Letzte Ruhe inmitten von Rosen

von Redaktion

Kolbermoorer Stadtrat befürwortet Entwürfe des Friedhofs-Kompetenz-Zentrums

Kolbermoor – Die Friedhöfe auch an die Lebenden anzupassen – darum ging es auf der jüngsten Kolbermoorer Stadtratssitzung. Denn die Beerdigungskultur verändert sich. Grabstellen für Urnen werden immer mehr nachgefragt, nicht zuletzt, weil immer mehr Angehörige nicht die Zeit oder die Möglichkeit haben, ein Erdgrab zu betreuen. Daher wünschen viele Hinterbliebene Grabstellen ohne Pflegeaufwand.

Friedhofssatzung
wird neu erarbeitet

Um den Bedürfnissen gerecht zu werden, ist die Stadt seit Längerem mit Michael Hartl vom Rosenheimer Friedhofs-Kompetenz-entrum im Gespräch, um auszuloten, wie der alte und der neue Kolbermoorer Friedhof gestaltet werden sollen. Die Zeit dafür ist günstig, denn es steht eine neue Friedhofssatzung an, in die die neuen Möglichkeiten gleich eingebunden sein und auch die Gebühren entsprechend angepasst werden sollen. Auf der letzten Stadtratssitzung stellte Michael Hartl nun eine Entwurfsplanung für die weitere Friedhofsgestaltung vor.

Entwurf für
künftige Gestaltung

Kern dabei ist, dass im Feld D und C des neuen Friedhofs die Bestattung der Urnen um Bäume herum stattfinden soll. Pro Baum sollen 20 Urnen Platz finden. Die Namen derer, die dort ihre Ruhe gefunden haben, finden sich an einer Holzstele, die auf jeder ihrer vier Seiten für fünf Namensschilder Platz bietet. Diese Schilder können als Bronzetafeln oder aus gelasertem Aluminium sein, ihre Größe von 15 mal 15 Zentimetern bietet genügend Platz für eine individuelle Beschriftung.

Das bislang noch nicht genützte Feld K könnte, so Michael Hartl, einer weiteren Bestattungsalternative vorbehalten bleiben – beispielsweise der Bestattung in einem Rosengarten, eine Bestattungsform, die im Gedenkwald Au großen Zuspruch gefunden hat: Die entsprechenden Grabstätten seien dort bereits alle vergeben. Hier finden sich die Namen der dort Bestatteten auf einzelnen Tafeln, alternativ auch hier auf Stelen, die dann ihrerseits von Rosen umrankt sein könnten. Große Beachtung findet bei der Gesamtgestaltung die Aufenthaltsqualität, mit Bänken, auf denen man sitzen und ausruhen kann, die Grabbereiche erschlossen von Schotterrasenwegen, die sich ins Grün einfügen und doch als Weg erkennbar sind.

Auf dem alten Friedhof werden für die Urnenbestattung aufgelassene Familiengräber genutzt. Jeweils acht Urnen fänden in einem solchen Grab Platz. Auf einem speziell gestalteten Grabstein könnten dann individuell gestaltete Tafeln die Erinnerung an die hier Bestatteten ermöglichen.

Das Konzept fand bei den Stadtratsmitgliedern einhellig großen Anklang. Leonhard Sedlbauer (CSU) etwa betonte, dass er dieses Konzept auch deshalb so überzeugend fände, weil das Priestergrab des Ehrenbürgers Eugen Klaas, das sich im Abschnitt C befindet, nun ebenfalls eine würdige Umrahmung erhalte.

Dagmar Levin (SPD) zeigte sich vor allem vom Aufenthaltscharakter des Friedhofs angetan. Er werde, das zeige auch das Beispiel von Au, sicher zu einem Ort, an dem man gern verweile. Er sei ein Platz, an dem man die Seele baumeln lassen könne.

Eine Einschätzung, der auch Sebastian Daxeder (CSU) beipflichtete. Er gab nur zu bedenken, dass man dadurch im neuen Friedhof eine Aufenthaltsqualität schaffe, die gerade auch im alten Friedhof benötigt würde: Dort seien ja die klassischen Gräber, die viel Pflege bräuchten. Deshalb sei gerade auch hier Platz zum Ausruhen wichtig. Man dürfe deshalb den alten Friedhof nicht vergessen.

Bürgermeister Kloo sagt dazu, das sei gesichert, man achte auch in Zukunft darauf, den alten Friedhof immer noch ansprechender zu gestalten, sei dort aber wegen des Rasters, das durch die Grabstellen vorgegeben ist, eingeschränkter: „Frei geschwungene Wege sind dort einfach nicht zu verwirklichen.“

Der Stadtrat beschloss einstimmig, dass das Friedhofs-Kompetenz-Zentrum die bestehende Entwurfsplanung in eine Ausführungsplanung umsetzen solle, sodass zum Herbst dann auch eine entsprechende Friedhofssatzung verabschiedet werden kann.

Die Kosten für die Anlage von Baum- und Rosengarten schätzt Michael Hartl derzeit auf etwas über 100000 Euro.

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