Kolbermoor – Welche Erwartungen haben die Zuschauer der öffentlich-rechtlichen Sender? Mit ihrem „Zukunftsdialog“ will die ARD den Gebührenzahlern auf den Zahn fühlen.
Sie hat 140 zufällig ausgewählte Bürger eingeladen, sich online zum Programm des Senderverbunds zu äußern. Einer davon ist Dr. Ulrich Krapf aus Kolbermoor. Mit ihm sprachen die OVB-Heimatzeitungen über seine Motivation, sich in den Dialog einzuschalten, und seine Vorschläge für die künftige Programmplanung der ARD.
Warum haben Sie sich für die Teilnahme beworben?
Ich wurde zufällig ausgewählt und fand es spannend, an der Befragung mitzuwirken. Insbesondere wollte ich wissen, wie eine so große Einrichtung wie die ARD diesen Zukunftsdialog bundesweit organisiert und wie man Einfluss nehmen kann.
Welche Dinge und Themen konnten Sie einbringen?
Da die Befragung in kleinen Gruppen von fünf bis sechs Personen online in Foren durchgeführt wurde, kam jeder zu Wort.
Ich konnte folgende Themen einbringen: Die politische Berichterstattung sollte breiter aufgestellt sein. Das heißt: mehr Wissenschaftler, mehr Nicht-Regierungsorganisationen und seltener die immer gleichen Vertreter der Parteien.
Auch die Sportberichterstattung sollte vielseitiger werden. Das heißt: weniger Fußball, dafür auch andere Volkssportarten wie Tischtennis und Turnen. Die ARD sollte eine neuartige Familienshow entwickeln, damit die Familien wieder gemeinsam Fernsehen schauen.
Welchen Eindruck hatten Sie von der Veranstaltung?
Mein Eindruck war sehr positiv. Die Anregungen der verschiedenen Teilnehmer wurden aufgenommen und schlüssig zusammengefasst. Es gab keine Denkverbote, und nichts wurde von vornherein ausgeschlossen. Die Moderatoren gingen gut auf unsere Ideen ein, und man hatte genügend Zeit, seine Anliegen vorzutragen.
Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass Ihre Vorschläge bei ARD fruchten?
Da bin ich noch vorsichtig. Die ARD ist doch eine sehr große Einrichtung mit langen Entscheidungswegen.
Und natürlich nimmt auch die Politik über die Intendanten Einfluss auf die Berichterstattung der ARD. Aber ich werde den weiteren Verlauf des Zukunftsdialoges verfolgen und mich sicherlich zu Wort melden, wenn ich merke, dass die Vorschläge der Teilnehmer keine angemessene Berücksichtigung finden sollten.
Interview: Jens Kirschner