Kolbermoor – Hochwasserschutz ist angesichts der jüngsten Flutkatastrophen wieder in aller Munde. Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim arbeitet aktuell am finalen Bauabschnitt 6 zum Hochwasserschutz in Kolbermoor.
Ende März haben die Arbeiten begonnen. 2019/2020 haben bereits Rodungsarbeiten als vorbereitende Maßnahmen für den Neubau von Hochwasserschutzdeichen stattgefunden. Baurätin Iris Reitinger-Eß stand dem Mangfall-Boten Rede und Antwort zu Baufortschritt, coronabedingte Probleme und Sicherheitsfaktoren.
Wie schätzen Sie die Lage an der Mangfall in Kolbermoor ein?
In Kolbermoor besteht mit Abschluss des Bauabschnittes 6 ein Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser, ein HW 100, der Mangfall. Größere Hochwässer und Starkregenereignisse die Schäden verursachen können jedoch nie ausgeschlossen werden.
Und generell für die Mangfall im Mangfalltal?
Der Linienausbau entlang der Mangfall ist fast fertiggestellt und beim Rückhaltebecken Feldolling schreitet der Bau voran. Das Rückhaltebecken Feldolling schützt die Kommunen entlang der Mangfall vor größeren Hochwässer die durch die Klimaänderung verursacht werden. Das Becken ist damit aktueller und wichtiger denn je.
Seit März laufen die aktuellen Arbeiten in Kolbermoor. Was ist bereits alles geschehen?
Der Bauabschnitt 6 im Bereich Pullacher Au wurde in zwei Abschnitte aufgeteilt. Der erste Abschnitt Deichbau mit Innendichtung entlang der Bebauung zwischen Mangfall und Umgehungsstraße ist fast fertiggestellt. Es wurde ein neuer Deich geschüttet und mit einer Innendichtung (Erdbetonwand) ergänzt. Landseitig wurde die Weiherkette ertüchtigt um im Hochwasserfall den Gererbach, der südlich der Staatsstraße verläuft und dann in den Auwald fließt, umzuleiten, damit kein Rückstau entsteht. Dieses Wasser fließt dann unterhalb des Walzenwehrs in die Mangfall. Die geplante Bauzeit bis November wurde deutlich unterschritten. Der zweite Abschnitt mit einer Spundwand entlang der Umgehungsstraße wird voraussichtlich im Herbst/Winter 2021 begonnen und im Frühsommer 2022 fertiggestellt.
Wie ist der weitere Zeitplan?
Restarbeiten des ersten Abschnittes werden fertiggestellt und der zweite Abschnitt wird ausgeschrieben.
Was wird in den nächsten Abschnitten im Detail alles gemacht?
Spundwand entlang der Staatsstraße und Inbetriebnahme der Mühlbachverlegung.
Kam oder kommt es coronabedingt zu Verspätungen oder Änderungen?
Corona hatte bisher keine Auswirkungen auf die Maßnahme. Bei den nächsten Arbeiten werden aber die Preissteigerungen am Bau bemerkbar werden.
Halten Sich die Bürger an die Absperrungen oder gibt es Probleme?
Die meisten Bürger halten sich an die Absperrungen, aber die Neugier hat sogar manchen Auto- und Radfahrer über den neu geschütteten Deich fahren lassen. Der Deich ist zukünftig nur für Unterhaltungszwecke da und kein Rad- und Fußweg.
Können Sie angesichts der anhaltenden Regenfälle überhaupt weiterarbeiten oder ist der Untergrund zu weich…. Bzw. der Wasserpegel zu hoch oder hat das alles keine Auswirkungen auf die Maßnahme?
Der Regen hat zu einigen Oberbodenausspülungen geführt. Diese werden gerade wieder hergerichtet. Künftig verhindert die Kräuter- und Blumenansaat auf dem Deich solche Schäden.
Normalerweise wird die Gumpe hinter der Brücke gerne für erfrischende Bäder genutzt. Hat die Baustelle hier Auswirkungen?
Die aktuelle Baustelle hat keine Auswirkung auf die Gumpe, da in der Mangfall keine Arbeiten ausgeführt werden.
Interview: Silvia MIschi