Ab ins Schwimmbad ohne Corona-Test

von Redaktion

Besuch im geöffneten Kolbermoorer Freibad bislang noch verhalten

Kolbermoor – Bäriges Wetter? Auf ins Freibad! Eine Gedankenverbindung, die auf der Hand liegt, in Kolbermoor aber erst ab dem heutigen Dienstag funktioniert. Die Freibadsaison wurde zwar bereits am Donnerstag vergangener Woche eröffnet, aber bislang war noch ein Zwischenschritt nötig und der hieß: Testen lassen. Das aber hemmt die Spontaneität gewaltig und so kam es, dass Schwimmmeister Charlie Meier am Wochenende trotz des endlich mal wieder schönen Wetters in einem leeren Freibad stand.

In normalen Zeiten bis
zu 2500 Badegäste im
Kolbermoorer Freibad

Wobei: Objektiv gesehen ist „leer“ nicht ganz der richtige Ausdruck, denn über den Tag verteilt fanden sich Samstag und Sonntag doch jeweils rund 100 Badegäste ein, aber Charlie Meier ist andere Dimensionen gewöhnt: In „normalen“ Zeiten hat das Freibadteam an schönen Tagen auch mal 2000 bis 2500 Gäste, wie er erzählt, dann herrscht in den Becken Leben und die Liegewiesen sind voll. Am Wochenende aber kamen vor allem die Dauerbadegäste. Leute, wie die 87-jährige Hermine Koppitz, die eigentlich jeden Tag auf ein paar Schwimmrunden vorbeischauen: „Letztes Jahr war ich 92-mal hier“, erzählt sie. Solche „Dauerschwimmer“ lassen sich dann weder von suboptimalem Wetter noch von einer Testpflicht abhalten – Hauptsache ihr Freibad hat wieder offen.

Das, was am Wochenende noch fehlte, waren vor allem die Familien, wie Charlie Meier erklärt, und alle, die einfach aus dem Augenblick heraus entscheiden wollen, dass Badengehen jetzt doch eine tolle Idee wäre. Unter der Saison, so sagt er, seien ruhigere Tage zwischendurch einmal ganz angenehm, um ein bisschen vom Aufsichtsstress wegzunehmen, den ein voll besetztes Bad für ihn und seinen Kollegen Helmut Eggerl samt ihrem Helferteam bedeutet. Aber jetzt, am Anfang, nach der Winterpause, freut er sich einfach darauf, wenn sich endlich mal wieder etwas rührt. Schließlich haben er und Helmut Eggerl, der der Betriebsleiter des Freibades ist, seit März darauf hingearbeitet, das Bad nach der Winterpause wieder rundum schön zu machen.

Der Abschluss dieser Arbeiten war dann das Füllen der Becken mit rund zwei Millionen Liter Wasser vor gut drei Wochen. Den Vorlauf braucht es, denn es dauert, bis diese Wassermenge auf angenehme 20 bis 21 Grad vorgewärmt ist.

Fast noch mehr gespannt als Charlie Meier ist Monika Bergmann, denn für sie ist es nach dem Pächterwechsel die erste Saison als Kioskwirtin im Freibad. Und natürlich ist sie neugierig darauf, wie der Tagesbetrieb so ablaufen wird. Vom Prinzip her ist die Aufgabe für sie alles andere als neu, denn zusammen mit ihrem Mann Christian bewirtschaftet sie in den Wintermonaten die Deindlhütte unterhalb des Heubergs. „Aber“, so sagt sie, „Badegäste sind einfach wieder eine andere Kundschaft als Winterausflügler am Berg, insofern ist es schon eine neue Herausforderung“. Die Frage für sie ist vor allem: Was wollen ihre Gäste essen, was wird gehen, was eher nicht. Gerüstet ist sie auf jeden Fall, denn das Angebot der kleinen Mahlzeiten, die sie sich ausgedacht hat, füllt zwei Tafeln, vom Obazdn mit Brezen über die Räucherlachssemmel bis zum Salat mit Putenstreifen. Kuchen gibt es jetzt auch und Getränke jeder Art natürlich sowieso. Charlie Meier jedenfalls ist von der Auswahl begeistert, denn ohne Kiosk, so meint er, ist das schönste Freibad nur die Hälfte wert und ein Kiosk, bei dem man nach einem schönen Badetag eigentlich auch gleich noch entspannt zu Abend essen könnte, ist dann natürlich die Krönung. Was also jetzt noch fehlt, wäre ein bisschen dauerhaft schönes Wetter. Denn bislang, so scheint es fast, hatte man nicht nur all die Corona-Beschränkungen im Kopf, mit dem Eindruck, dass eigentlich nichts, was sonst normal wäre, machbar ist, auch das Wetter war nicht danach: Von einem Frühsommerfeeling mit verlässlich schönen, warmen Tagen und das über einen etwas längeren Zeitraum hinweg, war den ganzen Mai über nicht wirklich zu reden.

Was noch fehlt
ist dauerhaft
schönes Wetter

Aber die Saison fängt ja erst an und zumindest für diese Woche scheinen alle Voraussetzungen zu passen. Charlie Meier, Helmut Eggerl und Monika Bergmann sowie das ganze restliche Freibadteam jedenfalls freuen sich darauf.

Schwimmen lernen

Auch dieses Jahr wird Charlie Meier wieder Schwimmkurse anbieten. Die Zahl der Kinder, die nicht schwimmen können, so sagt er, steige von Jahr zu Jahr und dürfte in der Zeit der Corona-Pandemie noch einmal einen Sprung nach oben gemacht haben: Schließlich sei Schwimmunterricht an den Schulen seit mehr als zwölf Monaten eigentlich nicht möglich gewesen. Wer Interesse an einem solchen Kurs für seinen Nachwuchs hat, kann beim nächsten Freibadbesuch einfach bei Charlie Meier wegen der Termine nachfragen.

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