Die Heinzelmännchen der Stadt

von Redaktion

Bauhof Kolbermoor Unzählige Arbeiten halten die 60-köpfige Mannschaft auf Trab

Kolbermoor – „Ja so was! Des hamma gar net gwusst, dass Ihr des a no machts.“ Den Satz hört Bauhofleiter Michael Glas oft, nämlich immer dann, wenn er erklärt, was zum Aufgabengebiet des Bauhofs gehört. Und das ist verständlich, denn es gibt wenig im öffentlichen Leben Kolbermoors, an dem der Bauhof nicht in irgendeiner Weise beteiligt wäre.

Derzeit sind es vor allem Gullys und Bäume, die die insgesamt 60-köpfige Mannschaft beschäftigen, wie Glas erklärt. Schuld daran ist der Sommer, bei dem gefühlt keine Woche ohne einen Gewittersturm vergeht. Stürme, so kräftig, dass fast nach jedem Unwetter Äste auf der Straße liegen. Dass die beseitigt werden müssen, ist klar, und dass das der Bauhof macht, auch.

Truppe betreut
etwa 4000 Bäume

Kaum einer weiß aber, dass danach jeder Baum, der einen Ast verloren hat, einer intensiven Baumschau unterzogen wird und die in der Umgebung stehen, gleich mit. Bei rund 4000 Bäumen auf öffentlichem Grund kann man allein damit gut beschäftigt sein.

Doch die jetzigen Stürme bringen auch Wassermassen mit sich, die man so bislang selten gekannt hat und die finden nicht immer den Weg in die Kanalisation. Dann wird der Bauhof zum Detektivbüro.

Am Beispiel der neuen Tonwerksunterführung lässt sich das gut erklären: Die Tonwerksunterführung ist weit und breit der tiefste Punkt. Was sich dort gesammelt hat, lässt sich nur mithilfe der dort verbauten Pumpen ins Kanalnetz bringen. Beim Sturm am Tag vor der Einweihung aber waren die nicht mehr in der Lage, die Wassermassen dieses Jahrhundertregens zu beseitigen – die Unterführung lief voll.

Wasser fließt in
einen Sickergraben

„Die Frage war also, von wo kommt das Wasser und kann man es dort frühzeitig ableiten“, erklärt Michael Glas. „Und es hat sich unter anderem herausgestellt, dass ganze Fluten vom Spielplatz an der Bergstraße in Richtung Unterführung schossen.“ Dort hat der Bauhof Abhilfe schaffen können, indem man die Neigung des Wegs zum Spielplatz so verändert hat, dass das Wasser nicht mehr auf die Bergstraße, sondern in einen Sickergraben fließt.

Das Problem dabei: Oft zeigen sich die Wege, die das Wasser nehmen wird, erst dann, wenn es wirklich extrem regnet. Hilfreich können da Videoaufnahmen von Privatleuten sein: „Wenn jemand sieht, dass in seiner Nachbarschaft das Wasser anfängt, über die Straße zu schießen, sollte er das filmen und möglichst die Bereiche, von denen das Wasser auf die Straße fließt. Das hilft uns ungemein.“

Dankbar wäre er auch, wenn die Anwohner den Fangkorb des einen oder anderen Gullys selbst entleeren würden. „Das hilft uns sehr, denn wir sind nach den Stürmen ja schon mit allen Wassergräben beschäftigt, die es im Stadtgebiet von Kolbermoor gibt.“ Die summieren sich auf eine Länge von 18 Kilometern und hier sind die Problemstellen immer dort, wo der offene Graben in eine Verrohrung übergeht. Die sind durch Gitter geschützt, die sich aber bei den heftigen Gewittern, mit denen wir dieses Jahr zu tun haben, oft zusetzen und gereinigt werden müssen.

Wenn der Bauhof dort unterwegs ist, wie auch in den 17 Grünanlagen der Stadt oder auf den fünf Fußballfeldern, ist er als solcher erkenntlich. Und im Winter, wenn das Straßennetz von insgesamt 75 Kilometern ab 3 Uhr morgens geräumt und gestreut werden muss, sowieso.

Andere Bauhofmitarbeiter dagegen sind auf den ersten Blick nicht zu identifizieren. Zum Beispiel die 17 Frauen, die zum Reinigungspersonal gehören. In Kolbermoor werden alle öffentlichen Einrichtungen – vom Rathaus bis zu den Toiletten am Friedhof – durch eigenes Personal in Schuss gehalten. „Das ist unserer ganzen Erfahrung nach nicht teurer, als wenn wir diese Aufgabe an irgendwelche Firmen vergeben hätten, aber wir haben Arbeitsablauf und Ergebnis in unserer eigenen Hand“, so Glas.

Zuständig auch für
Gebäudeunterhalt

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt bleibt auch die Abteilung Gebäudeunterhalt: 70 Gebäude gehören der Stadt – die Schulen zum Beispiel, die Feuerwehr, der Mareis-Saal – davon 40 Wohnhäuser mit 350 Wohnungen. Wenn in all diesen Gebäuden irgendetwas defekt ist – von der Beleuchtung im Treppenhaus bis zur Heizung – der Bauhof kümmert sich darum und hält natürlich auch die mit den Häusern verbundenen Grünanlagen in Schuss.

Ausschnitt aus
der Themenvielfalt

Das alles ist aber nur ein Ausschnitt aus den Bauhofaufgaben. Wer selbst einmal sehen möchte, was der Bauhof tatsächlich alles macht – am Freitag, 8. Oktober, gibt’s voraussichtlich wieder die Gelegenheit dazu: Dann wird über die Volkshochschule Kolbermoor ein „Tag der offenen Tür“ angeboten. Übrigens: auch die Verteilung der VHS-Prospekte, die demnächst wieder in Geschäften oder Arztpraxen ausliegen werden, übernimmt zum Großteil der Bauhof.

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