Kolbermoor – Luftreinigungsgeräte, zumindest aber CO2 Ampeln, hatten sich die Kolbermoorer Eltern für ihre Kinder an den zwei Kolbermoorer Grundschulen und der Mittelschule gewünscht – das war Thema in der Stadtratssitzung im Juli (wir berichteten). Daraufhin hatte die Stadt nach dem Bedarf der Ampeln bei den Schulen abgefragt. Der war da und die CO2-Ampeln wurden angeschafft. Mittlerweile wurden sie in den Klassenzimmern angebracht.
Wissenschaft
ist sich uneins
Jetzt waren die Geräte wieder Thema. In der Bürgerfragestunde vor der jüngsten Stadtratssitzung wollte Franziska Srp-Capello, die stellvertretende Vorsitzende des Elternbeirates der Mangfallschule, wissen, ob dazu nun auch noch Lüftungsgeräte kämen.
Das werde nicht der Fall sein, erläuterte Zweiter Bürgermeister Dieter Kannengießer (Parteifreie Kolbermoor), der die Sitzung leitete. Bei der Frage nach dem Nutzen derartiger Geräte seien die Meinungen ja nach wie vor geteilt, auch die Wissenschaft sei sich in der Beurteilung nicht einig, es gäbe ebenso Gutachten die sich dafür, wie solche, die sich dagegen aussprächen.
Zu einer Beurteilung, wer nun Recht habe, seien weder die Verwaltung noch der Stadtrat in der Lage. Hier, so findet Dieter Kannengießer, mache man es sich staatlicherseits auch etwas zu einfach: Wenn es bei den Luftreinigungsgeräten tatsächlich um eine wirksame Corona-Gegenmaßnahme handele, dann dürfe die Entscheidung über ihren Einsatz nicht an die Städte und Gemeinden abgeschoben werden. Man habe sich deshalb in Kolbermoor sozusagen notgedrungen an der Positionierung des Deutschen Städtetages wie die des Bayerischen Gemeindetags orientiert. Diese Gremien hätten festgehalten, dass Luftreinigungsgeräte die Fensterlüftung nicht ersetzen, Lüften vielmehr ein fester Bestandteil aller Hygienekonzepte bleiben werde, unabhängig davon, ob Lüftungsgeräte vorhanden seien oder nicht.
Franziska Srp-Capello zeigte in einem Gespräch mit dem Mangfall-Boten in gewissem Sinn Verständnis für die schwierige Entscheidungslage seitens der Stadt. Den Eltern sei auch klar, dass Lüftungsgeräte trotz der staatlichen Förderungsmittel eine große Kostenbelastung für die Stadt darstellen würden.
Es dürfe jedoch nicht außer Acht gelassen werden, „dass Distanzunterricht die Wirtschaft und damit indirekt die Stadt ebenfalls stark belaste – viele Eltern könnten ihre Kinder, vor allem die im Grundschulalter, einfach nicht allein zuhause lassen“.
Genau diese Hoffnung, dass das Vorhandensein von Lüftungsgeräten bei zukünftigen Unterrichtsbeschränkungen und anderen staatlich verordneten Hygieneauflagen automatisch mit einfließen würde, scheint jedoch unsicher.
Klassenzimmer in
Prutting ausgestattet
Pruttings Bürgermeister Johannes Thusbaß etwa hat sich mit seinen Gemeinderäten recht früh für die Anschaffung von Lüftungsgeräten entschieden. Die Hoffnung, dass dadurch die Maskenpflicht im Unterricht aufgehoben werden könnte, hat sich im bisherigen Coronaverlauf jedoch nicht erfüllt.
In Kolbermoor setzt man deshalb auch in Zukunft auf natürliche Lüftung, was dank der CO2 Ampeln nicht mehr gleichbedeutend sein muss, mit völlig ausgekühlten Klassenzimmern. Lehrer, die bereits in der Vergangenheit über CO2 Ampeln verfügten, wie etwa die an der Pruttinger Grundschule, berichten, dass die Lüftungsintervalle sich deutlich verlängert haben.
Hätte man vor dem Einsatz der Ampeln noch ängstlich darauf geachtet, alle 20 Minuten zu lüften, sei der Unterricht jetzt wesentlich entspannter: Die Geräte wiesen darauf hin, wann tatsächlich Lüftungsbedarf sei, meist aber werde dem durch das auch bislang übliche Lüften sowieso zuvorgekommen.