Pullach – Eine Gruppe Feuerwehrler springt in das Feuerwehrfahrzeug und schon geht es los: Mit Tatütata und Blaulicht brettert das LF10 aus der Halle. Heute geht es zwar nicht zu einem echten Einsatz, sondern nur zu einer Übung. Beides kann die Feuerwehr Pullach allerdings viel besser bewerkstelligen, seit sie ihr neues Feuerwehrgerätehaus bezogen hat.
Ein neues Heim
für 2,5 Millionen Euro
Im März fand der Umzug statt: Für rund 2,5 Millionen Euro hat die Stadt Kolbermoor ein neues Gebäude mit rund 400 Quadratmetern Nutzfläche bauen lassen. „Das ist eine völlig andere Liga“, betont Kommandant Josef Hofmann und bekommt Zustimmung von seinem Stellvertreter Ernst Langer: „Das Feuerwehrhaus ist mit dem alten überhaupt nicht zu vergleichen.“ Das einstige Feuerwehrhaus sei einfach viel zu eng gewesen. Zwar wurde immer wieder angebaut – doch das reichte nicht aus. Es bot gerade einmal den beiden Fahrzeugen Platz. Die Fahrzeughalle war gleichzeitig Umkleide, Lagerraum und Büro.
Jetzt gibt es
ausreichend Platz
Jetzt haben sie auch Platz, um ihre Übungen bestmöglich abzuhalten. Heute geht es um technische Hilfeleistung mit Erster Hilfe bei einem simulierten Unfall. Das Szenario: Ein Autofahrer hatte einen Schwächeanfall am Steuer und fuhr einen Radfahrer an. Kommandanten-Sohn Johannes (15) spielt den Autofahrer. Eine klaffende Wunde ist an seiner Stirn aufgemalt. Sie soll zeigen, dass er mit dem Kopf gegen das Lenkrad geprallt ist. Unter den wachsamen Augen von Übungsleiter Stefan Fuchs ziehen ihn die Einsatzkräfte aus dem Auto und betten ihn auf eine Trage. Kollegen stehen mit dem Löschschlauch bereit, sollte das Auto in Flammen aufgehen.
Zu rund 30 Einsätzen rückt die Pullacher Wehr pro Jahr aus. „Brände haben wir eher weniger, unterstützen aber da die Nachbarn“, so Hofmann. Dafür habe man viel mit Verkehrsunfällen oder dem Auslauf von Betriebsstoffen zu tun. Immer montags und mittwochs findet die Aktivenübung statt, am Donnerstag trainiert die Jugendfeuerwehr. Insgesamt 48 Feuerwehrleute sind ehrenamtlich im Einsatz. Die finden in ihrem neuen Heim nun beste Bedingungen.
„Es macht einfach Spaß“, sagt Hofmann und präsentiert voller Stolz die Anlage. Ein großer und modern ausgestatteter Schulungsraum – der auch etwa für Landkreis- oder Sonderschulungen genutzt wird – befindet sich in dem Gebäude ebenso wie ein Büro und eine Einsatzzentrale. Alle Räume sind barrierefrei, hell und funktional gestaltet. Durch die Umkleiden gelangen die Feuerwehrler direkt in die Fahrzeughalle. Dort stehen das Löschgruppenfahrzeug LF10 und der Mannschaftstransportwagen (MTW). Nächstes Jahr soll auch noch ein Versorgungs-Lkw mit Kran dazukommen. Weil die Pullacher Wehr auch die Aus- und Weiterbildung der Feuerwehrleute in der Absturzsicherung übernimmt, gibt es an der äußeren Seitenwand der Fahrzeughalle eine Leiter, an der das gesicherte Auf- und Absteigen im Klettergurt geübt werden kann.
Ganz fertig ist das Feuerwehrhaus noch nicht. Auf das Dach soll noch eine Fotovoltaikanlage kommen, so Langer. Außerdem muss der Festfunk noch installiert werden. In den Umkleiden sowie der Fahrzeughalle befinden sich dafür Monitore, auf denen alle Daten zum anstehenden Einsatz in Zukunft angezeigt werden sollen. Bisher bekommen die Einsatzkräfte ihre Infos per Fax.
Die Übung ist inzwischen in die Fahrzeughalle verlegt worden, da ein Gewitter tobt. Im alten Feuerwehrhaus gab es weder Heizung noch Außenbeleuchtung, was die Trainingseinheiten oft erschwerte. Heute kann der Probeeinsatz jedoch weitergehen – zumindest zunächst. Die Aktiven versorgen nun Simon (12), Sohn vom Kommandanten-Stellvertreter, der den Radlfahrer spielt. Er hat am Arm eine klaffende Wunde aufgemalt. Seine „Rettung“ muss dann aber abgebrochen werden.
Denn jetzt rufen echte Einsätze. Das Gewitter mit Starkregen sorgt für Überflutungen in und um Pullach. Bis in die Morgenstunden sind sie dabei, Keller auszupumpen. Zu insgesamt acht Einsätzen werden sie gerufen, bis sie in ihr neues Feuerwehrhaus zurückkehren können.