Kolbermoor – Winterschläfer legen sich im Herbst ein Fettpolster zu und suchen sich einen frostgeschützten Platz zum Schlafen. Doch wie bereitet sich eine Stadt auf den Winter vor? Chefgärtner Simon Reiter und seine Kollegen wappnen Brunnen und Grünanlagen für die dunkle Jahreszeit und erledigen Aufgaben, für die im Sommer keine Zeit ist.
Wasser abdrehen
und ausblasen
Die Beregnungsanlage vom Sportplatz am Waldrand ist bereit für den Winter. Die Stadtgärtner haben das Wasser abgedreht, die Rohrleitungen mit einem Kompressor „ausgeblasen“ und von Flüssigkeit befreit. Denn wenn das Wasser gefriert, dehnt es sich aus, sprengt die Leitungen und zerstört die Regner. „Das wäre ein enormer Schaden“, sagt Reiter. Die Mitarbeiter müssten den Boden aufbaggern und Rohre neu verlegen – das wollen sie verhindern. Vereine und Hausmeister versorgen die anderen Sportanlagen in Kolbermoor.
Friedhöfe als
„kleine Problemsache“
Auch um die Brunnen am Edmund-Bergmann-Platz, am Stadtplatz, am Anton- Elsperger-Platz und am Karl-Daniels-Platz kümmern sich die Stadtgärtner. Sie haben das Wasser abgelassen und die Becken grob gereinigt. „Bevor wir sie im Frühjahr einlassen, müssen wir sie sowieso noch mal sauber machen“, sagt Reiter. Für die kleinen Brunnen haben sie eine halbe Stunde, für die großen bis zu eineinhalb Stunden gebraucht. Normalerweise starten sie damit um Allerheiligen. Wenn es wie heuer schneller kalt wird oder Minusgrade Frost bringen, müssen sie eher handeln. „Das ist immer witterungsabhängig“, sagt Reiter.
Die Arbeit an den Brunnen am alten und neuen Friedhof kostet die Gärtner insgesamt zwei Stunden. Weil die Bürger das Wasser zum Gießen der Grabblumen brauchen, sei das aber eine „kleine Problemsache“. Am alten Friedhof sind die Leitungen tief genug und halten leichten Frost aus. Deshalb können sie nach Allerheiligen abgedreht werden. Die Winterbrunnen sind ganzjährig zugänglich. Am neuen Friedhof sind die Brunnen bereits verschlossen, weil die Magnetventile bei zwei bis drei Minusgraden kaputt gehen. Seit rund drei Jahren gibt es dort einen Winterbrunnen am Haupteingang, der ganzjährig offen ist. Ostern sollten die Brunnen wieder laufen. An den Friedhöfen sogar eher, weil die Menschen das Wasser wieder brauchen.
Abdeckungen kommen nicht auf die Brunnen. Manchmal ist das ein Problem. Es wurden bereits mehrfach Düsen geklaut oder mit Ästen verstopft. Manche Bürger benutzen die Brunnen sogar als Mülleimer. „Das ist leider schon normal, aber es ärgert uns“, sagt Reiter. Es sei schwer, Ersatzteile für die alten Brunnen zu bekommen, manchmal müsse er improvisieren und selbst etwas basteln. Der Arbeitsaufwand und die Kosten für solche Beschädigungen seien erheblich. Deshalb wünscht sich der Chefgärtner „mehr Wertschätzung für das öffentliche Gut“.
Denn sein Team gibt sich große Mühe. Im Sommer säen die Gärtner Blumenwiesen für Bienen, jäten Unkraut, schneiden Hecken, gießen Pflanzen, mähen die Grünflächen auf beiden Friedhöfen, Parks, Spiel- und Sportplätzen sowie in den Kindergärten. Die Saisonpflanzen sterben im Herbst und werden „abgeräumt“, die Flächen wieder hergerichtet und mit organischen Mitteln gedüngt. Über den Winter liegen die Tröge brach, der Dünger setzt sich um und schafft so die „Starthilfe“ für die neue Bepflanzung im Frühjahr. Manche Tröge lagern die Stadtgärtner im Bauhof, weil sie dem Winterdienst sonst im Weg sind. Wenn die Tröge um den Edmund-Bergmann-Platz nicht wegkämen, wäre es zu eng für die Fahrzeuge.
„Wichtig ist auch, dass wir das ganze Laub wegbringen, bevor es schneit“, sagt Reiter. Wenn zu viel Laub unter dem Schnee liege, werden die Blätter über den Winter zu „Baaz“. Im Herbst beginnt zudem die Gehölzpflege: Sträucher schneiden, Bäume pflegen, abgestorbene Äste entfernen, um Gefahren an Straßen oder Fußgängerwegen vorzubeugen.
Auch um das passende „Lichtraumprofil“ kümmern sich die Gärtner, also darum, wie tief Äste maximal hängen dürfen. An den Kolbermoorer Straßen sind das viereinhalb Meter und an Fuß- und Radwegen zweieinhalb Meter. Lastwagen dürfen maximal vier Meter hoch sein, den halben Meter „Puffer“ gibt es, weil die Äste tiefer hängen, wenn es regnet. Indem die Gärtner das optimale „Lichtraumprofil“ instand halten, sorgen sie für freie Durchfahrt.
Zu all diesen Dingen kommen sie im Frühjahr und Sommer nur selten. Und wenn im Winter viel Schnee fällt, bleibt wenig Zeit für solche Arbeiten. „Der Winterdienst geht vor“, sagt Reiter.