Kolbermoor – Stundenlang sitzt Andreas Paukert (69) in seinem offenen Gartenhäuschen und beobachtet die unzähligen Vögel, die bei ihm Halt machen. „Können Sie sich das vorstellen, dass ich den Tieren so lange zuschauen kann?“, fragt er. Oh ja! Denn der Garten von Familie Paukert an der Von-Bippen-Straße ist ein Vogel-Paradies: Futterstellen, kleine Behausungen und jetzt auch noch Karusselle. Die hat der Kolbermoorer selbst entworfen und gebaut.
Mehlwürmer
als Leckerli
Angefangen hat alles mit einer Wippe. „Die Vögel haben sich auf den Wasserstandsmelder gesetzt und das Ding rutschte nach unten und dann wieder hoch. Das fanden sie super.“ Und aus dieser Aktion wuchs quasi ein kleines Volksfest: „Erst habe ich die Schiffschaukel gebaut, die kommt bestens an. Im Schiffchen liegen Mehlwürmer und wenn die Vögel sich auf den Rand des Schiffes setzen und sich diese Leckerei schnappen, geht‘s rund.
Manchmal sitzen sie auch nur so in der Schaukel und es geht los: nach vorne, zurück – und weiter.“ Dann kam der Kolbermoorer auf die Idee, ein kleines Riesenrad zu bauen: Vier Körbchen hängen daran, auch sie sind mit Mehlwürmern gefüllt.
Und es geht zu wie im Taubenschlag, nein, im Vogelschlag. Paukert pfeift und die Vögel kommen angeflogen: Spatzen, Kohlmeisen, Rotschwänzchen, Buchfinken und Co. Er kennt sie alle und er weiß auch, wo ihre Nester sind. „Einige holen die Mehlwürmer und bringen sie sofort zu ihren Jungen“, erzählt Paukert begeistert.
Paukert kennt sich aus. Nicht nur mit den vielen Vögeln, die zu ihm kommen. „Wenn was mit Tieren ist, rufen Menschen aus dem gesamten Landkreis an“, sagt er. So hat er vor Monaten eine Schlange in einer Bad Aiblinger Wohnung gesucht – aber bisher nicht gefunden. Einmal – vor etwa 20 Jahren – rief man ihn am Heiligabend an. Er solle kommen, da ein Storch am Boden festgefroren sei. Paukert kam, und so hatte Familie Paukert am Heiligabend einen Storch unterm Christbaum. Die Tierliebe habe er von seinem Opa Andreas Paukert, erzählt er. „Er hat immer gesagt, auf die Viecher musst du achtgeben“, erinnert sich Paukert. Das macht er bis heute. Deshalb sind ihm „englische Rasen“ zuwider. „Da kreucht und fleucht nichts“, weiß er zu berichten.
Schildkröte Gretel
wird auch verwöhnt
Bei Paukert im Garten ist viel los: Dort tummeln sich etwa Gretel, die 60-jährige Schildkröte, unzählige Insekten und eben viele, viele Vögel. Wenn Paukert mal nicht da ist, was vorkommt, da er in unzähligen Vereinen engagiert ist, muss seine Frau Waltraud aushelfen. Dann kümmert sie sich darum, dass die Futterstellen gefüllt sind. „Ich habe die Tiere ganz schön verwöhnt. Morgens, mittags und abends ist der Tisch bei den Paukerts gedeckt“, erzählt sie und lacht. Was demnächst gebaut wird, steht noch nicht fest.
Vielleicht eine Achterbahn, sagt Waltraud Pauker. Vielleicht. Aber fest steht: Das Volksfest der Vögel an der von-Bippen-Straße schlägt jedes Fernsehprogramm.