Kolbermoor – Selber kochen dürfen ist für Kinder toll. Kochen in einem Doppeldecker-Bus ist megatoll. Dieses Erlebnis hatten die Kinder der Kindertagesstätte „Haus für Kinder“ und des dazugehörigen Naturkindergartens.
Dort machte kürzlich der „Kochbus“ Station. Bei diesem Gefährt handelt es sich um ein Projekt des Berliner Catering-Unternehmers Detlef Eildermann. Der hatte vor gut zwölf Jahren die Idee, einen umgebauten Doppeldeckerbus der Berliner Verkehrsbetriebe auf Tour zu schicken, um den Kindern vor Ort etwas zur gesunden Ernährung beizubringen.
Seither ist der Bus in ganz Deutschland unterwegs: Jede Schule, jede Kindertagesstätte kann sich um einen Termin bewerben, der dann meist kostenlos ist.
Einrichtung hat
sich beworben
Dass sich das Haus für Kinder um einen Besuch bewarb, lag für die Kindertagesstätte, die in der Trägerschaft der evangelischen Kirche ist, auf der Hand. Schließlich hat man auf dem Gelände des Naturkindergartens eine eigene Ackerfläche, unterstützt vom Verein „Ackerdemia“. Auf diesem Acker werden Kartoffeln und Gemüse angebaut – von Tomaten und Kohlrabi über Zucchini und Gurken bis zu Palmkohl. Alles zum eigenen Verzehr. Sei es auf dem Gelände direkt, selbst gegart in Feuerschalen, oder im festen Haus der Kindertagesstätte, bei den gemeinsam zubereiteten Mahlzeiten.
„Gemüse ist bei vielen Kindern ja nicht gerade der Renner“, sagt Karolina Kleinmanns, stellvertretende Leiterin der Kindertagesstätte, „aber wenn es aus dem eigenen Garten stammt, ist es auf einmal was ganz Besonderes und schon von daher einfach lecker. Viele Kinder, die früher einen Kohlrabi oder eine Zucchini nicht mal anschauten, naschen die aus eigenem Anbau sogar roh.“ Die Kinder lernen so ganz nebenbei, dass Gemüse nicht „bäh“ ist, so Kleinmanns. „Sie erkennen auch, dass heimisches Gemüse und auch Obst, wenn es zu der Zeit verzehrt wird, bei der es bei uns wächst, viel besser schmeckt, als das was in Glashäusern gezogen wird.“
Der Kochbus sei bei diesem Ansatz die ideale Ergänzung. Denn hier bekamen die Kinder jetzt einen Mini-Kochkurs von Koch Martin Schneider. Er zeigte, wie man ganz einfach aus wenigen Zutaten tolle Gerichte zaubern kann: Nudelsalat mit Hähnchenstreifen oder Backofen-Pommes aus selbst geschälten und geschnittenen Kartoffeln mit einem selbst gemachten Ketchup-Gemüse-Dip. „Ich möchte, dass die Kinder merken, dass solche Gerichte nicht viel Aufwand machen. Vor allem, dass sie feststellen, dass sie diese selbst zubereiten können.“
Schnipseln
und schneiden
Der Begeisterung nach zu schließen, mit der die fünf Gruppen mit jeweils 15 Kindern beim Kochen mitgingen, könnte das durchaus sein. Wie man beim Schneiden und Schnipseln mit einem Messer umgeht, bekamen sie gezeigt. Und Hintergrundwissen brachten sie sowieso mit: „Warum schmeckt die rote Paprika besser als die gelbe?“ wollte Schneider wissen. „Weil sie reifer ist und mehr Vitamine und Zucker hat“, wussten die Vorschulkinder.
Ganz nebenbei gelernt auf dem Gemüseacker. Und auch hier wieder das Erlebnis, dass die Kinder, wenn sie selbst aktiv werden, Sachen essen, die sie sonst verweigern würden.
Der Kochbus-Tag ist also der willkommene Auftakt für die jetzt wieder möglichen eigenen Kochaktivitäten: Im Kinderhaus gibt es nämlich jeden Tag ein selbst zubereitetes Frühstücksbuffet, das in den letzten Monaten coronabedingt nicht mehr möglich gewesen war. Und wird, so sagt Kleinmanns, in Zukunft ganz sicher ergänzt durch hausgemachtes Müsli oder Nudelsalat nach „Kochbus-Rezept“.