoorern die Möglichkeiten und Chancen des Klimaschutzes aufzuzeigen.
Bürgerbeteiligung ist deshalb gerade auch bei allen Fragen des Verkehrs großgeschrieben, denn der Verkehr wird eine der besonderen Herausforderungen der nächsten Jahre sein. Das Radverkehrskonzept, in das viele Bürgeranregungen einflossen, ist dabei schon in seiner konkreten Vorbereitungsphase, mit den ersten Umsetzungsmaßnahmen wurde bereits begonnen, sie werden im kommenden Jahr verstärkt fortgeführt. Dann wird Kolbermoor noch einmal deutlich fahrradfreundlicher sein: Zusammen mit dem geplanten Ausbau von überörtlichen Radschnellwegen und dem Ziel der Verknüpfung des Fahrradverkehrs mit dem öffentlichen Nahverkehr ist die Stadt dann auch hier ein Vorreiter in der Region.