Immer mehr Herausforderungen

von Redaktion

125 Jahre Feuerwehr Kolbermoor – So hat sich die Ausbildung entwickelt

Kolbermoor – Die Feuerwehr Kolbermoor feiert heuer ihr 125-jähriges Bestehen (wir berichteten). Zum Abschluss unserer mehrteiligen Berichterstattung geht es um die Ausbildung der Floriansjünger. „Die Grundsätze und Ziele in der Ausbildung haben sich kaum verändert. Die Ausbildung soll damals wie heute praxisorientiert auf die Einsätze vorbereiten“, sagt Kommandant Franz Wudy zum Mangfall-Boten.

Inhaltlich passe sich die Ausbildung natürlich an die neuen technischen Herausforderungen und auch an die moderne Ausrüstung der Feuerwehr an. Sie werde zudem immer umfangreicher, weil auch die Technik komplexer werde. „Unsere Ausbilder werden in einem einwöchigen Lehrgang ,Ausbilder in der Feuerwehr‘ auf ihre Aufgaben vorbereitet. Deshalb ist die heutige Ausbildung stärker von pädagogischen Methoden geprägt als früher“, schildert Wudy.

Elektroautos
schwer zu löschen

Anspruchsvolle Aufgaben durch neue Technik sind auch im Feuerwehreinsatz zu bewältigen. Die Führungskräfte sind dabei mehr gefordert, um die taktisch richtige Entscheidung zu treffen und die Einsatzkräfte nicht zu gefährden. Zu jeder Technik gibt es ausführliche Hinweise und Unterlagen der Feuerwehrschulen, die im Einsatz beachtet werden müssen.

Bei den aktuellen Einsätzen bilden bei den E-Fahrzeugen die Batterien eine Herausforderung, wenn ein Fahrzeug in Brand gerät. Sie können nur mit viel und langer Wasserbeaufschlagung gelöscht werden. Auch besteht die Möglichkeit, dass sich nicht vollständig ausgebrannte Batterien später wieder entzünden. Dies sei aber ein Thema, das der Halter des Fahrzeugs beziehungsweise das Abschleppunternehmen berücksichtigen müssen.

Erhöhte Vorsicht erfordern auch Airbags, wenn sie nicht ausgelöst haben. „Der Airbag am Lenkrad kann gesichert werden, alle anderen nicht. Ist das Zerschneiden des Fahrzeugs erforderlich, ist es gut, wenn die Lage der Airbags erkundet werden kann“, erläutert Wudy.

Für die Feuerwehr ist es hilfreich, wenn im Fahrzeug eine Rettungskarte – beispielsweise unter der Sonnenblende – hinterlegt ist. Auf dieser Zeichnung können die Einsatzkräfte alle relevanten Informationen ablesen, welche die Rettung der Insassen beschleunigt und das Risiko für die Einsatzkräfte minimiert. Auch die Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst kann anhand des Autokennzeichens Informationen dazu liefern. Mittlerweile gibt es auch verschiedene Apps, mit denen Rettungskarten vor Ort abrufbar sind. Als weiteren Themenschwerpunkt nennt der Kommandant die PV- und Solaranlagen auf den Dächern. „Sie sind im Brandfall extrem hinderlich“, stellt er fest. Von außen könne ein Dachstuhlbrand kaum gelöscht werden. Ganz besonders gefährlich wird es, wenn die Halterungen der Anlagen versagen und die Paneele über das Dach abrutschen. „Unsere Kräfte werden darauf geschult, bei solchen Anlagen den sogenannten „Trümmerschatten“ genauestens zu beachten, also den Bereich zu meiden, in dem die Einsatzkräfte einer Gefahr durch abstürzende Teile ausgesetzt sind. Und sie müssen beachten, dass Kabel der Solaranlage auch nachts unter Strom stehen können, wenn beispielsweise die Einsatzstelle mit Scheinwerfern ausgeleuchtet wird“, betont er. Noch keine Einsatzerfahrung hat die Kolbermoorer Wehr mit Wasserstoff-betriebenen Fahrzeugen. „Diese sind noch Exoten. Bisher trafen wir auf keines dieser Fahrzeuge“, berichtet Wudy. Da brennender Wasserstoff bei Sonnenschein nicht sichtbar sei, müsse vorher mit der Wärmebildkamera erkundet werden. Fahrzeuge mit Erd- oder Flüssiggas seien hingegen schon deutlich häufiger anzutreffen. Falls nur das Gas brennt, wird es sinnvollerweise nicht gelöscht, um keine unkontrollierte Gasausbreitung zu erzeugen. Es wird nur die Umgebung geschützt.

Im Alarmfall muss
Einsatz gelingen

„Viele werden auch überrascht sein, wie gefährlich für die Einsatzkräfte moderne Fahrzeuge mit Kohlefaserverbundstoffen im Brandfall werden“, so Wudy. Verschiedenste Karosserieteile würden damit bereits hergestellt. Im Prinzip müsse man ein brennendes Fahrzeug mit diesen Teilen wie einen Gefahrgutunfall behandeln.

„Mit meiner Aufzählung konnte ich nur einen Teil der vielfältigen technischen Herausforderungen kurz anreißen – Biogasanlagen, Chemieunfälle, radioaktive Strahlung und einiges andere wären noch zu ergänzen“, stellt er fest. Und führt abschließend aus: „Gott sei Dank kommen dort Unfälle nur äußerst selten vor. Allerdings ist dazu die Ausbildung umso wichtiger, da kaum praktische Erfahrung bei den Einsatzkräften vorhanden ist und im Alarmfall trotzdem der Einsatz gelingen muss.“

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