Kolbermoor – Der Quest Dance Club ist ein gemeinnütziger Verein für Tanzbegeisterte. Ende Juli war die Eröffnungsfeier in den neuen Räumen in der Rosenheimer Straße 60c in Kolbermoor. Seitdem haben sich die Mitglieder gut eingelebt. Ein Besuch bei den leidenschaftlichen Tänzern.
Aus den Lautsprechern tönen sanfte Salsa-Klänge. Untermalt von Trompeten, Bongos und Gitarren singt der Künstler El Tita Salsa Urbana „De Que Me Vale“. Übersetzt heißt das „Was nutzt es mir“. „Das ist ein langsamer Einsteigersong fürs Herz“, sagt Salsa-Trainer Nico Huber. Also perfekt geeignet für das erste Training nach den Ferien.
Wer schon einmal in Lateinamerika war, fühlt sich zurückversetzt in eine der traditionellen Salsa-Bars. Dort ist die Stimmung stets aufgeheizt. Nicht nur wegen der hohen Temperaturen, sondern wegen der Salsa. Sie ist wohl einer der erotischsten Tänze. Die Männer halten ihre Begleiterinnen fest im Arm, führen und drehen sie, ihre weiten Röcke schwingen umher. Linker Fuß vorwärts, rechter Fuß am Platz, linken Fuß zurückschließen.
Salsa ist eine
„eigene Sprache“
Diese Schritte üben auch die Mitglieder des Quest Dance Clubs. Christine und Christian Burmer tanzen seit fünf Jahren Salsa. Was ihnen daran am besten gefällt? „Die Musik, die Bewegung und das Soziale“, sagt Christine Burmer. Es sei zwar Sport, mache aber unglaublich Spaß.
Vorstandsmitglied Anita Windsberger sieht in der Salsa eine Reise und „eigene Sprache“. Weil sich die Tänzer ohne Worte verstehen können. „Salsa ist inspirierend, fast wie ein Kunstwerk und pure Lebensfreude“, ergänzt Vorstandsmitglied Birgit Blunser. Beim Tanzen könne sie eins werden mit der Musik. Es sei eine gute Gelegenheit für Singles, um Kontakte zu knüpfen. Tanzen sei auch optimal für Paare, um den Kopf von Alltagsproblemen frei zu kriegen. Das ist für viele „sehr heilsam“. Sie kenne auch Frauen in Führungspositionen, die es genießen, den Mann führen zu lassen und ihre weibliche Seite auszuleben.
„Es ist schade, dass viele Herren Hemmungen haben“, sagt Windsberger. Sie hätten unbegründete Versagensängste. Dabei seien die Trainer verantwortlich, ihnen das Tanzen beizubringen. Sie selbst habe ihren Mann 20 Jahre lang „bekniet“, bis er sich überreden ließ. „Jetzt ist er ein begnadeter Tänzer“, sagt Blunser. Frauen hätten sehr viel Hochachtung davor, wenn jemand gut tanzen kann.
Doch freiwillig beginnen die wenigsten Männer. „Viele kommen wegen einer verlorenen Wette, als Weihnachtsgeschenk oder Gutschein“, erzählt Übungsleiter Nico Huber lachend. Er ist seit 15 Jahren „Salsa-Instructor“ und sagt, es gibt nur einen Nachteil, wenn man einsteigt: „Es macht süchtig.“ Um die Zeit nur noch mit Tanzen zu verbringen, sind die neuen Clubräume bestens geeignet. „Es ist perfekt“, sagt Windsberger. Die Raumhöhe und -größe seien optimal. Sie seien jedoch auf der Suche nach jemandem, mit dem sie sich die Miete teilen können. Yogalehrer oder Physiotherapeuten, die tagsüber arbeiten. Denn der Schritt war ein finanzielles Risiko. Trotzdem sagt Blunser: „Es war wichtig, dass wir eine Heimat gefunden haben.“ Zuvor waren sie „obdachlos“, sind in Turnhallen oder im Quest Club untergekommen. Zum Dank benannte sich der Verein entsprechend. Doch die rund 160 Mitglieder wollten ein eigenes Heim. Das ist gelungen. 260 Quadratmeter haben die Räume, 150 davon fasst das Tanzparkett. Der Rest sind die Toiletten, eine kleine Küche und das Lager.
Ihr ganzer Stolz ist der 15 Zentimeter dicke Doppelschwingboden aus Holz. Er gibt nach, ist gut für Knie und Gelenke. „Das ist High End, was Besseres gibt es nicht“, sagt Windsberger. Allein das Material hat 15000 Euro gekostet. Die Mitglieder haben ihn und alles andere in Eigenregie aufgebaut. Hinzukommen sollen noch eine Akustikwand gegen den Hall, ein großer Spiegel und eine kleine Bar.
Mitglieder aus
der ganzen Region
Die Mitglieder des Tanzclubs wohnen nicht nur in Kolbermoor. Sogar aus Kufstein, Holzkirchen, Miesbach und vom Chiemsee kommen sie angefahren. Die meisten tanzen entweder Salsa oder Boogie Woogie. Eine kleine Gruppe von zwölf Leuten tanzt beides. Tango startet im Oktober.
Das jüngste Mitglied ist 16 Jahre alt, der älteste Tänzer 85. „Wir brauchen mehr junge Leute, die den Verein weiterführen“, sagt Blunser. Zwar biete der Verein auch Kurse an der Hochschule in Rosenheim, jedoch sei es schwer, die Studenten zu halten. Nach dem Abschluss ziehen sie meistens wieder zurück in ihre Heimat. Viele seien auch zu schüchtern. Trainer Nico Huber hat einen Tipp: „Einfach anfangen!“ Es brauche nicht viel, nur Schuhe, einen Tanzpartner und eine Gelegenheit. Alles andere komme mit der Zeit. Und Tänzer sollten Schritt für Schritt lernen. Es sei nicht sinnvoll, ein Repertoire von 100 Figuren zu kennen und 99 davon nicht richtig. Lieber einige wenige lernen, gut üben und darauf aufbauen.