Kolbermoor – Der Faschingsverein Mangfalltal hatte alles vorbereitet für den lange ersehnten Saisonbeginn am 11.11. An diesem Tag sollte das Kinder- und Erwachsenenprinzenpaar vorgestellt werden. Nun musste der Vorstand die Veranstaltung eine Woche vorher absagen.
„Das ist wirklich zum Weinen“, sagt Vereinspräsident Manuel Eckert. Seit April trainieren die Mitglieder mehrmals pro Woche, die Trainerinnen arbeiten an der Choreografie und Musik, die Schneiderin an den Kostümen. Nun kann die Veranstaltung im Kolbermoorer Mareissaal nicht stattfinden. Denn statt 3G-plus gilt nun 2G. Nur Geimpfte und Genesene dürften teilnehmen. Das gilt auch für die Gardemitglieder. „Entweder wir treten alle auf oder keiner“, sagt Eckert. Denn die Kinder im Verein sind bisher nicht geimpft und dürften nicht mittanzen. Doch die Garde will nur geschlossen auftreten. Es ist schon das zweite Jahr ohne Auftakt.
„Das tut im
Herzen weh“
Im Februar 2020 hatte die Faschingsgilde noch einen normalen Kehraus: Das Prinzenpaar wurde beerdigt, die Amtszeit war beendet. Unmittelbar danach nahm die Corona-Pandemie an Fahrt auf. „Es hat ja niemand wissen können, dass das so ein Ausmaß annimmt“, sagt Eckert. Mitte Juni hat das Training dann aber wieder angefangen – mit Maske und Abstand. Nur 45 Minuten durften die Gruppen gemeinsam trainieren. Dann mussten sie 15 Minuten lüften.
Dennoch war die Truppe optimistisch. Hauptsache es ging wieder los. Mit Maske zu tanzen, sei jedoch schwierig gewesen. „Man nimmt das in Kauf, wegen der Begeisterung fürs Tanzen“, sagt Eckert. Doch Anfang Oktober kam dann der große Stopp. Die Vorstandschaft des Faschingsvereins musste die komplette Saison absagen. „Das tut im Herzen weh“, sagt Eckert. Jedes Gardemitglied habe einen riesen Spaß am Tanzen und sei enttäuscht gewesen, dass die Saison ins Wasser fiel. „Natürlich war das sehr schade, wir arbeiten das ganze Jahr darauf hin“, bestätigt Kristina Schmidmaier. Die 28-Jährige ist seit fünf Jahren in der Garde und seit einem Jahr Trainerin. Die Garde ist „etwas ganz Besonderes“ für sie. Der Zusammenhalt in der Gruppe sei groß, und der Fasching immer „a Gaudi“. Weil er vergangenes Jahr ausfiel, sind die Mitglieder begeistert, dass sie nun wieder trainieren können. „Die Freude ist riesig, wir dürfen uns wieder sehen und unserem Hobby nachgehen“, sagt Eckert. Dass sie den Fasching am 11.11. nicht einläuten können, wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Beim Training müssten die Tänzer keine Masken mehr tragen, die 3G-Regeln müssen sie aber beachten. Die Nachweise werden auch kontrolliert. In der Gruppe der Erwachsenen seien alle bis auf zwei geimpft. Bei den Jugendlichen hatten nur zwei die Corona-Impfung. Deshalb habe der Verein vorsorglich Tests gekauft. „Das investieren wir gern, weil es die einzige Möglichkeit ist, zu tanzen“, sagt Eckert.
Bei den Erwachsenen trainiert die Showtanzgruppe zweimal die Woche. Die Frauen üben den Gardetanz an einem zusätzlichen Tag. Von Mitte April bis Anfang Mai dauerten die Probetrainings. In diesen zwei Wochen wurde entschieden, wer es in die Garde schafft. Und die Plätze sind beliebt. Vor allem bei den Kinder- und Jugendgruppen müsse der Verein immer wieder Anwärter ablehnen. In jeder Sparte gibt es nur rund 20 Plätze. Bis zu 50 Tänzer bewerben sich darauf. „Das spricht für uns und unseren Ruf“, sagt Eckert. Bei den Erwachsenen sei es schwieriger, Mitglieder zu gewinnen und für die Garde zu begeistern – besonders im „Burschensektor“.
Viele Männer würden sich etwas anderes vorstellen und glauben, dass sie im Tutu tanzen müssen. Das ist nicht der Fall. Es sei aber körperlich anstrengend, gerade die Hebefiguren, obwohl die Gardemädchen leicht seien. Aktuell sind fünf Tänzer dabei.
Die Choreografie entwerfen die drei Trainerinnen. Sie treffen sich rund zehn- mal im Jahr und gestalten das Programm gemeinsam. Die wichtigste Frage ist dabei: „Was passt zum Thema und zur Musik?“ Zur Auswahl stehen Partnerhebefiguren, Gruppenhebefiguren, Pyramiden oder Wurffiguren. Ob sie schon verraten kann, wie die Choreografie aussieht? „Passend zur Musik, mehr kann ich nicht sagen“, so Schmidmaier. Das sei geheim bis zum Krönungsball.
„Aufgeschoben,
nicht aufgehoben“
Jede Saison gibt es ein neues Thema, neue Kostüme, eine neue Choreografie und neue Musik. „Besonders ist es jedes Jahr“, sagt Eckert. Details dieser Saison könne auch er nicht verraten – es herrscht „strengste Geheimhaltung“. Das Wichtigste sei, dass es wieder einen Fasching gibt.
Denn die Hoffnung hat der Verein noch nicht aufgegeben – ganz nach dem Motto „aufgeschoben, nicht aufgehoben“. Der Faschingspräsident hofft auf den Krönungsball am 8. Januar, bei dem die Prinzenpaare ins Amt gesetzt werden. „Wir sind eigentlich startklar. Sobald es möglich ist, legen wir los.“