Kolbermoor – Vielfalt und Qualität – das ist seit 42 Jahren das Markenzeichen der jährlichen Ausstellung der Kolbermoorer Maler. Deshalb werden auch dieses Jahr viele Kunstfreunde den Weg in Pauline-Thoma-Schule finden, um sich bis Sonntag, 7. November, einen eigenen Eindruck verschaffen zu können. Dass man in diesem Jahr die Ausstellung nicht groß beworben hat, wird da vermutlich kein Hinderungsgrund sein.
Im vergangenen Jahr hatte man dafür einiges Geld zu investiert, allerdings musste am Ende coronabedingt alles ganz kurzfristig abgesagt werden. Auch auf eine Vernissage mit vielen geladenen Gästen verzichtete man heuer, zu unsicher einfach die derzeitige Corona-Lage.
Am ersten Tag drei
Bilder verkauft
Dass die Kunstinteressierten trotzdem kommen, zeigte schon der Eröffnungssamstag, an dem übrigens bereits drei Bilder verkauft wurden. Eines an das junge Ehepaar Anna und Johannes Thiesen. Sie waren eigentlich nur gekommen, um zu schauen, haben sich dann aber dermaßen in das Bild „Schwarz-Rot-Gold“ von Hildegard Czizegg verguckt, dass sie es gleich erwarben. Bis zum Ende der Ausstellung bleibt es natürlich noch hängen, Zeit auch für die Malerin, sich langsam von ihrem Bild zu verabschieden. „Es verkauft zu haben, ist ein zwiespältiges Gefühl“, sagt sie. „Einerseits freue ich mich sehr darüber, dass es anderen so gefällt, dass sie es in ihrer Wohnung haben wollen. Andererseits bin ich auch ein klein wenig traurig, denn auch mir hat das Bild gut gefallen, ich hing daran.“
Dass die Kolbermoorer Künstler selbst ihre eigenen Lieblingsbilder haben, kommt nicht von ungefähr. Sie sind, das stellt man in den Gesprächen fest, immer dabei, andere Techniken auszuprobieren, sich von Seminaren und Workshops in der Akademie anregen zu lassen. Auf diese Lust am Ausprobieren ist dann auch die große Bandbreite des Ausgestellten zurückzuführen. Keiner der 15 Künstler, die man nur auf einen Stil festlegen könnte. Immer wieder stellt man erstaunt fest, das ganz verschiedene Stilrichtungen von ein und derselben Person geschaffen wurden. „Man selbst merkt aber, dass einem bestimmte Techniken mehr liegen als andere, dem eigenen Wesen und dem, was man ausdrücken möchte, näher sind“, erklärt Hildegard Czizegg. „Und von daher ist es klar, dass man unter den eigenen Werken dann auch einfach Lieblingsbilder hat.“ Doch für alle Bilder gilt: Wenn diese einen Anderen so ansprechen, dass er davon berührt werde, dann sei das immer etwas Besonderes, sagt Hildegard Czizegg und spricht dabei sicher für alle ihrer Künstlerkollegen: „Dann ist ein direkter Dialog zwischen den Gefühlen des Malers und denen des Betrachters entstanden. Das ist eigentlich etwas sehr persönliches, ja fast intimes.“
Wut auf Corona zum
Ausdruck gebracht
Die Vorstellung, dass das, was man empfindet und ausdrücken möchte, in den vergangenen gut eineinhalb Jahren in irgendeiner Form auch mit der Corona-Pandemie zu tun gehabt haben könnte, liegt nah. Es ist aber nur zum Teil so. Hanni Harzenetter zum Beispiel sagt, dass ihre Bilder durchaus damit zu tun haben. Eines zeigt ihre Wut und die Aggression gegen dieses Virus, eine Reihe anderer, die direkt daneben hängen, sind aus dem Wunsch entstanden, sich durchs Malen genau diesen Impulsen entgegenzustellen, sie strahlen Ruhe, ja sogar Heiterkeit aus.
Andere sagen, sie hätten in der Corona-Zeit nur schwer zum Malen gefunden, hätten sich immer vorgesagt: Jetzt hast Du Zeit, nütze sie. Aus irgendwelchen nicht fassbaren Gründen hätten sie aber dennoch immer einen Bogen um ihre Malsachen gemacht. Wieder andere fanden in ihrer Kunst eine Möglichkeit sich über die coronabedingten Sorgen und Alltagslästigkeiten hinauszuheben. Etwa Penny Seitz-Würdemann, die in ihren Bildern die Schönheit von Eis und Feuer einfängt, Impressionen von ihren Reisen nach Island und Grönland.
Um sich selbst aber einen wirklichen Eindruck von der Vielfältigkeit und vor allem von dem hohen Niveau des Kolbermoorer Kunstschaffens zu gewinnen, hilft nur eines: Hingehen, vielleicht sogar mehrmals, denn alle Ausstellungsstücke verdienen es, lange und mit Muße angeschaut zu werden.