Jugend wählt grüne Themen

von Redaktion

32 Kolbermoorer geben bei U18-Wahl allein im Jugendtreff ihre Stimme ab

Kolbermoor – „Die Jugendlichen in Kolbermoor wählten nicht unbedingt die Grüne Partei, aber sie wählten auf jeden Fall das, was man oft als grüne Themen bezeichnet.“ So beurteilt Max Mank, Jugendsozialarbeiter im Jugendtreff Kolbermoor, das Ergebnis der U18-Wahl. Bundesweit waren Jugendliche vom Bundesjugendring zu dieser Jugendwahl aufgerufen worden, fast 700 Wahllokale gab es in Bayern, der Jugendtreff Kolbermoor war eines davon.

Toleranz ist ein
wichtiges Thema

„Klimaschutz, die Bewahrung der Umwelt – das ist den Jugendlichen besonders wichtig, aber auch Gleichberechtigung und ganz allgemein Toleranz stehen weit oben“, meint Max Mank, der viele Jugendliche bei ihrer Entscheidungsfindung am sogenannten Wahl-O-Maten, einem Instrument der Bundeszentrale für politische Bildung, direkt begleitet hat.

Auch von daher weiß er, von welchen Themen und Argumenten sich die jungen Leute angesprochen fühlen.

Das schlussendliche Kreuz bei einer Partei wird, so vermutet er jedoch, bei vielen Jugendlichen dann aber auch von ihrem familiären Umfeld bestimmt, was nicht im Widerspruch zu der Wichtigkeit der sogenannten „grünen Themen“ stehe, denn Klima- und Umweltschutz sind mittlerweile Bestandteile der Wahlprogramme fast aller Parteien. Die Prägung durch das Elternhaus erklärt für Max Mank auch, warum sich zwischen dem Wahlergebnis der jungen Leute und den aktuellen Umfragen unter den tatsächlichen Wählern doch viele Parallelen auftun. „Man darf nicht vergessen, dass die jungen ,Wähler‘ zumindest hier in Kolbermoor in einem Alter sind, wo die Meinungen des Elternhauses noch häufig als normal und gültig akzeptiert werden. Ein stärkeres Hinterfragen, eine Beurteilung aufgrund von eigenen Überzeugungen kommt oft erst etwas später, im Alter von fünfzehn bis siebzehn.“ Trotzdem hält er es für ungeheuer wichtig, dass auch Jüngere schon Gelegenheit zu dieser Probewahl haben: Die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Themen und das Verstehenlernen, worum es dabei eigentlich geht, könne nicht früh genug beginnen, meint er.

„Nur wenn die Jugendlichen gelernt haben, dass man tatsächlich alles, was einem an Thesen und Meinungen vorgesetzt wird, hinterfragen muss, so lange bis man wirklich glaubt, es verstanden zu haben, sind später mündige Wahlentscheidungen möglich.“ Der Wahlablauf im Jugendtreff Kolbermoor bestätigt dies. Saßen die Jugendlichen allein vor dem Wahl-O-Maten, klickten sie sich oft zügig durch die einzelnen Punkte. Saß aber Max Mank in der Nähe, mit dem ausdrücklichen Angebot, bei allen Unsicherheiten erklärend zu helfen, gab es oft Nachfragen. „Was ist mit Nordstream genau gemeint“, fragt zum Beispiel die elfjährige Veronika, die ansonsten zu vielen Fragen eine überraschend klare Vorstellung hat. Eine Frauenquote etwa findet sie schlecht, Gleichberechtigung, so meint sie, sollte selbstverständlich, nicht verordnet sein. Nun könnte man einwenden, dass es für einen Jugendlichen nicht entscheidend ist, wenn er weiß, worin der eigentliche Konflikt bei der Gaspipeline Nordstream besteht. Max Mank aber ist anderer Meinung: „Es sind Themen, die in der Öffentlichkeit behandelt werden, und nur wer schon als Jugendlicher zumindest im Grundsatz weiß, wovon da die Rede ist, und wie es sein eigenes zukünftiges Leben betreffen könnte, wird nicht das Gefühl bekommen, dass ,die da oben‘ komplett an ihm vorbeireden.“ Genau dieser Eindruck aber schaffe Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit. Zumindest im Groben Bescheid zu wissen, gebe jedoch das Bewusstsein, durch seine Wahl auch tatsächlich mitentscheiden zu können.

Mit den in Kolbermoor abgegebenen 32 Stimmen ist Max Mank durchaus zufrieden. Man dürfe nicht vergessen, dass der Jugendtreff erst eine Woche vor der Wahl wieder öffnete, die mögliche Vorbereitungs- und Werbephase hier wie an der Pauline-Thoma-Schule also minimal war.

Interesse an
Politik wachhalten

Um so erfreulicher sei es, dass einige nur zum Wählen in den Jugendtreff gekommen waren, also aus eigenem und selbstständigem Antrieb. „Das Interesse auch sehr junger Menschen am politischen Geschehen ist durchaus da“, weiß Max Mank und betont: „Man muss es nur wachhalten und fördern.“

Das Ergebnis

So wählten die Kolbermoorer Jugendlichen (Prozentzahlen gerundet):

• CSU 43,8 Prozent

• SPD und FDP jeweils 12,5 Prozent

• Die Grünen und die Tierschutzpartei jeweils 9,4 Prozent

• Die Basis 6,2 Prozent

• Der Dritte Weg und die Linke jeweils 3,2 Prozent

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