„Trinkwasser in bester Qualität“

von Redaktion

Stadtmitarbeiter wünschen sich mehr Wertschätzung und Sensibilisierung

Kolbermoor – Jeden Morgen putzen sich Tausende Menschen in Kolbermoor die Zähne, waschen ihre Gesichter, brühen Kaffee oder Tee auf und kochen ihr Frühstücksei. Und das tun sie mit „Trinkwasser in bester Qualität“, sagen Bauamtsleiter Andreas Meixner und Wassermeister Dominik Oswald. 900000 Kubikmeter verbrauchen die Bürger jedes Jahr. Doch wie wird das Wasser gefiltert und gibt es dabei Schwierigkeiten?

Die Brunnen, aus denen die Stadt ihr Wasser bezieht, liegen in der Willinger Au, östlich der Bad Aiblinger Brunnen. 2007 wurden dort zwei Exemplare mit jeweils zwei Pumpen gebaut. Zuvor hat die Stadt vier Brunnen in Pullach betrieben. Dort war der Grundwasserstand so hoch, dass die Filterschicht nur zwischen 80 Zentimeter und einem Meter betragen hat. Dadurch bestand die Gefahr, dass Bakterien in Form von Tier- oder Vogelkot durch den Regen eingespült werden und ins Grundwasser gelangen.

Wasser mit
UV-Licht bestrahlt

„Es ist also umso besser, je dicker die Erdschicht über dem Grundwasser ist“, sagt Meixner. Besonders in Bezug auf die bakteriologische Belastung. Das Wasser wurde durch 30 oder 40 Zentimeter Humus – abgestorbene organische Bodensubstanz – und den Kies darunter langsam gefiltert. Doch obwohl die Gegend um die alten Brunnen abgesperrt war, hätte ein Vogel über den Brunnen fliegen oder ein Fuchs durchlaufen können.

Um diese Gefahr zu vermeiden, ist die Überdeckung der neuen Brunnen mit „guten zwei Metern“ wesentlich größer. Nach dem Humus kommt eine Lehmschicht, die „fast gar nichts durchlässt“. Dass bei extremen Regenfällen „coliforme Keime“ ins Wasser gespült werden, sei dennoch nicht auszuschließen. Deshalb bestrahlt die Stadt das Rohwasser vorsorglich mit UV-Licht. „Sollte sich ein Keim verirren, wird er abgetötet“, sagt Meixner. Und das funktioniere bestens. Noch nie habe die Stadt einen Keim im Trinkwasser gefunden.

Nicht nur aufgrund der UV-Bestrahlung sei die Qualität „tip top“. Auch auf der chemisch-physikalischen Seite sei das Trinkwasser im Alpenvorland von bester Qualität – besonders wegen der geringen Nitratwerte. Das liege auch an der „sehr guten Zusammenarbeit mit den Landwirten“. Das Wasserschutzgebiet in der Willinger Au ist in drei Zonen eingeteilt. Zone eins ist der eingezäunte Bereich um die Brunnen. Zone zwei umfasst die engere Schutzzone und Zone drei die weitere Schutzzone. „In diesen Zonen versuchen wir die Qualität durch Vereinbarungen mit den Landwirten zu schützen“, erklärt Meixner. Die Bauern bekommen deshalb Ausgleichszahlungen, wenn sie keine Gülle ausbringen, sondern mineralische Dünger verwenden.

„Wir sind gesegnet“, sagt Meixner. In großen, trockenen Sommern habe sich der Grundwasserstand kaum abgesenkt, weil das Vorhaben so ergiebig ist. Das Wasserreservat sei „schier unerschöpflich“. Die enormen Kiesmassen im Mangfalltal seien zudem optimal und fingen Bakterien ab.

„Wir haben die Situation immer im Blick“, sagt Meixner. Wenn sich Pfützen in der Wiese um die Brunnen bilden, füllt die Stadt diese mit Erde, damit sich keine Bakterien an der Oberfläche sammeln. Wassermeister Dominik Oswald und seine Kollegen entnehmen einmal im Monat Proben und testen sie auf Keime. Auch eine externe Firma nimmt viermal im Jahr umfassende Proben, wie vom Gesundheitsamt angeordnet. „Das ist ein sehr sensibles und komplexes System, deshalb ist höchste Vorsicht geboten“, sagt Oswald über die Arbeit in Rohrnetz, Aufbereitungsanlagen und Brunnen. Bei der Probeentnahme müssen sie ihre Hände desinfizieren und saubere Kleidung tragen. Das Fachpersonal leiste „einwandfreie Arbeit“.

Die Wertschätzung fehle laut Oswald jedoch oft – gegenüber dem Trinkwasser und den Wasserversorgern in der Region. „Die meisten drehen den Wasserhahn auf und machen sich keine Gedanken, wo es herkommt“, sagt der Wassermeister. Man müsse die Bürger im Umgang mit Wasser sensibilisieren. Schließlich stecke jede Menge Arbeit dahinter und es sei wichtig für die Infrastruktur.

Als Verbrecher
beschimpft

Wenn etwas mit dem Wasser falsch läuft, ist die Aufregung groß. „Das ist ein sehr sensibles Thema“, sagt Meixner. Als die Stadt die Brunnen in Pullach betrieben hat, gab es noch keine UV-Anlage. Das Wasser wurde gechlort. Das Gesundheitsamt hat 1996 angeordnet, dass die Dosierung erhöht werden muss. Daraufhin beschimpften Bürger ihn und seine Kollegen als Verbrecher und Umweltsünder. „Da möchte man Reißaus nehmen“, sagt der Bauamtsleiter. 50 Anrufe hätte die Stadt am Tag bekommen.

Oswald bestätigt, dass es „keine zwei Minuten“ dauere bis sich Bürger beschweren, sobald das Wasser kurz abgestellt wird. Er wünscht sich mehr Wertschätzung und Weitblick bei den Menschen: „Man sollte sich immer wieder vor Augen führen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir Wasser in einer wahnsinnig guten Qualität genießen dürfen.“

Was tun die Wasserwerk-Mitarbeiter, wenn ein Keim gefunden wird?

„Wir haben eine Meldereihenfolge, die halten wir ein“, sagt Wassermeister Dominik Oswald. Falls er oder seine Kollegen eine schlechte Probe finden, informiert er zuerst Bauamtsleiter Andreas Meixner. Der informiert wiederum Bürgermeister Peter Kloo. So geht die Kette bis zum Gesundheitsamt. Das Amt gebe dann die jeweiligen Maßnahmen vor. „Das kommt auf den Verschmutzungsgrad an“, weiß Oswald. Meist werden die Bürger dazu aufgerufen, das Wasser abzukochen. Die Information werden medial verbreitet, um wirklich alle Menschen zu erreichen. Das Kolbermoorer Wasserwerk muss zudem Spülplänen folgen und das Wasser chloren. „Die Maßnahmen kommen meistens gleichzeitig vor, weil es einen gewissen Zeitraum dauert, bis die Chlorung anschlägt“, sagt der Wassermeister. Die Mengen seien aber „absolut ungefährlich“ für die Kolbermoorer, wenn sie das Wasser abkochten. Sie sollten dem Aufruf unbedingt folgen. Er wisse auch, dass es unangenehm sei, wenn es aus der Leitung rieche. Meist sei dies jedoch nur für eine kurze Zeit der Fall.

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