„Klopapier-Syndrom“ in Bauwirtschaft

von Redaktion

Materialnot verzögert Fertigstellung des naturnahen Kindergartens

Kolbermoor – Der neue naturnahe Kindergarten in der Hölderlinstraße soll im Oktober seinen Betrieb aufnehmen können. Das ist einen Monat später, als ursprünglich geplant. Die Eltern der dort angemeldeten Kinder müssen sich deshalb aber nicht sorgen – die Kleinen werden anderweitig unterkommen.

Monatelange
Lieferzeiten

Schuld an der Verzögerung sind die Lieferzeiten auf dem Baustoffmarkt, die momentan rasant nach oben schießen. Dabei tut man bei der Stadt alles, um die Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Bei der Hölderlinstraße heißt das, dass man die Art der Dacheindeckung der sieben kleinen Kindergarten-Häuschen kurzfristig umgestellt hat. Ursprünglich sollte die Dacheindeckung in Form von vorgefertigten sogenannten Trapezblechen erfolgen.

Das sind Elemente, in die die notwendige Dämmung von vornherein integriert ist. Als die ausführende Firma die Bleche bestellen wollte, wurden sie bei diesen Bauteilen, die eigentlich durchaus Standardartikel sind, unvermutet mit mehrmonatigen Lieferzeiten konfrontiert. Das hätte bedeutet, dass sich die Eröffnung des naturnahen Kindergartens deutlich ins nächste Jahr hinein verschoben hätte. Die einzig mögliche Lösung war, so erläuterte Bauamtschef Andreas Meixner den Mitgliedern des Bauausschusses auf der jüngsten Sitzung, die Dacheindeckung kurzfristig umzuplanen.

Sie wird jetzt sozusagen klassisch ausgeführt, mit einer Aufdachsparrendämmung, die dann mit Edelstahlplatten gedeckt wird. Dabei entstehen gegenüber der ursprünglich geplanten Form Mehrkosten in Höhe von knapp 27500 Euro.

Um den Fortschritt des Baus so wenig wie irgend möglich zu verzögern, wurde die entsprechende Beauftragung von Bürgermeister Peter Kloo durchgeführt, ohne die nächste Sitzung des Bauausschusses abzuwarten.

Die Geschäftsordnung der Stadt ermächtigt ihn zu solchen sogenannten „dringlichen Anordnungen“ in allen Fällen, die „umständebedingt“ keinen Aufschub zulassen. Es gab deshalb unter den Bauausschussmitgliedern weder Fragen noch Einwände gegen die Entscheidung.

Für Bauamtschef Andreas Meixner bringt die geänderte Dacheindeckung auch ein „optisches Plus“. Diese Aufwertung sei zwar bei der ursprünglichen Planung nicht für nötig gehalten worden, weil es sich bei den Häuschen ja bewusst um einfach gestaltete Gebäude handeln solle. Dennoch sei dieser Mehrwert neben einer zusätzlich auch noch verbesserten Stabilität willkommen, so Meixner. Der Hauptvorteil liegt aber in der Tatsache, dass der Baufortschritt durch die Änderung der Dacheindeckung nicht weiter behindert wird. Den Hintergrund für die überraschenden und dabei extrem langen Lieferzeiten für die Elemente der ursprünglichen Variante sieht Bauamtsleiter Andreas Meixner in der Corona-Pandemie.

Es gäbe wohl offenbar auch in der Bauwirtschaft so etwas wie ein „Klopapier-Syndrom“: Für verschiedene Baustoffe würden vorauseilende Hamsterkäufe durchgeführt, um für den Fall der Fälle auf der sicheren Seite zu sein.

Einkäufer
sorgen vor

Dieses Verhalten aber führe die Knappheit, gegen die sich die Einkäufer zu wappnen suchten, erst mit herbei. Anders jedenfalls sei die momentan festzustellende Explosion bei den Lieferzeiten für viele Bauelemente nicht zu erklären.

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