Kolbermoor – Angehörigen von Demenzkranken unter die Arme greifen, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen: Das hat sich der Verein „Nachbarschaftshilfe Kolbermoor“ im Jahr 2009 auf die Fahne geschrieben – jetzt pünktlich zum Welt-Alzheimertag am heutigen Dienstag zieht Gabriele Endter Bilanz.
„Damals waren wir die einzige Anlaufstelle in der Stadt und der nahen Umgebung“, sagt Endter, die das Angebot vor zwölf Jahren ins Leben gerufen hat. Seither hat Endter, die die Demenz-Leitung beim Verein inne hat und zum Vorstand gehört, „hunderten Angehörigen geholfen“.
Stadt ist
demenzfreundlich
Angefangen habe alles ganz klein. Mit der Zeit konnte der Verein auch die Stadt von der „Wichtigkeit seiner Arbeit überzeugen“ und so wurde Kolbermoor 2013 eine „Demenzfreundliche Kommune“, so Endter rückblickend. Der Stadtrat hat das damalige Vorhaben des Vereins unterstützt und beispielsweise ermöglicht, dass spezielle Vorträge im Rathaus stattfinden konnten. Obendrein brachte der Verein Vorträge für Polizisten, Apotheker, Ärzte und Verkäufer auf den Weg, um sie für den Umgang mit Demenzkranken zu sensibilisieren. „Das wurde damals sehr gut angenommen“, erinnert sich Endter.
Vorträge seien das eine, Hilfsangebote und Beratungen das andere, so Endter. Ruft ein Angehöriger beim Verein an und berichtet über einen Krankheitsfall innerhalb der Familie, vereinbart Endter einen Gesprächstermin. „Zunächst müssen die Angehörigen erstmals die Nachricht der Diagnose verdauen“, sagt sie. Dabei fließen meist viele Tränen.
Endter kann sich genau an eine Frau erinnern, die 2019 zu ihr kam und vermutete, dass ihr Mann an Alzheimer leide. Endter pflichtete ihr aufgrund der Erzählungen bei. „Kürzlich kam sie und erzählte wie es jetzt um ihn steht“, sagt Endter.
Einfach zuhören, aber auch über den etwaigen Krankheitsverlauf informieren, hat sich Endter auf die Fahnen geschrieben. Als nächster Schritt folgt der „runde Tisch“. Bei diesem Angebot der Nachbarschaftshilfe kommen Angehörige und auch Fachpersonal zusammen und beraten gemeinsam, was jetzt zu tun ist.
Diese Rundum-Beratungen haben auch während der Corona-Zeit stattgefunden. Im Gegensatz zu den Vorträgen und speziellen Nachmittagen, an denen die Demenzkranken zwei bis drei Stunden betreut werden, sodass der pflegende Angehörige mal zum Friseur kann oder auch mal Freunde zu treffen so Endter. „Dieses Angebot nehmen viele Angehörige einmal in der Woche wahr, dann kommen sie einfach mal raus, können mal abschalten“, so Endter und das wird auch seitens der Kasse bezahlt, erklärt sie.
Und sobald der Verein von den Räumlichkeiten an der Rosenheimer Straße in die neuen Räume in der ehemaligen St.-Anna-Apotheke gezogen ist, sollen sie auch ausgebaut werden. „Da haben wir ja viel mehr Platz“, sagt Endter. Vonstattengehen soll der Umzug Anfang 2022.