Kolbermoor – Wenn Erwachsene während ihrer Arbeitszeit auf den Spielplatz gehen, bekommen sie Ärger mit dem Chef. Nicht so Alois Harrasser. Er darf ausgiebig rutschen und schaukeln, solange andere im Büro sitzen. Harrasser ist Spielplatzkontrolleur der Stadt Kolbermoor und sorgt mit seinem Einsatz dafür, dass die Spielgeräte gefahrlos genutzt werden können.
„Hier wird es schon etwas morsch“, sagt Harrasser mit Blick auf einen Balken des Klettergerüstes. Er kontrolliert gerade den Spielplatz an der Carl-Jordan-Straße 3. Besonders die Verbindungen der Holzbalken seien anfällig für witterungsbedingte Schäden. Harrasser wird den Balken nun im Auge behalten und bei Bedarf austauschen.
Unbekannte
zerstören Geräte
Einmal wöchentlich prüft der Zimmerer und Bauhofmitarbeiter alle 31 Orte mit Spielgeräten im Stadtgebiet. Die meisten sind öffentliche Einrichtungen, einige gehören zu Wohnanlagen oder zur Schule. „Jeden Montag schaue ich alle durch. Dann kann ich Schäden vom Wochenende ausbessern“, erzählt er. Diese Arbeiten erledigt er dann über den Rest der Woche. Aktuell wartet auf der Freifläche des Bauhofs zum Beispiel noch ein Haufen Balken, die er für eine Sandkasten-Einfassung herrichtet. Zeit für andere Arbeiten – jenseits der Spielgeräte – bleibt Harrasser kaum. Spielgeräte-Kontrolleur ist ein Fulltime-Job.
Anfällig sei vor allem das Holz der Spielgeräte. Zwar sei die druckimprägnierte Lärche recht robust und halte zehn bis 20 Jahre. Doch dort, wo Feuchtigkeit eindringen kann, etwa an Ecken oder Schrauben, werde das Holz schon mal brüchig. „Wenn eine Gefahr besteht, wechsele ich das betreffende Stück sofort und sperre das Spielgerät solange.“ Normale Verschleißerscheinungen beobachtet er zunächst, und bessert aus, wenn nötig. Doch nicht nur das Wetter ist ein Problem.
„Es gibt auch Leute, die gerne was kaputt machen“, berichtet Michael Glas, der Leiter des Bauhofs. Er habe schon erlebt, dass jemand die Schrauben der Schaukel-Sitze gelockert hat. An Silvester hätten Randalierer ein Spielplatz-Hütterl gesprengt. „Das sind nicht die Kinder, die so etwas machen“, ist dem Bauhofleiter ganz klar.
Rund 0,1 Todesfälle gibt es an deutschen Spielplätzen pro Jahr. Kontrolleur Harrasser zeigt auf ein Diagramm mit einer abnehmenden Kurve. Es zeigt: Spielplätze waren schon einmal viel gefährlicher. Doch diese 0,1 soll möglichst auch noch verschwinden. Dafür ist genau vorgeschrieben, wie Spielplätze geprüft werden müssen.
Zusätzlich zu Harrassers Kontrolle erfolgt einmal pro Jahr eine TÜV-Abnahme. Außerdem kommt einmal jährlich ein Ingenieur für eine Prüfung. Harrasser selbst hat eine Sachkundeprüfung als Spielplatzprüfer abgelegt. Seine Kontrollen hält er schriftlich auf Erfassungsbögen fest. Dort notiert er für jede Anlage, was er geprüft hat, welche Mängel er gefunden hat oder was er weiter beobachten muss.
„Dass sich ein Kind einmal einen Schiefer einzieht, das kann schon mal passieren“, sagt er. Man könne auch nicht alles verbieten. Es gehe auch darum, den Spieltrieb der Kinder zu erhalten. Richtig gefährlich seien aber zum Beispiel Engstellen, in denen man mit dem Kopf hängen bleiben könnte, zum Beispiel unter den Sitzen von Wippen oder zwischen Balken.
Daher müssen alle Nischen und Zwischenräume festgelegte Breiten haben. Getestet wird das mit einem Prüfkörper. Bei der Rutsche schaut Harrasser, ob irgendwo scharfe Kanten sind oder Spitzen hervorstehen. „Klar, da rutsche ich auch schon mal runter“, sagt der Kontrolleur schmunzelnd. Bei den Schaukeln checkt Harrasser die Aufhängung und die Befestigung der Sitze. Am Fundament der Rundumwippe buddelt der Kontrolleur ein bisschen im Kies. „Hier unten kann sich Feuchtigkeit halten, daher prüfe ich den Balken regelmäßig“, erklärt er.
Größte Gefahr:
Fußballtore
In den gut zwölf Jahren als Spielplatzkontrolleur ist auf „seinen“ Spielplätzen noch nichts Gravierendes passiert. Lediglich ein Mädchen habe sich einmal einen Arm gebrochen, als es beim Laufen von einem Hang an einem Fundament hängenblieb, das sich am Boden gehoben hatte. Doch das habe man kaum sehen können.
Die größte Gefahr, so berichtet er, gehe sowieso nicht von Spielgeräten, sondern von Fußballtoren aus. Wenn Kinder auf ihnen klettern, können diese kippen und auf die Kleinen fallen – mit bösen Folgen. Deswegen sollten Kinder auf keinen Fall an Toren herumklettern.
Doch am Spielplatz in der Carl-Jordan-Straße gibt es kein Tor. Die Spielgeräte sind alle abgehakt. „Ich mag meinen Job“, sagt er. Man könne kreativ sein, mit Holz arbeiten, und die Kinder seien einem dankbar. Auch nach seinem Feierabend kann er übrigens nicht genug von Spielplätzen bekommen. Mit drei Kindern und sechs Enkeln ist er regelmäßiger Besucher des Spinnerei-Spielplatzes. Dann allerdings lässt er sicherlich den Kleinen den Vortritt beim Rutschen.