Kolbermoor – Für viele Stammgäste gehört Bademeister Helmut Eggerl fast schon zum „Inventar“ des Kolbermoorer Freibads. Das verwundert auch nicht, da er mittlerweile seit 25 Jahren im Freibad seinen Dienst tut. Im Gespräch mit dem Mangfall-Boten blickt der 50-Jährige auf diese Zeit zurück.
Die Hälfte Ihres Lebens arbeiten Sie als Bademeister im Freibad. Da gibt’s doch sicherlich viele Kolbermoorer, die Sie schon aus Kinderzeiten kennen?
Das Schönste ist, sie zu sehen, wenn sie dann mit ihren eigenen Kindern kommen. (Lachend) Allerdings lässt sich davon auch das eigene Alter ableiten.
Wie erinnern Sie sich an Ihre Anfangszeit?
Gleich in meinem ersten Jahr ist was Schreckliches passiert: Da wäre fast ein zweijähriges Kind ertrunken. Ich hab das bewusstlose Kind noch aus dem Wasser ziehen und wiederbeleben können. Es war dann 14 Tage im Krankenhaus, hat aber überlebt. Das war ein sehr prägendes Erlebnis für mich. Wenn es anders ausgegangen wäre, hätte ich den Job nicht weitergemacht.
Ist Ihnen so etwas Dramatisches nochmals passiert?
Nein, so schlimm nicht mehr. Dass ich Kinder aus Wasserbereichen holen muss, wo sie nicht mehr stehen können, kommt eigentlich jedes Jahr vor.
Wie kann es zu solchen Situationen kommen? Passen Eltern zu wenig auf ihre Kinder auf?
Oft ist zu beobachten, dass Eltern zum Beispiel ratschend beim Kiosk sitzen und ihre Kinder unbeaufsichtigt am Schwimmbecken umeinanderlaufen lassen. So was finde ich ganz schlimm. Teilweise sind‘s kleine Kinder, die nicht schwimmen können und auch keine Schwimmflügel tragen.
Was machen Sie, wenn Sie das beobachten?
Dann gibt‘s für die Eltern ‘nen Riesen-Anschiss von mir.
Sie haben mit der Aufsicht eine gewaltige Verantwortung zu tragen…
…ja, das stimmt, aber mit der Zeit habe ich gelernt, gut damit umzugehen.
Lassen sich solche Fälle aus Ihrer Sicht ausschließen, wenn sich 1000 Gäste im Freibad tummeln?
Nein, das lässt sich nie ausschließen. Wir sind auch darauf angewiesen, dass die Badegäste achtsam sind. Wenn viel los ist, sind wir zu dritt in der Badeaufsicht, sonst zu zweit.
Was war in Ihrer Anfangszeit in Ihrem Aufgabenbereich anders als heute?
Viel hat sich nicht verändert. Allerdings das Verhalten von Kindern und Jugendlichen – da ist bei einigen der Respekt verloren gegangen. Das finde ich schade.
Als Bademeister haben Sie nicht nur die Aufsichtspflicht, sondern müssen sich auch um andere Aufgaben für den Betrieb der Freizeitanlage kümmern…
…ja, da gab’s gewaltige Veränderungen in den vergangenen 25 Jahren: fortlaufend bei den immer strengeren Auflagen der Gesundheitsbehörde oder der Berufsgenossenschaft im Bereich der Sicherheit. Aber auch in der Technik wie zum Beispiel der Mess- und Regelmechanik, die immer wieder verbessert oder erneuert werden muss. Drei- mal täglich müssen wir auch die Wasserwerte erfassen, die werden geprüft nach Chlorgehalt, pH-Wert und der Redoxspannung. Die Redoxmessung ist ein Verfahren zur Bestimmung der Wirksamkeit der Wasserdesinfektion.
Geben Sie auch Schwimmunterricht?
Nein, ich nicht mehr, das macht jetzt der Kollege Charlie Meier.
Was ist das Schöne an diesem Job?
Dass ich mit den Gästen viele Kontakte pflegen und viel mit ihnen ratschen kann und dabei viel von ihnen erfahre.
Traurig ist allerdings, dass von den älteren Stammgästen, die ich gut gekannt habe, immer wieder einige versterben. Und: Als Bademeister ist man sozusagen auch Psychologe, der sich viele Problemschilderungen anhören muss (lacht).
Bademeister ist also ein Super-Job für Sie?
Eigentlich ja, ich habe immer Freude daran gehabt. Freilich gibt’s auch Nachteile: Ich kann im Sommer selbst nichts unternehmen, habe keine Zeit, selbst zum Baden zu gehen oder Urlaub zu machen. Aber es passt.
Und was wünscht sich Helmut Eggerl für sein Freibad?
Grundsätzlich die möglichst schnelle Rückkehr zu einem normalen Badebetrieb früherer Jahre ohne Corona-Einschränkungen.
Interview: Ulrich Nathen-Berger