Kolbermoor – Für Kinder war der Corona-Lockdown eine lange Zeit. Viele konnten nicht in den Kindergarten gehen und vermissten ihre Freunde und das tägliche Spielen in den Einrichtungen. Auch im pädagogischen Bereich, insbesondere bei den Sprachkompetenzen der Kleinen, sorgte die betreuungsfreie Zeit für Defizite. Deswegen gibt es nun viel aufzuholen. Ein Fördertopf aus Bundesmitteln soll das erleichtern. Eine der Begünstigten ist die Kindertagesstätte „Wiederkunft Christi“ in Kolbermoor.
Zusätzliche
Mitarbeiterin
Die Kindertagesstätte steht unter der Trägerschaft der Caritas und umfasst zwei Häuser: In einem befindet sich ein Kindergarten mit drei Gruppen für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. 75 Kinder werden dort betreut. Im anderen Haus ist ein Hort für Schulkinder sowie die Krippe für Kinder unter drei Jahren untergebracht. 17 Kinder besuchen den Hort, 24 „Zwergerl“ werden in der Krippe versorgt.
„Maximal bis zu 60 Prozent der Kinder haben im Zeitraum März bis Mai die Kita besucht, von Januar bis Ende Februar waren es maximal bis zu 40 Prozent“, berichtet Christa Tolksdorf, die Fachdienstleitung Kindertagesstätten der Caritas Rosenheim. Das ging nicht ohne Spuren an den Kleinen vorbei. Die Spielpartner haben gefehlt und soziale Kontakte seien erheblich eingeschränkt gewesen. Das „Miteinander“ habe erst wieder eingeübt, Regeln mussten in Erinnerung gerufen werden. Wie Tolksdorf erklärt, habe auch das Sprachverhalten der Kinder gelitten. „Kinder, deren soziales Umfeld eher belastet ist, waren besonders betroffen“, betont sie. Gut, dass inzwischen wieder alles seinen normalen Gang geht. Seit dem neuen Kita-Jahr gibt es auch in „Wiederkunft Christi“ keine Einschränkungen mehr. Defizite sollen nun auch mit Hilfe einer zusätzlichen Fachkraft in halber Stelle aufgearbeitet werden. Möglich gemacht haben das die Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“. 33336 Euro bekommt die Kolbermoorer Kita. Auch zahlreiche weitere Einrichtungen aus der Region werden unterstützt. Bundesweit werden insgesamt 100 Millionen Euro für die Jahre 2021 und 2022 zur Verfügung gestellt. „Die Auswirkungen, die diese Pandemie auf die Jüngsten hat, werden mitunter erst später deutlich. Deshalb können wir mit der Sprachförderung bei Kindern, die in diesem Bereich noch Schwierigkeiten und Nachholbedarf haben, gar nicht früh genug anfangen. Wir müssen daher bereits jetzt mit dem Aufholen nach Corona starten, denn Sprache und Sprachentwicklung, legen ihre Grundlagen bereits bei den Kleinsten“, sagt die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, die die gute Nachricht der Förderzusage überbrachte.
Um an die Förderung zu kommen, galt es, schnell zu sein, da die Mittel begrenzt waren. „Im ersten Schritt war eine Interessensbekundung notwendig“, so Fachdienstleiterin Tolksdorf. Außerdem mussten bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, etwa, was die Anzahl der Kinder mit Migrationshintergrund und die Fehlzahlen während Corona betraf. Das Bundesprogramm richtet sich vor allem an Einrichtungen, die von einem überdurchschnittlichen Anteil von Kindern mit sprachlichem Förderbedarf besucht werden und die sich zumeist an sozialen Brennpunkten befinden.
Sprachpädagogischer
Auftrag
Mit der weiteren Fachkraft kann der sprachpädagogische Auftrag der Kita nun noch besser umgesetzt werden. In der Einrichtung gilt der sogenannte „situations- und kindorientierte Ansatz“. Die Räume sind in Bildungsbereiche aufgeteilt und decken in der Ausgestaltung verschiedene Schwerpunktthemen ab.
Die Kinder gehen ihren Interessen nach und suchen die Räume auf, in denen ihnen das entsprechende Spielmaterial zur Verfügung steht. Die Aufgabe der Mitarbeiter der Kita ist es, die Kinder in ihren Interessen abzuholen. Für alle Angebote sowie die Interaktion untereinander ist die Sprache wichtigste Voraussetzung. Entsprechend findet eine alltagsintegrierte Sprachbildung ganzheitlich in allen Bereichen der Einrichtung statt, etwa bei der Bewegung, beim Musizieren oder Kreativ-Sein. All diesen Beschäftigungen, ob Turnen, Malen oder Basteln, können die Kinder nun wieder voller Freude nachgehen – und aufholen, was sie während Corona verpasst haben.