Saison ziemlich ins Wasser gefallen

von Redaktion

Monika Bergmann ist die neue Pächterin des Kolbermoorer Freibad-Kiosks

Kolbermoor – „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, sagt Monika Bergmann und kann dabei wirklich sogar noch lachen. Und das, obwohl ihre erste Saison als Pächterin des Kolbermoorer Freibad-Kiosks ziemlich ins Wasser gefallen ist. Auch Bademeister Charlie Meier, der auf zehn Jahre Freibaddienst zurückblicken kann, sagt, dass er kaum einen Sommer und schon gar keinen August erlebt hat, der dermaßen bescheiden war. Achtzigtausend bis neunzigtausend Besucher hat das Bad in schönen Jahren, „in diesem Jahr können wir froh sein, wenn wir die 55000 erreichen“, meint Charlie Meier.

Arbeitsabläufe
müssen sich erst
einspielen

„Ein richtiger Supersommer hätte es für den Anfang ja gar nicht sein müssen“, meint Monika Bergmann, „denn es braucht schon auch Zeit, bis man im Kioskbetrieb Routine hat.“ Sie ist zwar Wirtin aus Leidenschaft, bewirtschaftet mit ihrem Mann Christian schon seit Jahren den Winter über die Deindl-Hütte unterhalb des Heubergs. Aber jeder Betrieb ist anders und die Arbeitsabläufe müssen sich erst einspielen. Nicht zuletzt was den Einkauf und die Vorbereitung angeht: Erst die Praxiserfahrung zeigt, bei welchen Temperaturen und welchen Wettervorhersagen wie viele Leute ins Bad kommen.

Bis jetzt ein
schlechter Sommer

Auch was die Leute mögen, musste Monika Bergmann erst rauskriegen. „Pommes gehen immer, auch Schnitzel-, Räucherlachs- oder Tomate-Mozzarella-Semmeln werden gern genommen“, stellt sie fest. Die frischen Salate, die Monika Bergmann auch anbieten würde, fanden aber zumindest in dieser ersten Saison kaum Nachfrage.

Wie gesagt: Ein Supersommer hätte es für Monika Bergmann nicht unbedingt sein müssen – aber dann gleich so mies? „Die meiste Zeit war es einfach zu kalt fürs Freibad“, meint auch Charlie Meier, „und selbst wenn die Sonne am Morgen schön scheint, lockt das in diesem Jahr nicht gleich Scharen zu uns. Meist droht der Wetterbericht dann für den Nachmittag schwere Gewitter an, weswegen viele Badelustige erst gar nicht kommen“. Die Gewitter haben es dann oft auch wirklich in sich – bei einem der letzten Unwetter fiel dem Sturm eine schöne, ausgewachsene Kastanie zum Opfer. „Eine halbe Stunde Gewitter, einen ganzen Tag Arbeit“, ist der trockene Kommentar von Charlie Meier zu diesem Ereignis. Den Kiosk hat das Unwetter immerhin verschont gelassen, aber der nächste Tag, an dem ausnahmsweise einmal von früh bis spät die Sonne schien, musste das Bad wegen der Aufräumarbeiten geschlossen bleiben.

Immerhin: Im Juni gab es ein paar schöne Tage am Stück. „Da war das Bad auch gut besucht und dann macht das Arbeiten richtig Spaß“, erzählt die Kioskwirtin. Vor allem Kinder kommen dann, sie machen zwei Drittel ihrer Kundschaft aus. Auch deswegen, weil der Kiosk die ideale Gelegenheit ist, die Kleinen einmal selbst einkaufen und aussuchen zu lassen und dabei das Zahlen zu üben. Das Schöne daran: Auch bei einer längeren Schlange maule keiner, wenn so ein kleiner Knirps sich nicht entscheiden könne, was er gerne hätte und die Wahl auch durch die freundlichen Vorschläge von Monika Bergmann nicht einfacher wird. „Die meisten finden das sogar richtig gut, wenn man sich nett um die kleinen Kunden kümmert.“

Allerdings befürchtet sie, dass ihr für den Rest der Ferien genau diese Kundschaft fehlen wird: Wenn jetzt auch im Freibad die Drei-G-Regel greift, man also geimpft, genesen oder getestet sein muss, fallen die Kinder wohl weg, meint sie. Denn die Eltern sind meist geimpft, aber damit auch die Kinder ins Freibad dürften, müssten die ab einem Alter von sechs Jahren getestet sein. Und bei dem dafür nötigen Aufwand geht man wohl lieber an irgendein freies Gewässer, sollte das Wetter es denn zulassen. Eine Entwicklung, die Charlie Meier nicht wirklich toll findet. Immer mehr Kinder können einfach noch nicht richtig oder gleich gar nicht schwimmen und Corona hat das nicht besser gemacht, weiß er aus Erfahrung.

Ziel: Kurse
wieder anbieten

„Hier im Freibad gibt es bei Notfällen uns Bademeister, aber an vielen freien Gewässern gibt es niemand.“ Um dem „Schwimmnotstand“ abzuhelfen, wollte er eigentlich auch diesen Sommer wieder Schwimmkurse anbieten. Das war aber nicht möglich, sagt er, „bei 20 Grad Lufttemperatur und trübem Wetter geht mir kein Kind freiwillig ins Wasser“.

Morgenrunden
bei jedem Wetter

Wer auch bei solchen Temperaturen zum Schwimmen kommt, sind die Morgenschwimmer, eine Gruppe von meist schon etwas älteren Frauen und Männern, die wirklich kein Wetter von ihren Morgenrunden abhalten kann. Und die sind es auch, weswegen Monika Bergmann selbst bei Wetterlagen, von denen sie weiß, dass sie sonst wohl nur ganz wenig Kundschaft haben wird, zumindest in der Früh ihren Kiosk öffnet: „Fünf oder sechs von ihnen sind auch bei mir so etwas wie Stammkunden geworden, die schauen nach dem Schwimmen immer auf einen Kaffee oder eine belegte Semmel vorbei. Die kann und will ich einfach nicht enttäuschen.“

Keine „3G-Regel“ im Freibad

Am Freitag war die Inzidenz im Landkreis Rosenheim zum dritten Mal in Folge über 50. Damit traten zwangsläufig einige Regularien aus der 13. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung in Kraft.

Dazu gehört auch die Anwendung der „Drei-G-Regel“ für Freibäder ab Sonntag.

So hatte die Stadt Kolbermoor das auch umgehend kommuniziert.

Am späteren Freitag änderte die Staatsregierung dann in der Verordnung den dementsprechenden Passus, allerdings ohne die Kommunen zeitgleich davon in Kenntnis zu setzen, dass ab sofort die „Drei-G-Regel“ für Schwimmbäder nicht greift.

„Es ist zwar prinzipiell eine durch und durch vernünftige Entscheidung“, so Christian Poitsch vom Stadtmarketing Kolbermoor, „die wir begrüßen. Aber im zeitlichen Ablauf und der Kommunikation eine Frechheit. Wir machen uns als Kommune vor Ort ja lächerlich bei den Bürgern.

Hier wird seitens der Staatsregierung unprofessionell gearbeitet.“ Im Kolbermoorer Freibad gelten nun die Corona-Regeln wie bisher: Abstand im Eingangsbereich 1,50 Meter und Kontaktdatenerfassung über Formular.

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