Stadt will CO2-Ausstoß halbieren

von Redaktion

Einblicke in das Blockheizkraftwerk hinter der Pauline-Thoma-Schule

Kolbermoor – „Das Gelingen der Energiewende wird nicht allein vom Ausbau von Wind- und Solarenergie abhängen“, sagt Sebastian Ranner, Geschäftsführer der Innergie. Ein Erfolg wird, so seine Überzeugung, auch davon bestimmt, inwieweit diese „volatilen“ also schwankenden Energiequellen durch dauerhaft vorhandene und dabei schnell abrufbare Versorgungsmöglichkeiten ergänzt werden können.

Eine Möglichkeit dazu sind Blockheizkraftwerke (BHKW) wie das hinter der Turnhalle in der Pauline-Thoma-Schule, das seit Anfang vergangenem Jahr in Betrieb ist. Aus Laiensicht werden solche Kraftwerke in erster Linie als Fernwärmeversorger gesehen. Auch das BHKW an der Schule versorgt derzeit Schule und Turnhalle mit Wärme sowie das Neubaugebiet an der Unteren Mangfallstraße.

Anlage soll weitere Neubaugebiete versorgen

Es wird in naher Zukunft auch für die Neubaugebiete an der Conradtystraße und im Spinnereipark zur Verfügung stehen. Derzeit wird gerade die entsprechende Rohrtrasse verlegt, ab Herbst sollen die Arbeiten abgeschlossen sein (wir berichteten).

Früher, so erklärt Sebastian Ranner, war die Wärmeerzeugung auch in der Tat die Hauptaufgabe solcher Anlagen. Die Stromproduktion war gewissermaßen ein Abfallprodukt. Eine Betriebsweise, die jedoch alles andere als optimal war, denn die Spitzen des Strombedarfs fallen selten mit den Zeiten des größten Wärmebedarfs zusammen. Bei modernen Anlagen sind Stromerzeugung und Wärmelieferung jedoch entkoppelt. Möglich machen das große Wärmespeicher, die deshalb auch zu etwas wie den Wahrzeichen aktueller Bhkws geworden sind.

Im Falle des Kraftwerks an der Pauline-Thoma-Schule hat dieser Speicher ein Inhaltsvermögen von 127 000 Litern an Heizwasser.

Ein Vorrat, der selbst in Spitzenzeiten des Wärmebedarfs – also mitten im Winter, bei Temperaturen um die Minus zehn Grad – alle angeschlossenen Haushalte für etwa drei bis vier Stunden mit wohliger Wärme versorgen würde. Das bedeutet, dass das Kraftwerk selbst nicht ständig laufen muss, sondern dann betrieben werden kann, wenn der Strom nicht nur Abfallprodukt ist, sondern dringend benötigt wird.

Wann das so ist, ist glücklicherweise berechenbar. Vereinfacht gesagt ist es so, dass man mit einem Tag Vorlauf ziemlich genau weiß, wann und zu welchen Uhrzeiten das deutschlandweite Stromangebot aus Wind- und Solaranlagen reduziert sein wird und durch andere Quellen ergänzt werden müsste. Und genau zu diesen Zeiten startet dann der große gasbetriebene Motor, der über einen Generator gut ein halbes Megawatt Strom erzeugt und dessen Abwärme Heißwasser liefert.

Die Anlage steht dabei nicht allein, sondern ist Teil eines „virtuellen Kraftwerkes“ der Stadtwerke Rosenheim, zu dem 300 kleinere und größere Erzeugungsanlagen in der Region gehören.

Ob der Motor läuft, ist auch in unmittelbarer Nähe des BHKW-Gebäudes kaum zu hören. Viel Aufwand wurde beim Bau für die Geräuschvermeidung betrieben, augenfällig schon durch die Größe des Schalldämpfers für den Abgasstrom des Motors, der sich in einer halbmannshohen Rohrleitung verbirgt. Auch der Motor selbst steht auf einem Bereich, der vom restlichen Gebäudeboden entkoppelt ist, um Körperschall zu vermeiden.

Etwaige Motorengeräusche
sind kaum zu hören

Wichtig vor allem für den Wärmeversorgungsanteil des Kraftwerkes ist natürlich das Thema Redundanz – schließlich darf die Wärmeversorgung auch dann nicht in die Knie gehen, wenn der Motor einmal einen größeren Ausfall hätte. Dank der regelmäßigen Wartungsarbeiten zwar unwahrscheinlich, dennoch steht als Ersatz ein Gaskessel mit 1000 Kilowatt Leistung bereit: Verglichen mit den zehn bis 25 Kilowatt kleinen „Kesselchen“ die in Privathaushalten stehen, ein wirklich beeindruckendes Gerät.

Dass ein einzelner großer Wärmeerzeuger wirtschaftlicher und vor allem auch umweltfreundlicher fahren kann, als eine Unzahl von Einzelanlagen, liegt auf der Hand. Deshalb werden die Neubaugebiete Kolbermoors jetzt und in Zukunft auch von vornherein an das im Aufbau begriffene Fernwärmenetz der Stadt angeschlossen. Für den „alten“ und privaten Baubestand hofft die Stadt auf fortschreitende Umrüstung der Kesselanlagen: Möglichst weg vom Öl, hin zu modernen Gaskesseln oder Wärmepumpen. Beides zusammen, Fernwärmenetz und Modernisierung der Bestandsanlagen wird dann mithelfen, die Umweltziele zu erreichen, die sich die Stadt im Jahr 2015 in ihrem Klimaschutzkonzept gesetzt hatte: Bis 2035 sollen die CO2 Emissionen um 45 Prozent gesenkt werden.

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