Kolbermoor – Wie sicher ist der Schulweg für Kinder in Kolbermoor? Die Situation an den drei Schulen ist vollkommen unterschiedlich. An einer Einrichtung ist die Situation besonders problematisch. Die meisten Kinder fahren mit dem Rad oder gehen zu Fuß in die Schule. Einige werden von ihren Eltern mit dem Auto gefahren.
„An der Adolf-Rasp-Schule ist das in der Früh das komplette Verkehrschaos“, sagt Stadtmitarbeiter Andreas Eickmann. Er ist zuständig für Kitas, Schulen und Jugend in Kolbermoor und weiß, dass Eltern die Haltestelle mit ihren Autos so blockieren, dass der Bus nicht mehr durchfahren kann. Der Busfahrer dürfe die Kinder aber nicht außerhalb der Haltestelle rauslassen. Wenn etwas passier würde, sei da „die Hölle los“. Auch auf die Lehrerparkplätze stellen sich die Eltern. „Die parken kreuz und quer, drehen mitten auf der Straße um.“ Das gefährde die Kinder.
„Rücksichtslosigkeit
und Egoismus“
Rektorin Carola Vodermaier bestätigt: „Ich habe so was noch nie erlebt, das ist wie im Irrenhaus.“ Kürzlich habe ein Vater fast eine Schulweghelferin angefahren, weil er aufs Handy gesehen hat. Er sei einfach weitergefahren. Die Rektorin, Busfahrer und Schülerlotsen werden auch von Eltern beschimpft, die ihre Fehler nicht einsehen. Heuer sei die Situation noch schlimmer als im Vorjahr – obwohl die Schulleiterin nicht dachte, dass das überhaupt möglich sei. „Hauptsache das eigene Kind ist in Sicherheit, alle anderen Kinder sind egal“, beschreibt Vodermaier das Verhalten.
Die „Rücksichtslosigkeit und der Egoismus“ vieler Eltern erschüttert sie. Vergangene Woche hat die Schulleiterin deshalb einen „emotionalen Elternbrief“ geschrieben, weil sie am Verstand mancher Mütter und Väter zweifle. Darin hat sie angekündigt, dass zivile Polizisten und Ordnungsamtmitarbeiter den Verkehr nun immer wieder kontrollieren werden. Das sei mit der Stadt abgesprochen.
Nach dem Versand des Elternbriefs haben die Rektorin, der Hausmeister und ein Stadtmitarbeiter den Verkehr überwacht. „Recht brav“ seien die Eltern in den ersten drei Tagen gewesen. Dann habe es zu regnen begonnen und das Chaos sei wieder losgegangen. „Als wären die Kinder aus Zucker“, sagt Vodermaier.
Um das Problem zu lösen, würde sie gern eine „Bussi-Pfiadi-Zone“ am Freibad-Parkplatz einrichten. Dort könnten Eltern ihre Autos abstellen und die paar hundert Meter mit ihren Kindern zur Schule laufen. Diese und andere Möglichkeiten werden im neu gewählten Elternbeirat diskutiert. Denn auch dort sei das „oberste Thema“ die Verkehrssicherheit. Die bessere Alternative sei jedoch immer noch zu Fuß zu gehen oder ab der vierten Klasse – nach dem Fahrradführerschein – mit dem Rad in die Schule zu fahren. Alternativ müssen die Eltern die Schüler begleiten. „Das schadet ihnen auch nicht“, sagt Vodermaier.
Vor der Pauline-Thoma-Schule gibt es einen großen Parkplatz. „Da gibt es kein Problem“, weiß Eickmann. Die Schüler seien schon älter und fahren oder gehen meist allein in die Schule. In der Mangfallschule gebe es auch kein Chaos, weil die Lage zentraler sei und mehr Eltern ihre Kinder mit dem Rad oder zu Fuß bringen. Zwar gebe es einen „Park-and-Ride-Parkplatz“ direkt vor der Schule, am alten Rathausplatz gebe es aber keine Stellplätze.
Ungünstige
Ampelschaltung
„Gravierende Gefährdungen und Probleme aufgrund von Elterntaxis sind mir nicht bekannt“, bestätigt Rektorin Christa Wagner. Eine größere Gefahr seien die Baustellen und damit verbundenen Sperrungen. Durch den Rückbau des zweiten Fußgängerüberwegs an der Hasslerstraße und die ungünstige Ampelschaltung mit langen Rot- und kurze Grünphasen würden zu den Stoßzeiten viele Kindern warten, was zu Gedränge führe. Auch die Tonwerksunterführung sei gefährlich, weshalb dort Schülerlotsen stehen. Am Bahnübergang Aiblinger Straße/Am Glasberg bräuchte es laut Wagner auch Schulweghelfer. Weil sich nicht genügend Freiwillige melden, kann dort momentan niemand für Sicherheit sorgen.