Kolbermoor – „Meine Mutter hat mir davon erzählt, dass man sich heute sozusagen vor der eigenen Haustür impfen lassen kann, und da dachte ich mir: Also gut, da geh ich dann halt mal hin.“ Der junge Mann, der diese Aussage machte, stand am Freitag mit 109 anderen Kolbermoorern vor dem Mareissaal, in dem an diesem Tag eine Corona-Sonderimpfaktion stattfand. Er belegt, dass die Überlegung der Staatsregierung aufgeht: Eine Impfung so einfach wie möglich zu gestalten, war das Ziel – in der Hoffnung, dass viele von denen, die bislang noch kein Impfangebot wahrgenommen hatten, dies nicht aus irgendeiner grundsätzlichen Skepsis heraus taten.
Vor-Ort-Angebot kommt gut an
Sondern einfach, weil es ihnen zu aufwendig und zu kompliziert erschien, sich bei den „normalen“ Impfzentren mit Registrierung und Terminvereinbarung anzumelden. Deshalb die dringliche Bitte der Staatsregierung an Landkreise und Städte zusätzlich zu den Impfzentren noch „niederschwelligere“ Impfmöglichkeiten anzubieten.
Stadt und Landkreis Rosenheim sind dieser Bitte gefolgt, der Landkreis allein hat in den letzten Wochen sieben Sonderimpfmöglichkeiten angeboten, neben der in Kolbermoor noch Termine in Bruckmühl, Raubling, Prien und Wasserburg, dazu jeweils einen in Prien. Die Gemeinden wurden, so Michael Fischer, der Pressesprecher des Landratsamtes, nach Einwohnerzahl, der Lage im Landkreis und der Erreichbarkeit über den öffentlichen Nahverkehr ausgesucht. Insgesamt 833 Impfungen wurden durchgeführt, davon 110 in Kolbermoor – ein Ergebnis, mit dem der Landkreis zufrieden ist: „Die Impfkapazität von 100 bis 150 Personen, die man pro Aktionstag impfen könnte, wurde damit gut ausgeschöpft“, sagt Michael Fischer.
Eine grundsätzliche Impfbereitschaft sei also durchaus vorhanden, könne man daraus schließen, resümiert Fischer. Nur habe die Impfung für die jetzt erreichte Personengruppe offensichtlich nicht so viel Bedeutung, dass sie den geringen Aufwand, den die Vereinbarung eines Termins im Impfzentrum mit sich brächte, auf sich nimmt.
Dazu passt das Bild, das man beim Kolbermoorer Termin um die Mittagszeit gewinnen konnte: Die sich hier eingefunden hatten, gehörten in der Mehrzahl zu jüngeren Leuten zwischen 20 und etwa 35 Jahren. Eine Altersgruppe, die möglicherweise davon ausgeht, bei einer Infektion nicht von einem schweren Erkrankungsverlauf bedroht zu sein und deshalb einer Impfung nicht die oberste Priorität einräumt. Das zeigen auch die Äußerungen derer, die in Kolbermoor bereit waren, kurz Auskunft zu geben über ihre Motivation, sich impfen zu lassen. Die meisten wollten zwar ihren Namen nicht nennen, gaben aber an, dass sie bezüglich der Impfung schon seit Längerem im Hinterkopf ein Gefühl von „Eigentlich solltest du“ gehabt hätten.
Die Hälfte entscheidet sich für Biontech
Der letzte Impuls habe aber dann doch gefehlt. Den hätte dann dieses einfache „Impfangebot vor Ort“ gebracht, bei dem eine vorherige Registrierung zwar angeraten, aber nicht die notwendige Voraussetzung gewesen sei. Dies oft auch im Verbund mit Hinweisen von Angehörigen oder Freunden, dass man diese einfache Chance doch unbedingt wahrnehmen solle.
Etwa die Hälfte der Geimpften entschied sich für den Impfstoff der Firma Biontech, der anders als der von Johnson und Johnson eine zweite Impfung nötig macht. In den betreffenden Gemeinden wird in einigen Wochen ein zweiter Sonderimpftag angeboten, damit die Zweitimpfungen durchgeführt werden können.