Dachse erobern Mitterhart

von Redaktion

Population der Wildtiere steigt – Beschwerden nehmen laut Experten zu

Kolbermoor – Spaziergänger haben jetzt einen Dachs am südlichen Ausgang des Neuen Friedhofs auf einer Wiese nahe des Waldrandes entdeckt. Seelenruhig marschierte das Wildtier über die Wiese. „Wahrscheinlich auf der Suche nach Futter“, sagt Franz Sommer, Vorsitzender der Jägervereinigung Rosenheim. Denn Egerlinge und Maden stehen auf den Speiseplänen der Dachse. Und die finden sie vor allem in Gärten, so der Experte. Deshalb nimmt die Population auch immer mehr zu, erklärt er.

Beschwerden
über Wildtiere

Vor Jahren haben sich die Bürger gefreut, wenn sie einen Dachs gesehen haben. Diese Freude nehme immer mehr ab, „weil sie in Gärten auch große Schäden anrichten können“, so Sommer. Das heißt: Sie graben diese um. Kurz: sie verwandeln Gärten in einen Acker. Deshalb erhalte Sommer auch immer wieder Anrufe von aufgebrachten Bürgern – auch von Jagdpächtern.

Denn der Dachs habe eine Schonzeit. Das heißt: Er darf von 1. November bis Ende Juli nicht geschossen werden. Dann gelte es die Schusszeit zu nutzen, so der Vorsitzende. Sommer erklärt aber auch, dass man beim Landratsamt Rosenheim schon mehrmals eine Verkürzung dieser Schonzeit beantragt habe. Dann könne der Dachs beispielsweise schon im Juli bejagt werden. Aber nur nach Absprache mit der Behörde.

Die Tiere haben keine „natürlichen Feinde“, so Sommer – einer von ihnen wäre beispielsweise der Wolf. Und so nimmt die Population wie in Kolbermoor stetig zu. „Sie sind schwer zu bejagen“, erklärt er. Denn eigentlich sind diese Tiere nachtaktiv und nicht häufig anzutreffen, wie das Kolbermoorer Exemplar in Mitterhart. Ist es denn normal, dass der Dachs so nahe an den Menschen herankommt? „Ja, vor dem hat er keine Angst“, erklärt Sommer. Sommer ist sich sicher, dass er im nahen Wald wohnt. Dort hat er seinen Bau, den er auch mit seiner Familie teilt. Die Jungen, sofern er welche hat, seien mittlerweile auch schon „flügge“. Vorsicht ist auch für die Autofahrer bei Dachsvorkommen geboten. Wildunfälle mit dem Silberpelz sind alles andere als ungefährlich.

Fischotter
stören Ökosystem

Welche Tiere sich noch „explosionsartig vermehren – auch an der Mangfall in Kolbermoor“, seien laut Sommer die Fischotter. Vor Jahren habe man sich noch gefreut, wenn man einen gesehen hat. Mittlerweile sei das ein großes Problem. Denn sie bringen das Ökosystem durcheinander: Sie fressen die Flusskrebse, Fische und Lurche. Und wenn der Tisch reich gedeckt ist, vermehren sie sich stark. Noch gibt es ausreichend Nahrung, und so nimmt die Population weiter zu.

Die Folge: Der Fischbestand in der Mangfall verringert sich. Aber was kann man da machen? Franz Sommer: „Der Gesetzgeber ist gefordert. Man soll nicht erst aktiv werden, wenn die Population extrem angestiegen ist. Man muss von Anfang an einen Plan haben.“

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