Kolbermoor – Eine fröhliche Stimmung, in der auch ein bisschen Spannung vibrierte, herrschte bei der Abschlussausstellung des Studiengangs „Plastik“, auf die alle Teilnehmer wegen Corona nahezu zwei Jahre gewartet hatten. „Dies ist ein besonderes Ereignis“, hieß Anna Eisner, Geschäftsführerin der freien Akademie für Bildende Künste in der Alten Spinnerei Kolbermoor, die Kunstschaffenden und ihre Freunde willkommen. „Zum einen ist wegen des Lockdowns erst jetzt wieder eine solche Veranstaltung möglich. Zum anderen ist es die erste Präsentation aus dem Gebiet Bildhauerei überhaupt.“ Der Studiengang umfasste zehn Wochenmodule mit verschiedenen Themenstellungen – darunter beispielsweise die menschliche Figur, der Kopf, Stillleben und die absolute Form.
Geleitet wurde der duale Studiengang von Dozent Max Wagner aus Starnberg, der über längere Zeit intensiv mit den sechs Teilnehmern arbeitete. Wagner selbst absolvierte von 1979 bis 1985 an der Akademie der Bildenden Künste in München ein Bildhauer-Studium bei Prof. Erich Koch, wurde erst dessen Meisterschüler und dann sein Assistent. An der Kolbermoorer Akademie ist er seit 2016 als Dozent tätig. Dass er zu den sechs Studierenden während der Studienjahre gute Kontakte aufgebaut hatte, war unschwer zu erkennen. Er überreichte den Absolventen ihre Abschlussurkunde mit persönlichen, anerkennenden Worten über Arbeitsverhalten und Ergebnisse der Arbeit. Und schmunzelnd ergänzte er: „Auch ich habe in diesem Studium wieder einiges dazugelernt.“ Die Absolventen Martina Feneberg, Ulrike Knienieder, Marion Pfeffermann, Günter Seitz, Marion Stoll und Fred Terme zeigen in ihren Skulpturen und Plastiken eine gelungene Umsetzung der Themen. Zum „Kopf“ waren einfallsreiche Ausführungen zu sehen, sei es der Kopf aus kleinen Holzelementen, seien es Köpfe aus gebranntem oder ungebranntem Ton. Ein Kopf zeigt ein bemerkenswertes Innenleben: eine Leiter führt hinein, und in seinem Inneren sieht man Mobiliar und herausgezogene Schubladen. Eine Assoziation zu Schubladendenken drängt sich auf. Zum Thema „Absolute Form“ gab es besonders viele Interpretationen. Unterschiedliche Materialien wurden für die Arbeiten verwendet – darunter beispielsweise Binse, ungebrannter Ton, Japanpapier und Draht. Und immer wieder stellt sich dem Betrachter die Frage: Sieht so die absolute Form aus oder gibt es die überhaupt? Ideen boten die Kunstschaffenden in großer Zahl, der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Ute Bößwetter